Zweite Liga

Union-Profis im Schatten des Erfolges

Bei Zweitligist Union haben die 17 Spiele ohne Niederlage nicht nur Sieger hervorgebracht. Bilanz der besten Hinrunde der Köpenicker.

Felix Kroos (l.) auf dem Weg zur Union-Ersatzbank, auf der Torwart Jakob Busk (2.v.l.) bereits sitzt

Felix Kroos (l.) auf dem Weg zur Union-Ersatzbank, auf der Torwart Jakob Busk (2.v.l.) bereits sitzt

Foto: O.Behrendt / imago/Contrast

Berlin.  Platz drei nach der Hinrunde, 31 Punkte, keine Niederlage – nie stand der 1. FC Union in seiner Zweitliga-Historie besser da als in diesem Herbst. Nie war die Ausgangslage für den Aufstieg in die Bundesliga günstiger. Welch ein Aufschwung nach einer Spielzeit, in der es fast bis zum Schluss um dem Klassenerhalt ging.

Doch es zählt auch zu den Wahrheiten im Mannschaftssport Fußball, dass es bei aller positiven Entwicklung nicht nur Sieger gibt. Es gibt auch Profis, die im Schatten des Erfolges stehen.

Einer davon ist Felix Kroos. Noch in der vergangenen Saison führte der Mittelfeldmann Union als Spielführer aufs Feld. Unter Trainer Urs Fischer musste er die Kapitänsbinde im Sommer an Christopher Trimmel abgeben. „Ich werde vorangehen, ob ich die Kapitänsbinde am Arm habe oder nicht“, gab sich der 27-Jährige kämpferisch, wollte weiter Verantwortung übernehmen.

Kroos spielt keine Hauptrolle mehr

Dass er dies immer wieder auch auf der Bank tun musste, ist einerseits der gestiegenen Konkurrenz geschuldet: Zugang Manuel Schmiedebach ist im defensiven Mittelfeld nicht wegzudenken, ebenso wenig Grischa Prömel, der sich als zentraler Spieler hervorragend entwickelt hat. Hinzu kam mit Robert Zulj ein starker Mitbewerber um den Platz in der Offensive. Elf Einsätze belegen, dass Kroos längst nicht mehr unverzichtbar ist.

Kommen dann noch kleinere Verletzungen hinzu, so wie die am Sprunggelenk im November, wird es mit der Empfehlung für eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages schwer. Der Trainer habe offen mit allen gesprochen, auch mit ihm, ließ Kroos unlängst wissen. Jeder erhalte „seine Chance, auch wenn er mal nicht im Kader steht“, verwies er auf die gestiegene Konkurrenzsituation.

Dass es ihm nicht gelingt, sich dauerhaft für die Startelf zu empfehlen, dürfte ihn – bei aller Bescheidenheit, die Kroos in diesem Punkt immer an den Tag legt – dennoch wurmen. Dabei hatte alles mit seinem herrlichen Freistoß-Siegtreffer zum Saisonauftakt gegen Aue (1:0) so prächtig begonnen, selbst wenn er gegen die Erzgebirgler erst spät eingewechselt wurde.

Hedlund spielt nur noch eine Nebenrolle

Elf Einsätze stehen auch für Simon Hedlund zu Buche. Doch der Flügelflitzer, in der vorigen Spielzeit noch Stammspieler, ist unter Fischer auch nur noch ein Offensivmann von vielen. 2016 vom damaligen Trainer Jens Keller geholt, belebte der schnelle Schwede Unions maues Flügelspiel.

Zwei Jahre später zählt der zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung teuerste Union-Zugang (850.000 Euro Ablöse) fast schon zu den Aussortierten. In den letzten drei Hinrundenspielen stand Hedlund (Vertrag bis 2020) nicht einmal mehr im 18-Mann-Kader. Das lag auch an Sommer-Zugang Joshua Mees, der nach auskurierter Oberschenkelverletzung auf Hedlunds linker Seite durchgestartet ist.

Kenny Prince Redondo (Vertrag endet im Sommer) teilt ein ähnliches Schicksal wie Hedlund. Immerhin reichte es für den gebürtigen Münchner zuletzt noch zum Reservistendasein.

Busk bleibt nur die Rolle des Ersatzmanns

Dauerhaft mit dieser Rolle zurechtkommen muss Jakob Busk. Als Torwart hat man es ohnehin schwer, zum Einsatz zu kommen, wenn sich der Trainer einmal auf eine Nummer eins festgelegt hat. Im Falle von Busk ist der Platz auf der Bank jedoch für den Dänen dauerhaft reserviert, vor allem wegen der Aussichtslosigkeit auf eine Rückkehr zwischen die Union-Pfosten.

Zugang Rafal Gikiewicz ist die unumstrittene Nummer eins. Es scheint, als wolle der Pole allen beweisen, dass er zwei Jahre lang zu Unrecht auf der Bank des Erstligisten SC Freiburg gesessen hat. Ausstrahlung, Reaktion, auch Antreiber der Hintermannschaft (immer wieder ruft Gikiewicz die Abwehrspieler vor ihm energisch zur Ordnung) – mit Gikiewicz hat sich Union einen erstklassigen Rückhalt geangelt.

Busk (Vertrag 2020) bleibt nur die undankbare Aufgabe, sich für den Moment bereitzuhalten, sollte sich Gikiewicz verletzen. Dass es mal einen Zweikampf zwischen Busk und Daniel Mesenhöler (inzwischen beim MSV Duisburg) um die Nummer eins gegeben haben soll, liegt gefühlt schon Jahre zurück und nicht erst wenige Monate.

Rückkehrer Zejnullahu spielt überhaupt keine Rolle mehr

Noch länger ist der Moment entfernt, an dem Eroll Zejnullahu bei Union positiv auf sich aufmerksam machen konnte. Am 14. Mai 2017, im Heimspiel gegen Heidenheim (0:1), stand der Mittelfeldspieler zum bislang letzten Mal für Union in einem Zweitliga-Spiel auf dem Platz. Dabei ließ sich das Eigengewächs danach an den SV Sandhausen ausliehen, um durch mehr Spielpraxis und in einer anderen Umgebung zu reifen.

Doch der Schuss ging komplett nach hinten los. Der 24-Jährige stand in keinem der 17 Hinrundenspiele unter Trainer Fischer im Spieltagskader. Und seine Chancen dürften sich auch in der Rückrunde, die am Sonntag gegen Erzgebirge Aue (13.30 Uhr, Sky) beginnt, nicht vergrößern. Der Vertrag des kosovarischen Nationalspielers läuft im Sommer aus, eine Verlängerung scheint so gut wie ausgeschlossen.