Zweite Liga

Auf Union wartet ein Charaktertest in der Provinz

Union steht in Sandhausen einem kampfstarken Team gegenüber. Für das neue Innenverteidiger-Duo bedeutet es die nächste Herausforderung.

Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich (r.) ist aus der Startelf nicht mehr wegzudenken

Unions Innenverteidiger Marvin Friedrich (r.) ist aus der Startelf nicht mehr wegzudenken

Foto: Guido Kirchner / picture alliance/dpa

Berlin.  Lange muss er nicht überlegen, um einzuschätzen, was ihn und den 1. FC Union am Sonntag beim SV Sandhausen (13.30 Uhr, Sky) erwarten wird. „Ich schaue allgemein sehr viel Fußball“, offenbart Marvin Friedrich, „aber wenn ich mir Sandhausen anschaue – das sind schon eklige Spiele“, erzählt der Innenverteidiger des Berliner Fußball-Zweitligisten.

Nachdem das Startprogramm für die Köpenicker mit Köln und St. Pauli eher spielerische Mannschaften bereitgehalten hatte, wartet nun ein Team, das vor allem eines kann: Kämpfen bis zum Umfallen. Dass die Sandhäuser mit dieser Spielweise in drei Spielen noch keinen Punkt erobern konnten, erschwert die Aufgabe für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer zusätzlich. Auf Union wartet in der Kurpfalz ein Charaktertest.

„Wir dürfen sie wirklich nicht unterschätzen, sonst gibt es ein böses Erwachen“, mahnt der Coach. Er spricht dabei von einem „angezählten Boxer“ oder „angeschossenen Raubtier – die sind viel gefährlicher. Du weißt nicht, was dich erwartet. Einmal mehr liegt es an uns, wie wir in das Spiel gehen. Aber ich denke, wir werden wieder bereit sein.“

Umsichtiger Verteidiger mit ordentlichem Spielaufbau

Einer, der in dieser Saison bislang immer bereit war, ist Marvin Friedrich. Erst an der Seite von Michael Parensen, zuletzt gegen St. Pauli an der von Florian Hübner, zeigte sich der 22-Jährige als umsichtiger Verteidiger, dem auch ein ordentlicher Spielaufbau nicht fremd ist. Zusammen mit Hübner, der vor einer Woche erstmals über 90 Minuten zum Einsatz gekommen war, strahlte er eine gute Mischung aus Leichtfüßigkeit und Souveränität aus, die Union gut gebrauchen kann.

Seine Entwicklung umschreibt der sympathische Blondschopf als „bisher sehr ordentlich. Ich bekomme meine Spielzeit und versuche, Verantwortung zu übernehmen“. Er tut das, weil er mit dem fünf Jahre älteren Hübner einen erfahrenen Kollegen neben sich weiß. „Wir reden sehr viel“, sagt Friedrich. Ganz abgesehen davon, dass Hübner bei seinem ersten Saisoneinsatz agierte, als hätten ihn in der Vorbereitung keine Muskelprobleme ausgebremst. Umso erstaunlicher war gegen St. Pauli die Harmonie zwischen Friedrich und Hübner, dem neuen Innenverteidiger-Duo.

Treibende Kraft dabei ist Friedrich. So lobte Trainer Fischer vor allem die Kommunikation des ehemaligen Augsburgers. „Ein zentraler Verteidiger muss gewisse Funktionen übernehmen. Friedrich befindet sich in einer guten Verfassung, auch weil er vergangene Saison zwölf Einsätze hatte“, erklärte der Schweizer: „Er macht das gut, beginnt auch zu kommunizieren, um den Mitspielern zu helfen. Das sind Attribute, die er haben muss in dieser Position, sonst wird es schwierig.“

„Man muss schon mal eklig sein“

Von Toni Leistner (zu Queens Park Rangers) spricht an der Alten Försterei jedenfalls kaum noch jemand. Und die immer noch angeschlagenen Marc Torrejon (Muskelverletzung) und Fabian Schönheim (Knie), der am Donnerstag im Training einen erneuten Rückschlag erlitt, werden es schwer haben. Lars Dietz ist angesichts sehr geringer Einsatzchancen bereits aus Köpenick geflüchtet und hat sich dem Drittligisten Sportfreunde Lotte angeschlossen. Im Duell beim Karlsruher SC (3:1) spielte der Abwehrmann gleich über 90 Minuten.

Bei Union bleibt Friedrich trotz Vertrauensvorschuss beim Trainer auf dem Boden. „Diese Saison gehen wir alles ruhiger an“, sagte der Verteidiger, auch wenn es in Sandhausen eklig werden wird: „Solche Spiele brauche ich nicht, aber wenn es gegen Stürmer geht, muss man schon mal eklig sein.“ Kann er das? Friedrich überlegt nur kurz: „Ich denke schon.“

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