Zweite Liga

Andersson oder Polter - bei Union kann es nur einen geben

Mit Sebastian Andersson und Sebastian Polter verfügt Union über zwei gleichwertige Stürmer. Trainer Fischer sieht darin ein Privileg.

Unions Abteilung Attacke ist Garant für Tore: Sebastian Andersson (l.) und Sebastian Polter

Unions Abteilung Attacke ist Garant für Tore: Sebastian Andersson (l.) und Sebastian Polter

Foto: Jörg Carstensen / picture alliance/dpa

Berlin.  Die große Zeit der schlagkräftigen Sturm-Duos ist lange vorbei. Die Entwicklung im modernen Profi-Fußball mit der Konzentration auf meist nur noch eine Spitze will es so. Beim 1. FC Union sieht es Trainer Urs Fischer ähnlich, selbst wenn eine Frage vor jedem Spiel mit allergrößter Sicherheit beantwortet werden kann, auch vor dem Ostderby am Sonntag beim 1. FC Magdeburg (13.30 Uhr, Sky): Unions Stürmer heißt Sebastian. Mit Vornamen.

Wohl dem Klub, der in Zeiten der Alleinunterhalter in vorderster Front über zwei gleichwertige Alternativen verfügt, wie Union mit Sebastian Andersson und Sebastian Polter. Ein Duo, wie es beim Berliner Zweitligisten noch nicht auf Torejagd gegangen ist, auch wenn immer nur einer in der Startelf steht. Viele würden nun mit der so unvermeidlichen Qual der Wahl um sich werfen.

Nicht Urs Fischer, Unions Trainer. „Die Entscheidung, wer auflaufen wird, fällt mir sicher nicht schwer. Das ist ein Privileg, wenn du eine Auswahl treffen kannst, wenn du zwei solche Stürmer zur Verfügung hast.“ Womit nicht nur die sportlichen Leistungen gemeint sind.

Der Umgang ist kollegial, aber angespannt

Es ist eine Szene, die den Umgang der beiden miteinander verdeutlicht. Und zugleich auch einen Einblick in das Innenleben des Union-Jahrgangs 2018/19 gibt. Halbzeit im Heimspiel gegen Darmstadt 98, Union führt 2:0 (Endstand 3:1). Am Spielfeldrand klatscht Polter, an jenem Sonnabend nur Reservist, jeden Teamkollegen vor dem Gang in die Kabine ab. Nur einen Spieler nimmt er kurz in den Arm und schlägt ihm anerkennend auf die Schulter: Doppeltorschütze Andersson.

Der Teamerfolg steht über persönlichen Interessen, zumindest am Spieltag. Unter Woche, in den Trainingseinheiten, sieht es natürlich anders aus. Trainer Fischer erklärt: „Sie gehen aus meiner Sicht mehr als professionell mit der Situation um. Durchaus kollegial und herzlich, aber auch wieder ernst und angespannt. Beide zeigen sehr gute Trainingsleistungen, wollen sich aufdrängen, wollen dem Trainer zeigen, dass sie bereit sind.“

Bereit auch dafür, die eigenen Ziele mit Hilfe der Mannschaft zu erreichen. Im Falle von Andersson (27) heißt das, sich wieder für die schwedische Nationalmannschaft zu empfehlen. Dorthin hatte es ihn nach gut anderthalbjähriger Pause im Oktober wieder zurückgeführt, Spiele in der Nations League gegen Russland (0:0) und im Test gegen die Slowakei (1:1) inklusive. Weil er bei Union als Polter-Ersatz gute Leistungen gebracht und bis dahin vier Tore (jetzt insgesamt sechs) geschossen hatte.

Die Ziele lauten Bundesliga und Nationalelf

Nach Polters Comeback nach dessen Achillessehnenriss musste er jedoch auf die Union-Bank, was ihn auch bei den „Tre Kronor“ in die Warteschleife versetzt hat. Andersson war „daran nicht gewöhnt. Aber so ist Fußball. Wir haben viele gute Spieler im Kader, die noch nicht mal im Aufgebot stehen. Du musst auf deine Chance warten.“ Seine Ungeduld im Griff zu behalten, war für den Schweden, der in der vergangenen Spielzeit bei Absteiger 1. FC Kaiserslautern und davor auch beim schwedischen Erstligisten IFK Norrköping immer gesetzt war, die wohl größte Herausforderung.

Natürlich träumt auch ein Sebastian Polter (27) von der Nationalelf, zumindest aber von einer Rückkehr in die Bundesliga, in der er schon 51 Einsätze (Wolfsburg, Nürnberg, Mainz) absolvierte. Erst kürzlich ließ Polter wissen, noch einmal beweisen zu wollen, dass er auch „in der Bundesliga Tore schießen und meine Leistung bringen“ kann. Dass er nach drei Startelfeinsätzen (und insgesamt vier Toren) zuletzt gegen Darmstadt nur zuschauen durfte, wie Andersson mit seinen Toren glänzte, nahm er im Sinne des Teamgeistes wohlwollend zur Kenntnis. Innerlich hat es seinen Willen, so früh wie möglich wieder zurückzukehren, nur noch gestärkt.

Andersson oder Polter – es kann bei Union nur einen geben, auch am Sonntag in Magdeburg. Sicher ist nur, dass er Sebastian heißen wird. Mit Vornamen.