Zweite Liga

Union bereitet den Generationswechsel vor

Die Winter-Zugänge Carlos Mané und Nicolai Rapp beleben den Konkurrenzkampf beim Tabellen-Vierten der Zweiten Liga.

Gestatten,

Gestatten,

Foto: imago sport / imago/Matthias Koch

Berlin.  Sein Debüt für den 1. FC Union hatte sich Nicolai Rapp (22) anders vorgestellt. Da stand er schon auf dem Rasen, lief sich mit den anderen warm – und dann zwickte der Muskel. Nichts wurde es mit dem ersten Einsatz, das Freundschaftsspiel gegen den FC Basel erlebte der Innenverteidiger, der in diesem Monat von Liga-Konkurrent Erzgebirge Aue gekommen war, als Zuschauer. Beim letzten Test vor dem Pflichtspiel-Start gegen den 1. FC Köln am Donnerstag (20.30 Uhr, Alte Försterei) trennte sich der Berliner Zweitligist vom 20-maligen Schweizer Meister 2:2 (2:2). Sebastian Polter (21. Minute) und Grisha Prömel (30.) trafen für Union.

Anders als Rapp konnte Unions zweiter Winterzugang seinen Einstand geben. Der erst am Freitag verpflichtete Carlos Mané (24), einst beim VfB Stuttgart, wurde nach einer Stunde eingewechselt. „Er hat angedeutet, zu was er fähig ist und dass er uns helfen kann mit seiner Geschwindigkeit“, sagte Trainer Urs Fischer. „Es war sein Wunsch, 30 Minuten lang zu spielen, um die Mannschaft kennenzulernen.“ Mané ist eine Leihgabe von Sporting Lissabon, er soll das in der Hinrunde nicht immer flüssige Angriffsspiel beleben. Das gelang im Ansatz. „Offensiv sah das gut aus, aber bei den Gegentoren haben wir uns nicht gut angestellt“, sagte Fischer.

Jahresauftakt am Donnerstag gegen Köln

Das ist insofern ungewöhnlich, weil seine Mannschaft sonst gerade in der Defensive überzeugt. Nur 15 Gegentore haben die Berliner bis zur Winterpause hinnehmen müssen, weniger als jeder andere Zweitligist. Gegen Basel wurde Stamminnenverteidiger Florian Hübner allerdings geschont, für ihn sollte eigentlich Rapp auflaufen.

Der wird nun erst einmal weiter warten müssen. Wenn der Ligaalltag am Donnerstag beginnt, wird Trainer Fischer in der Zentrale wieder auf Hübner und Marvin Friedrich setzen. Rapp weiß das. Für ihn ist der Wechsel zum 1. FC Union Risiko und Chance zugleich. In Aue war er gesetzt, in Berlin wird das nicht der Fall sein. Rapp gilt als Investition in die Zukunft, er soll sich langsam integrieren und dann ab dem Sommer womöglich eine größere Rolle bekommen. Hintergrund ist die Vertragssituation von Marvin Friedrich, der nur vom Bundesligisten FC Augsburg ausgeliehen ist und Union womöglich nach der Saison wieder verlässt.

Bei anderen Innenverteidigern wie Michael Parensen (32), Fabian Schönheim (31) und Marc Torrejon (32) läuft der Vertrag im Sommer aus, mindestens bei Schönheim und Torrejon gilt ein Abschied als sicher. Der Generationenwechsel kündigte sich schon jetzt an, als Union den 30 Jahre alten Christoph Schösswendter abgab.

Ausgebildet von Julian Nagelsmann

Spieler wie Parensen und Schönheim haben Union in der Vergangenheit geprägt, Rapp könnte ihnen in Zukunft nacheifern. „Mir war klar, dass hier in Friedrich und Hübner zwei Spieler sind, die das nahezu ­perfekt gemacht haben. Aber der ­Konkurrenzkampf tut sicher auch ihnen gut“, sagt Rapp. Einen Trumpf hat der Zugang seinen Konkurrenten gegenüber. Nach eigener Aussage ist er vielseitig einsetzbar und kann auch im defensiven Mittelfeld oder zur Not als Außenverteidiger spielen, auch wenn das nicht unbedingt seine Wunschposition ist. „Für mich geht es erst einmal darum. Spielzeit zu bekommen. Auf welcher Position, ist mir egal“, sagt Rapp.

Was ihn für einen Platz im Abwehrzentrum prädestiniert, sei sein gutes Aufbau- und Passspiel. „In dieser Hinsicht habe ich in den drei Jahren unter Julian Nagelsmann viel mitgenommen“, sagt Rapp. Er war von 2006 bis 2016 bei der TSG Hoffenheim ausgebildet worden. In Fürth (2016/17) und in Aue (2017 bis Januar 2019) hatte er sich Robustheit und Zweikampfstärke geholt. Dort sammelte er Erfahrung im Profigeschäft. Auf 60 Spiele (ein Tor, zwei Assists) kommt er bisher in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. An dieser Bilanz möchte ­Nicolai Rapp in Berlin weiter arbeiten, in der Hoffnung, dass dort auch Spiele in der Bundesliga hinzukommen.