Zweite Liga

Union vor der wichtigsten Rückrunde der Vereinsgeschichte

Der 1. FC Union startet als Vierter in die zweite Saisonhälfte und will aufsteigen. Die Vergangenheit dient dabei als Warnung.

Torjubel bei Union.

Torjubel bei Union.

Foto: O.Behrendt / imago/Contrast

Berlin.  Dieser Tage hat Urs Fischer an einer Redewendung besonders Gefallen gefunden. Carlos Mané, der Zugang von Sporting Lissabon, „ist auf dem Weg“, sagt der Trainer des 1. FC Union. Nicolai Rapp und Joshua Mees, die zwei angeschlagenen Spieler, auch sie „sind auf dem Weg“. Auf einem guten wohlgemerkt.

Viel spannender ist aber die Frage, auf welchem Weg sich die gesamte Mannschaft befindet. Union startet am Donnerstag mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Köln (20.30 Uhr, Alte Försterei) in das neue Kalenderjahr. Union ist Vierter, am Montag gastieren die Köpenicker beim FC St. Pauli. Anspruchsvoller und wichtiger könnte das Auftaktprogramm kaum sein. Da klingt es höchst unpassend, wenn Fischer davon spricht, dass seine Mannschaft noch zwei, drei Spiele brauchen werde, um wieder richtig in Schwung zu kommen. Schließlich wisse man nach der langen Vorbereitung nicht, wo man stehe. Genau jene „zwei, drei Spiele“ könnten am Ende dafür verantwortlich sein, wenn es wieder nicht reichen sollte zum Aufstieg in die Bundesliga.

Die Last des Gewinnenmüssens

Nur, was soll Fischer auch sagen? Vor dem 1. FC Union liegt die womöglich wichtigste Rückrunde der Vereinsgeschichte, zumindest der jüngeren. Der Klub sehnt sich mindestens so innig nach der Bundesliga wie die Stadt Berlin nach einem modernen Flughafen. Der Schweizer Fußball-Lehrer hat eine Mannschaft geformt, die mit den Besten dieser Zweiten Liga mithalten kann, das hat sie während der ersten 18 Spiele bewiesen. Nur ein einziges Mal gingen die Berliner in all den Begegnungen als Verlierer vom Feld – und wären da nicht die vielen Unentschieden, Union würde noch deutlich besser dastehen.

Fischer ist lange genug im Geschäft um zu wissen, wie brisant die Lage ist. Alles andere als sie zu verharmlosen wäre aus psychologischer Sicht ein Eigentor. Beim 1. FC Union haben sie ungute Erfahrungen gemacht mit Drucksituationen, schon vor Fischer. Vor zwei Jahren, da war die Zweite Liga in der Spitze ähnlich umkämpft wie aktuell, und Union mischte kräftig mit. Ende März erklommen die Köpenicker die Tabellenspitze, die Bundesliga schien so nah wie nie zuvor, und es gab in dieser Stadt bereits Einige, die sahen Union schon in Dortmund, München und Gelsenkirchen vorspielen. Daraus wurde nichts, weil die Mannschaft unter der Last des Gewinnenmüssens zusammenbrach und kaum noch punktete. Am Ende wurde Union Vierter, nicht einmal das Relegationsspiel war ihnen vergönnt. Auch wenn von damals kaum noch führende Spieler dabei sind, gilt die Vergangenheit immer noch als Warnung. Jetzt bloß nicht wieder überdrehen.

Konkurrent Köln hat im Winter nachgerüstet

Vor zwei Jahren waren es der VfB Stuttgart und Hannover 96, die eine unüberwindliche Hürde für den Rest der Liga darstellten. Zwei Schwergewichte, die ihren Abstieg aus der Bundesliga als Betriebsunfall begriffen. Die gleiche Denkweise verfolgen nun der HSV und Köln. Beide treten auch eine Klasse tiefer wie alter Bundesliga-Adel auf, sie leisten sich teure Hofangestellte wie Florian Kainz, den Köln jüngst für drei Millionen Euro von Werder Bremen verpflichtete.

Von Zahlen dieser Größenordnung ist Union deutlich entfernt. Verteidiger Rapp kam für 250.000 Euro aus Aue, Mané ist nur ausgeliehen. „Die Abgänge haben wir mit den Zugängen kompensiert“, sagt Fischer und spielt damit auf die Verluste von Kenny Prince Redondo (Fürth), Simon Hedlund (Bröndby IF) und Christoph Schösswendter an (Mödling). Auch wenn die Berliner durch diese Personalien qualitativ besser geworden sind, versucht Fischer sich möglichst defensiv zu geben. „Der Weg führt nur über Hamburg und Köln“, sagt er.

Trainer Fischer will Qualität in der Abwehr ausbauen

Eine defensive Grundhaltung hat er seiner Mannschaft auch auf dem Feld verordnet, Union stellt mit nur 15 Gegentoren die beste Abwehr der Zweiten Liga. Diese Qualitäten will Fischer ausbauen. „Wir haben weiter an unserer Defensive gearbeitet. Wir sollten unsere Stärken nicht vernachlässigen“, sagt er.

Allerdings weiß er auch, dass sich Union offensiv verbessern muss, um dieses Mal bis zum Schluss alle Aufstiegschancen zu wahren. „Wir haben zuletzt den Schwerpunkt auf das Spiel mit dem Ball gelegt, es geht darum, in den richtigen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen und ruhiger zu werden“, sagt er und meint damit: Ruhe hilft immer. Erst recht im Aufstiegskampf, diesem aufgeregten Treiben, wo sich am Ende auch diejenigen durchsetzen, die Drucksituationen mit der meisten Gelassenheit begegnen.