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DFB-Pokal: Revanche zum Jubiläum

Vor 50 Jahren gelang Union Berlin die Pokal-Sensation gegen Jena. Die Thüringer hoffen am Sonntag auf einen ähnlichen Coup.

Andersson traf zuletzt gegen Köln für Union Berlin

Andersson traf zuletzt gegen Köln für Union Berlin

Foto: pa

Berlin.  Es reicht allein schon die Nennung des Jahres, um bei Anhängern des 1. FC Union ein Leuchten in den Augen zu bewirken. 1968, der Triumph im FDGB-Pokal, als krasser Außenseiter, gegen den frisch gekürten DDR-Meister Carl Zeiss Jena – vor 50 Jahren gelang den Köpenickern jene Sensation, wie sie nur in einem Pokalwettbewerb möglich ist. Am Sonntag (18.30 Uhr/Sky) stehen sich die beiden Kontrahenten im DFB-Pokal gegenüber. Eine Revanche zum Jubiläum, ausgerechnet.

Dieses Mal kommt der Favorit aus Berlin

Es sind die veränderten Vorzeichen, die dem Duell im Ernst-Abbe-Sportfeld zusätzlich einen ganz besonderen Geschmack verleihen. Der Favorit kommt diesmal aus Berlin, Jena ist als Drittligist der Außenseiter. Fünf Jahre hatte sich der Europapokalfinalist von 1981 in der Viertklassigkeit mühen müssen, um vergangenen Sommer endlich aufzusteigen. Und wie schon in der vorigen Spielzeit wird es auch 2018/19 vornehmlich um den Klassenerhalt gehen. Doch in Jena ist man gewillt, im Pokalduell des FCU gegen den FCC erneut für eine Überraschung zu sorgen. „Gegen Union, das stark in die Zweite Liga gestartet und natürlich Favorit ist, rechnen wir uns natürlich größere Chancen aus“, gibt sich Trainer Mark Zimmermann forsch: „In einem Spiel von vielleicht zehn kann man Union schlagen.“

Damals, in Halle, gingen die Gedanken in eine ähnliche Richtung. Zumal der Favorit schon nach 30 Sekunden in Führung gegangen war. Georg Buschner, seinerzeit Jenas Trainer, verriet nach dem verlorenen Finale dem „Deutschen Sportecho“: „Das erste Tor war Gift für unsere Mannschaft. Zwangsläufig schlich sich wohl eine Unterschätzung des Gegners ein.“ Meinhard Uentz per Handelfmeter (29.) und Ralf Quest (63.) bestraften den Jenaer Hochmut.

Von Selbstherrlichkeit ist der Favorit aus Berlin anno 2018 sicher weit entfernt. Schon die eigene DFB-Pokalvergangenheit lässt jeden Anflug von Überheblichkeit im Keim ersticken. Und dass Jena inzwischen weiß, wie man als Außenseiter die Fußballwelt in Staunen versetzt, bekam vor drei Jahren der Hamburger SV in Runde eins zu spüren.

Trainer Urs Fischer spürt die Besonderheit des Duells

„Der Unterschied zwischen Dritter und Zweiter Liga ist nicht so groß“, warnt Unions Trainer Urs Fischer. Für ihn ist natürlich in erster Linie wichtig, eine Runde weiterzukommen. Die Besonderheiten, die dieses Duell mit sich bringt, „haben für mich nicht so eine große Bedeutung, aber ich bekomme sie natürlich mit“, so der Schweizer. Nachvollziehbar, wo er doch vor dem Stadion an der Alten Försterei durch das Pokal-Denkmal täglich damit konfrontiert wird. Wo er im offiziellen Saisoneröffnungsspiel gegen Jena am 1. Juli die Konterfeis der Pokalhelden auf übergroßen Transparenten auf der Haupttribüne zu sehen bekam und Spieler beider 68er-Mannschaften Platzwahl und Begrüßung von damals noch einmal nachstellten.

Mit Torwart Rainer Ignaczak sowie den Offensivspielern Harald Betke und Ralf Quest lassen es sich am Sonntag drei Pokalsieger von 1968 nicht nehmen, Union in Jena zu unterstützen. Insgesamt werden 1500 Berliner Fans unter den 10.600 Zuschauern im ausverkauften Stadion sein. Bleibt zu hoffen, dass sie keine böse Überraschung erleben wie einst Jena.

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