Fussball

Union stellt sich völlig neu auf

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Michael Färber
Union-Boss Zingler verpasst dem Zweitligisten eine neue Führungsstruktur

Union-Boss Zingler verpasst dem Zweitligisten eine neue Führungsstruktur

Foto: Annegret Hilse / dpa

Union holt einen neuen Cheftrainer für Hofschneider, entlässt Sportdirektor Schulte und degradiert Geschäftsführer Munack.

Berlin.  Die Anstrengungen der vergangenen Wochen, speziell des Montags, waren ihm anzusehen. So machte Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, aus seiner Gefühlswelt auch kein Geheimnis. „Personalentscheidungen sind nichts, was Spaß macht“, gab der Boss des Berliner Fußball-Zweitligisten zu verstehen: „Dieser Tag ist eine Katastrophe für mich als Mensch und als Union-Präsident. Ein Tag zum Kotzen.“

Dass es nach einer enttäuschenden Saison (Platz acht statt Bundesliga-Aufstieg) personelle Veränderungen geben würde, davon war auszugehen. Dass sie nur einen Tag nach dem letzten Saisonspiel in Dresden (1:0) verkündet wurden, offenbart, wie stark das vergangene halbe Jahr bei den Köpenickern in die falsche Richtung gelaufen ist.

André Hofschneider muss seinen Stuhl als Profitrainer trotz Vertrages bis 2019 räumen. Er soll Union in einem anderen Bereich als Trainer erhalten bleiben. Zudem trennte sich der Klub mit sofortiger Wirkung von Helmut Schulte. dem bisherigen Leiter der Lizenzspielerabteilung. Schließlich wurde Lutz Munack, bislang Geschäftsführer für den gesamten sportlichen Bereich, degradiert. Munack wird ab sofort nur noch für den Amateur- und Nachwuchsbereich verantwortlich zeichnen.

Neuer Geschäftsführer Profifußball

Neu geschaffen wird ein Geschäftsführerposten für den Bereich Profifußball. Wer diese Aufgabe übernimmt, soll am Dienstag bekanntgegeben werden. Der neue Mann soll sich um die Belange der Lizenzspielerabteilung (Zusammenstellung der Mannschaft, neuer Cheftrainer) kümmern. In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass Trainer Torsten Lieberknecht und Eintracht Braunschweig nach dem Abstieg in die Dritte Liga getrennte Wege gehen.

Zinglers Saisonfazit fiel wie folgt aus: „Ich denke, das ist ein sehr guter Entwicklungsschritt für uns, mal die gesteckten Ziele nicht zu erreichen und einen halben Schritt zurückzugehen. Ich sehe sogar einen Erfolg, weil die Leute mit Platz acht unzufrieden sind.“ Auch eine Sichtweise. Gleichwohl müsse Union „weiter mutig bleiben und nicht das Ziel aus den Augen verlieren“, sagte Zingler: „Wir hatten die Wahl zwischen ‘dem Ganzen mehr Zeit geben’ oder Veränderungen. Wir haben uns für Veränderungen entschieden.“

Diese sind ebenso konsequent wie richtig. Munack hatte die sportliche Talfahrt durch seinen Impuls für den Trainerwechsel von Jens Keller zu Hofschneider Anfang Dezember 2017 in hohem Maße mitzuverantworten. Dass ihm nun nicht zugetraut wird, im neu geschaffenen Geschäftsführerposten die Geschicke des Profibereichs zu lenken, umschrieb Zingler wie folgt: „Wir sind zu der Entscheidung gelangt, dass ein komplett neuer Impuls im Profibereich der sinnvollere Weg ist.“

Munack an eigener Teil-Demission beteiligt

Munack war als Präsidiumsmitglied an der Entscheidung, also seiner eigenen Teil-Demission, selbst beteiligt. Zingler dazu: „Wer den Verein an die erste Stelle stellt und nicht sich selbst, trifft immer eine Entscheidung für den Verein. Das hat Charakter.“ Vorwürfe an Munack, bei der wichtigsten sportlichen Personalie die falsche Entscheidung getroffen zu haben, gab es nicht. „Ich werfe keinem etwas vor. Mich interessiert es nicht, ob Menschen Fehler machen. Fehler gehören dazu.“ Gleichwohl sagte er zum Trainerwechsel: „Ob er richtig oder falsch gewesen ist, richtet sich nach den Ergebnissen. Wir wissen, wie wir zu dieser Entscheidung gekommen sind und stehen auch dazu.“

Auch dass Schulte, im Februar 2016 zu Union gekommen, seinen Platz räumen muss, ist nachvollziehbar. Dem bisherigen Kaderplaner gelang es nicht, eine charakterstarke Mannschaft zu formen. Von den Zugängen für diese Spielzeit waren nur die Innenverteidiger Marc Torrejon und in der Schlussphase Marvin Friedrich (kam im Winter) tatsächlich Verstärkungen. Die in Akaki Gogia, Atsuto Uchida, Christoph Schösswendter, Peter Kurzweg und Lars Dietz gesetzten Erwartungen erfüllten sich nicht, oder wie bei den beiden Mittelfeldspielern Marcel Hartel und Grischa Prömel nur bedingt. „Ich halte den Zeitpunkt für einen neuen Impuls für absolut richtig“, wird Schulte in einer Union-Mitteilung zitiert.

Durch Schultes Entlassung wird auch die Führungsstruktur bei Union verschlankt. „Wir haben im Präsidium frühzeitig begonnen, unsere Entscheidungen der letzten Monate speziell in diesem Bereich zu hinterfragen. Wir haben in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit kurzen, schnellen Entscheidungswegen und klaren Verantwortlichkeiten gemacht“, erklärte Zingler.

Zingler rückt näher an die sportliche Leitung heran

Das bedeutet zugleich: Klubchef Zingler wird näher an den sportlichen Bereich heranrücken. „Die, die es zu verantworten haben, müssen Teil der Entscheidung sein“, sagte Zingler.

Mit welcher Mannschaft Union in die neue Saison gehen wird, hängt von den Planungen des neuen Geschäftsführers Profifußball ab. Und von den finanziellen Möglichkeiten. „Mein Ziel wird sein, dem Sport mehr finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen als in der vergangenen Saison“, ließ Zingler bereits durchblicken. 2017/18 standen gut 16,3 Millionen Euro (Gesamtetat: 42,2 Millionen Euro) zur Verfügung.

Ob Steven Skrzybski bei Union bleibt, ließ Zingler offen. An dem Stürmer sollen mehrere Erstligisten interessiert sein. „Skrzybski ist ein Spieler, der nicht zu ersetzen ist, gegen keine Ablöse der Welt. Wir werden die Kraft des gesamten Vereins einsetzen, um ihn zu halten“, so Zingler.