Zweite Liga

Union muss im Hexenkessel eine Reaktion zeigen

Der Berliner Zweitligist will am Freitag beim Schlusslicht Kaiserslautern das Ende der Auswärtsmisere erzwingen. Es wäre dringend nötig

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Berlin.  Den Sonderzug gibt es auch in diesem Jahr wieder, wie in jeder Saison. Nicht den nach Pankow, wie es Rockpoet Udo Lindenberg einst besang, sondern den, der den Großteil der Fans des 1. FC Union am Freitag in die Pfalz bringen wird. Zum Betzenberg. Zum Gastspiel im Fritz-Walter-Stadion gegen den 1. FC Kaiserslautern (18.30 Uhr, Sky). Zusammen mit den separat anreisenden Anhängern des Berliner Fußball-Zweitligisten werden gut 1000 Fans den Tabellensiebten nach Kräften unterstützen. Denn obwohl es gegen das Schlusslicht der Liga geht, könnte die Aufgabe für die Mannschaft von Trainer André Hofschneider nicht schwieriger sein.

In Kaiserslautern erwartet Union ein Hexenkessel. Nicht weil es gerade bei den „Roten Teufeln“ immer schon so gewesen ist. Es ist die Hoffnung, die das neue Feuer schürt bei den Pfälzern, die Hoffnung, die Saison doch noch mit dem Klassenerhalt beenden zu können. Noch in der Winterpause wäre man bei dem Gedanken, der FCK könnte auch kommende Spielzeit zweitklassig sein, für verrückt erklärt worden. Doch drei Siege in diesem Jahr – darunter ein 3:1 gegen den Dritten Holstein Kiel – haben neue Kräfte freigesetzt.

Kaiserslautern unter Frontzeck im Aufwind

Und es ist weit mehr als das letzte Zucken eines Klubs, der sich nur anständig aus der Liga verabschieden will. Der Hashtag #merpaggens (wir packen’s) vereint in den sozialen Netzwerken alle Sympathisanten des viermaligen Deutschen Meisters, der bislang eine Saison zum Vergessen hinter sich hat. Erst die Talfahrt in der Hinrunde unter Trainer Norbert Meier, dann nach dessen Entlassung der Tiefpunkt mit dem 0:5 ausgerechnet bei Union, gefolgt vom Drama um Trainer Jeff Strasser. Der Luxemburger bekam nach vorübergehenden Herzrhythmusstörungen in Zusammenhang mit einer verschleppten Grippe von den Ärzten Schonung verordnet statt den aufreibenden Kampf um den Klassenerhalt.

Als dritter Cheftrainer der Saison soll es nun seit Ende Januar Michael Frontzeck (53) richten. Bis auf sechs Punkte hat er die Lauterer an den rettenden Platz 15 herangeführt, zehn waren es noch zum Jahreswechsel. Und mit einem Sieg gegen Union könnten die Pfälzer den letzten Platz erstmals seit dem zehnten Spieltag sogar wieder hinter sich lassen. „Es wird nicht so sein, dass wir Union an die Wand spielen können“, ist sich Frontzeck sicher. Und warnt deshalb trotz aller aufkommenden Euphorie: „Das Gefährlichste ist, dass wir die Spielkontrolle verlieren, das darf uns auf keinen Fall passieren.“

Mit dem Rücken zur Wand am stärksten

So warten mit Kaiserslautern und am folgenden Spieltag Erzgebirge Aue zwei Mannschaften auf Union, wie sie unbequemer kaum sein könnten. Teams aus dem Ligakeller, die um das sportliche Überleben kämpfen und gegen die die Köpenicker immer schon gern mal Punkte liegen gelassen haben. Genau das darf nicht passieren, will man im Schneckenrennen um Relegationsplatz drei endlich ein großes Stück vorankommen. „Die Mannschaft hat ja immer dann eine gute Reaktion gezeigt, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stand. Jetzt steht sie ergebnistechnisch auswärts mit dem Rücken zur Wand“, hofft Hofschneider auf den dritten Erfolg im neunten Spiel unter seiner Regie.

Dass sein Team gegen Sandhausen (2:1) gerade die kämpferische, arbeitende Seite wiederentdeckt hat, muss nicht von Nachteil sein. „Wir müssen das annehmen, was uns geboten wird“, sagte Hofschneider mit Blick auf den Gegner, wohl wissend, dass Freunde der Fußball-Ästhetik eher nicht auf ihre Kosten kommen werden. „Nach 24 Spieltagen lügt keine Tabelle: Ich kann die Mannschaft jetzt nicht besser machen als sie ist“, so der Union-Coach. Beide Teams stünden zu Recht da, wo sie jetzt stehen. „Wir müssen versuchen, unser Spiel durchzubringen, und trotzdem die Gegenseite akzeptieren.“

Coach Hofschneider nimmt Profis in die Pflicht

Entscheidend wird sein, was sich die Felix Kroos, Sebastian Polter, Steven Skrzybski und Co. für das letzte Saisondrittel noch vorgenommen haben. Der Trainer stellte seine Profis jedenfalls vor die Wahl, „ob wir uns alle zwei Wochen treffen wollen und irgendwelche Maßnahmen ergreifen, um mit dem Rücken zur Wand wieder aus der Situation herauszukommen. Oder ob wir jetzt bereit sind, Woche für Woche an unser persönliches Limit zu gehen“.

Auch wäre es „ein schönes Signal, wenn wir die Leute im Sonderzug mit einem Lächeln im Gesicht auf die lange Rückfahrt schicken könnten“. Soll heißen: Wenn schon kein anderer in dieser Saison außer dem Spitzenduo aus Nürnberg und Düsseldorf aufsteigen will, wäre es doch eine tolle Sache, wenn wir vom 1. FC Union den Part übernehmen würden. Frei nach Udo Lindenberg: Einer muss den Job ja machen.

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