Zweite Liga

„Bei Union sind die Gegebenheiten überragend“

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Michael Färber
Manuel Schmiedebach (l.) und Florian Hübner machen sich fit für die Zweitliga-Saison mit Union

Manuel Schmiedebach (l.) und Florian Hübner machen sich fit für die Zweitliga-Saison mit Union

Foto: Michael Hundt / Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Unions Zugänge Florian Hübner und Manuel Schmiedebach erzählen, warum sie dennoch schnell wieder in die Bundesliga zurück wollen.

Berlin.  Florian Hübner (27) und Manuel Schmiedebach (29) sind beim 1. FC Union angetreten, um die Defensive des Zweitligisten zu stabilisieren. Zudem weiß das Duo, wie Aufstieg geht. In der Morgenpost sprechen beide über ein verkorkstes Jahr, Fankultur und die Bundesliga.

Zwei Profis aus Hannover landen beim 1. FC Union – wie konnte das passieren?

Florian Hübner: Die Situation in Hannover war nicht befriedigend für mich. Ich bin zwar in der Zweitliga-Rückrunde 2016/17 ganz gut durchgestartet, auch die Bundesliga-Hinrunde war noch ganz ordentlich. Aber je länger die Saison ging, desto unbefriedigender wurde es für mich. Ich habe auch teilweise nur auf der Tribüne gesessen. In meinem Alter will man Fußball spielen. Man sagt ja, es ist das perfekte Fußballer-Alter. Ich habe mich entschlossen, zu Union zu gehen, weil es vom Gesamtpaket stimmt. Eine gute Mannschaft, die Stadt ist Wahnsinn, die Fans sind unglaublich, auch dass Trainer Urs Fischer schon in der Champions League trainiert hat – das sind alles Faktoren, die dafür gesprochen haben, zu Union zu gehen.

Manuel Schmiedebach: Bei mir hat alles zusammengepasst mit dem Wechsel. Erstmal ging es zurück in die Heimat. Ich kenne den Verein über die Spiele aus der Jugend. Es hat zu diesem Zeitpunkt optimal gepasst, weil es auch in Hannover nicht mehr dementsprechend gelaufen ist und auch nicht mehr gelaufen wäre. Das konnte man schon absehen.

Von einem Bundesliga-Aufsteiger, der die Klasse gehalten hat, ging es zu einem Zweitligisten, der nach einer Saison mit vielen Fehlern auf der Suche nach sich selbst ist. Warum ist das kein Abstieg?

Hübner: Man kann sagen, ich mache einen Schritt zurück. Aber das wird mir helfen, wenn ich mit Union eine gute Runde spiele, dann steigert das auch den eigenen Marktwert.

Schmiedebach: Wir haben alle angefangen, Fußball zu spielen, weil wir es lieben. Das tun wir weiterhin, da ist die Ligazugehörigkeit eigentlich egal. Die Qualität nimmt zwar ein wenig ab, aber was ich mittlerweile kennengelernt habe, kann ich sagen, dass wir nicht weit drunter sind. Die Gegebenheiten bei Union sind ohnehin überragend, und wir kennen die Kabinen in Hannover.

„Da fühlt man sich heimisch“

Beiden Klubs gemein ist, dass sie sehr von der Fanszene geprägt sind. Ich erinnere nur an den Stimmungsboykott in Hannover im Zuge des Streits um die 50+1-Regel, die Klubchef Martin Kind kippen wollte. Bei Union kann es passieren, dass Sie trotz einer Niederlage gefeiert werden. Wie verrückt ist das?

Schmiedebach: Das pusht einen noch einmal. Auch, dass man als Mensch gesehen wird, dass man sagt, ihr könnt auch mal ein schlechtes Spiel machen, aber wir stehen trotzdem hinter euch und helfen euch – das ist ein Gefühl, bei dem man sich heimisch fühlt. Weil man nicht nur als funktionierendes Ding wahrgenommen wird. Dass ein Mensch auch Fehler macht, ist normal.

Hübner: Für mich war das auch ein Grund, zu Union zu gehen. Ich kenne die Zweite Liga in- und auswendig. Jedes Mal, wenn es nach Berlin ging, war es richtig schwer. Das kann uns schon noch mal nach vorn bringen. In Hannover war die Unterstützung im Aufstiegsjahr noch gut, danach hat sie aber etwas abgenommen, was schade war. Deswegen freuen wir uns beide auf die Saison.

Kann das nicht auch kontraproduktiv sein, dass man irgendwann in den Modus verfällt: Ach, die Niederlage ist ja nicht so schlimm?

Schmiedebach: Die Reflexion erlebt man ja allein schon durch Familie und Freunde. Und in den Videoanalysen werden uns die Fehler ja auch gezeigt. Aber in Hannover wurden wir auch teilweise ausgepfiffen, obwohl wir alles reingehauen und alles gegeben haben. Es wird nie einen Fußballer geben, der sagt: Ach komm, das Spiel schenken wir ab. Aber manchmal passt einfach der ganze Tag nicht.

Sie wurden beide geholt, um bei Union die Defensive zu verstärken, auch als Führungsfiguren, an denen es in der vorigen Saison gefehlt hat. Wie nehmen Sie diesen Druck wahr?

Hübner: Diesem Druck musst und willst du dich stellen. Dieses Gefühl, wieder gebraucht zu werden, hatte ich die letzte Zeit in Hannover nicht mehr. Ich bin auch zu Union gewechselt, um Verantwortung zu übernehmen. Das ist für mich positiver Druck. Und mit Manuel haben wir noch jemanden dazugewonnen, der auch den Mund aufmachen kann.

