Zweite Liga

Unions Frust darf Blick auf Realität nicht verstellen

Die Berliner treten mit dem Unentschieden gegen Bielefeld auf der Stelle. Die Ideen von Trainer André Hofschneider sind verpufft.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Berlin.  Es kann sein, dass es André Hofschneider selbst gar nicht auffiel. Dass der Trainer des 1. FC Union einfach wie immer kurz vor Arbeitsbeginn in die Sportkleidung hineinschlüpfte und rauslief auf den Rasen. Dass da draußen nur ein Grad plus herrschte, als Hofschneider die Mannschaft der Köpenicker am Dienstagnachmittag zur Einheit bat, schien der 47-Jährige übersehen zu haben: Er stand da in kurzen Hosen.

Nun hat sich herumgesprochen, dass kurze Hosen das bevorzugte Kleidungsstück von Hofschneider sind. Aber an diesem eiskalten Dienstag hatte die Textilwahl doch symbolischen Charakter: Egal, wie unwirtlich die äußeren Umstände auch werden, Hofschneider bleibt unbeirrt er selbst.

Längste Durststrecke seit 2002

Nach dem 1:1 in Bielefeld am Montag sind die äußeren Umstände für den 1. FC Union und seinen Trainer noch einmal unwirtlicher geworden. Der Zweitligist wartet seit nun acht Spielen auf einen Sieg. Eine längere Durststrecke gab es in Liga zwei nur in der Saison 2002/03, als man zwischen dem 6. und den 14. Spieltag neun Partien nicht gewann. Nun wird die Luft für Hofschneider dünner: Keines seiner fünf Spiele konnte er gewinnen. Der Aufstieg ist bei acht Zählern Rückstand auf Rang drei endgültig außer Reichweite.

Man könnte es sich einfach machen und den ganzen Schlamassel Tobias Reichel in die Schuhe schieben. Der Schiedsrichter hatte in Bielefeld einen Sekundenbruchteil vor dem 2:1-Siegtreffer von Steven Skrzybski abgepfiffen. Das war zwar höchst unüblich, aber nicht regelwidrig. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Wenn der Ball in so einer heißen Situation ist, kann man das Ding nicht abpfeifen“, echauffierte sich zwar Skrzybski.

Aber der 25-Jährige machten nicht den Fehler, sich durch die seltsame Schiedsrichterentscheidung den Blick für die Realität verstellen zu lassen: „Insgesamt müssen wir darüber nicht reden, wenn ich in der zweiten Halbzeit das 2:0 mache. Nicht nur diese Szene, sondern auch die letzte des Spiels spricht dafür, wie es gerade für uns läuft“, sagte Skrzybski. Schlecht.

Vier verschiedene Systeme in fünf Spielen

Denn ein Sieg in Bielefeld wäre unverdient gewesen. Union, der auf Mittelmaß geschrumpfte Aufstiegsaspirant, suchte auch in Ostwestfalen nach der verlorenen Spur – und fand sie nicht. Hofschneider, der Jens Keller ablöste, damit die Berliner taktisch flexibler auftreten, versuchte es erstmals mit einer Dreierabwehrreihe, aber das brachte weder defensive Stabilität, noch Spielkontrolle.

Union ließ sich in der zweiten Halbzeit auf eine Partie ein, die an einen Kirmesboxkampf erinnerte: chaotischer Schlagabtausch. Im fünften Spiel unter Hofschneider lief Union zum vierten Mal in einer anderen Formation auf (3-5-2 gegen Bielefeld, 4-1-4-1 gegen Nürnberg, 4-4-2 gegen Kiel und Ingolstadt, 4-2-3-1 gegen Dresden). Das klingt nach Flexibilität, aber wie soll sich eine ohnehin verunsicherte Mannschaft da finden?

Sonnabend gegen Tabellenführer Düsseldorf

Dass die Lage bei den Köpenickern besser wird, ist erst einmal nicht zu erwarten: Am Sonnabend kommt Tabellenführer Düsseldorf in die Alte Försterei (13 Uhr). Hoffnung macht eigentlich nur die ansprechende Form von Angreifer Skrzybski, der in Bielefeld sein achtes Saisontor erzielte und nun in seinen letzten drei Spielen jeweils getroffen hat. „Ich bin mir sicher, dass wir bald wieder einen Dreier holen“, sagte Skrzybski. Woher er diese Zuversicht nahm, sagte er nicht.

Aber vielleicht kann man das Ganze auch anders betrachten: Im Sport geht es darum, wie man mit Rückschlägen umgeht. Vor diesem Hintergrund ist die Partie gegen Düsseldorf auch eine Chance. Mit einem Sieg könnte Union beweisen, dass man doch ein bisschen mehr ist als nur ein Scheinriese in Liga zwei.