„Hübner ist eklig in den Zweikämpfen“

Dann ist jetzt wohl Zeit für die ultimative Lobhudelei. Herr Hübner, was schätzen Sie an Manuel Schmiedebach besonders?

Hübner: Er ist immer anspielbar, fordert viele Bälle, ist sehr ehrgeizig und haut auch mal auf den Putz, wenn es sein muss. Er ist für Union eine Riesenverstärkung. Er kam ja ein paar Tage nach mir zu Union, aber als ich gehört habe, dass er kommt, habe ich mich riesig gefreut. Er ist für die Zweite Liga eine Qualitätssteigerung.

Und umgekehrt, Herr Schmiedebach?

Schmiedebach: Was soll man über Hübner sagen: Er ist eklig in den Zweikämpfen. Er spielt auch mal die schwierigen Pässe und hat ein Auge dafür, um Ruhe ins Spiel zu bringen. Er kann auch mal ein Drecksack sein und dazwischen hauen, um zu sagen: Hey Jungs, wacht auf. Wir spielen hier Fußball nicht nur zum Spaß, sondern wollen auch etwas einfahren.

Haben Sie als ehemaliger Herthaner eigentlich gar kein schlechtes Gewissen, jetzt für Union zu spielen?

Schmiedebach: Ehemaliger Herthaner? Weil ich dort in der Jugend gespielt habe? Im Endeffekt hat jeder so seine Jugendsünden (lacht).

Was Sie beide von vielen Union-Profis unterscheidet: Sie wissen, wie Aufstieg geht. Worauf kommt es da am meisten an?

Hübner: Es ist auf jeden Fall gut, Spieler in der Mannschaft zu haben, die schon mal aufgestiegen sind, weil sie wissen, wie so etwas abläuft. In Hannover hat jeder für jeden gekämpft. Sicher hatten wir auch schwere Zeiten, aber als es in die heiße Phase kam, haben wir immer zueinander gestanden. Wir haben dann aus einer kompakten Defensive gespielt. Und wenn du in dieser Liga das eine oder andere Spiel zu Null machst, kannst du oben mitspielen.

Schmiedebach: Es heißt ja auch nicht umsonst, dass die Offensive Spiele gewinnt und die Defensive Meisterschaften.

„Erst 60 Minuten kämpfen, dann Fußball spielen“

Worin unterscheidet sich die Bundesliga von der Zweiten Liga vor allem?

Schmiedebach: Sie ist technisch anders. Viele Spieler haben dort viel Qualität. In der Zweiten Liga wird mehr gefightet. Es wird hier darauf ankommen, dass man 60 Minuten kämpfen kann und dann erst Fußball spielt.

Hübner: In der Zweiten Liga geht es mehr über Willen und Leidenschaft, aber ich glaube, das kommt uns ganz gut entgegen.

Und Ihr bisheriges Highlight in der Bundesliga?

Hübner: Natürlich mein erstes Bundesligaspiel in Mainz, das wir mit Hannover 1:0 gewonnen haben. Allein die Eindrücke, die auf einen einstürzen, wenn du in Dortmund, München oder Schalke spielst. Du willst einfach nur so schnell wie möglich wieder dorthin. Auch deswegen bin ich zu Union, weil ich mir gesagt habe, da ist eine Mannschaft, mit der kannst du oben mitspielen. Und da Union noch nicht in die Bundesliga aufgestiegen ist, wäre das schon etwas Riesiges.

Schmiedebach: Bei mir war es auch mein allererstes Bundesligaspiel – im Olympiastadion gegen Hertha. Ich bin ja nicht im Guten von Hertha weggegangen. Und das war einfach nur eine brutale Genugtuung, vor den Augen derer zu spielen, die gesagt haben, du bist nicht gut genug. Leider haben wir mit Hannover 0:1 verloren.

In dieser Saison wird der Fokus vor allem auf den Schwergewichten Hamburger SV und 1. FC Köln liegen. Inwiefern kann das sogar ganz nützlich sein für Union, sich zu entwickeln und vielleicht sogar für eine Überraschung zu sorgen?

Schmiedebach: Die ersten sechs, sieben Spieltage werden für alle Mannschaften entscheidend sein. Stehst du dann weit oben, und es wurde nicht erwartet, wird vom Überraschungsteam geredet. Stehen der HSV und Köln oben, ist alles normal. Steht aber einer der beiden Klubs zum Beispiel nur auf Rang sieben, wird von der Riesenkrise geredet. Im Endeffekt müssen die Mannschaften in ihren Spielen erst mal nachweisen, dass sie da oben hingehören.

Hübner: Ich denke, wir fahren ganz gut damit, wenn wir nach der turbulenten vergangenen Spielzeit Ruhe in die Saison bekommen. Ich glaube aber, dass der Fokus in der Medienlandschaft fast nur auf Köln und Hamburg liegen wird. Ich kann nur aus der Hannover-Zeit sagen: In den ersten zehn, zwölf Spielen hast du einen Riesendruck. Das kann einen auch hemmen. Und das ist nicht so schlecht für die Mannschaften, die dahinter stehen. Wenn viel über die geredet wird, kannst du in Ruhe arbeiten und deine Leistung abrufen. Wenn wir das so hinbekommen, wie wir uns das vorstellen, wenn wir eklig auf dem Platz sind, dann kann das etwas echt Gutes werden hier.