1. FC Union

Auf die Hartel-Tour

Mit Kampfgeist und Lockerheit hat sich Mittelfeldspieler Marcel Hartel beim 1. FC Union unverzichtbar gemacht.

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Berlin.  Auf den ersten Blick sah es fast aus wie ein kleiner Gardetanz. Das angewinkelte Bein hoch, wieder runter, den Arm im Takt dazu. Als gebürtiger Kölner hat Marcel Hartel den Karneval im Blut. Und damit natürlich auch den klassischen Tanz der Domstädter. Die Fans vom 1. FC Union brauchen aber keine Angst zu haben, dass der 21-Jährige zum Tanzmariechen wird.

Die kleine Einlage, die er in dieser Woche beim Training darbot, hatte einen anderen Ursprung. Welchen? Das konnte der Offensivmann auch auf Nachfrage bei Teamkollege Akaki Gogia nicht auflösen. Welches Liedchen Hartel da im Kopf herumschwirrte, als er seine rhythmische Ader auf dem Trainingsplatz auslebte, bleibt also offen. Trotzdem - dass sich der Berliner in dieser Phase der Saison so entspannt gibt, ist keine Überraschung. Lockerheit ist bei Hartel Programm.

Mit Druck hat Hartel kein Problem

Als Union-Präsident Dirk Zingler den U21-Nationalspieler auf der Mitgliederversammlung des Vereins vor einer Woche noch einmal besonders erwähnte, „war das ein schönes Gefühl“. Mit dem Druck, der durch dieses Sonderlob aufkommen könnte, „komme ich klar“, erklärt Hartel.

Insgesamt kommt er bei Union ziemlich gut klar. Und das war vor allem in den vergangenen Wochen auf dem Feld sichtbar. Wenn sein Team am Sonntag beim VfL Bochum antritt (13.30 Uhr/Sky), wird der Mittelfeldspieler wieder ein zentraler Stabilitätsfaktor im Angriffsspiel sein. In einer Phase, in der Kapitän Felix Kroos mit „gewissen Verkrampfungen“ zu kämpfen hat, wie Trainer Jens Keller die Schwächephase seines Spielführers begründet, ist Hartel stets zur Stelle. Das belegen auch die Zahlen. In Unions Mittelfeld ist er der Dauerläufer. Mit 1055 Einsatzminuten in der Zweiten Liga hat er mehr Spielzeit auf dem Konto als Kapitän Kroos (1000). Zudem ist er der einzige Mittelfeldakteur, der in allen 15 Ligaspielen auf dem Platz stand. Mit Sebastian Polter und Jakob Busk können nur zwei weitere Spieler diesen Topwert vorlegen. Es wird also deutlich: Hartel ist für Keller unverzichtbar geworden. Alternativen? Fehlanzeige.

Nicht aller guten Dinge sind drei

Vor allem weil der zweifache Torschütze neben all der Lockerheit auch selbstkritisch mit sich umgeht. Auf die Frage, was er selber dafür tun kann, dass in den nächsten Spielen nicht mehr so viele Gegentore wie zuletzt fallen, sucht er einen Lösungsansatz bei sich. „Ich müsste ein paar mehr Zweikämpfe gewinnen, auch hinten Bälle erobern“, sagt er. Lockerheit und Selbstkritik - ein Paket, das in der heutigen Zeit viel zu selten zu finden, aber ein Erfolgsfaktor ist.

Wenn es nun in Bochum darum geht, den kleinen Knick in der Erfolgskurve auszubügeln, darf Union nach zwei Spielen ohne Sieg die „Fehler nicht noch ein drittes Mal machen“, weiß Hartel. Denn bis zur Weihnachtspause soll die maximale Punkteausbeute aus den drei verbleibenden Partien erreicht werden, damit der Rückrundenstart mit einem angenehmen Punktepolster recht bequem wird. Ist ja auch ein Vorteil, nicht in die Rolle des Jägers gedrängt zu werden. „Wenn wir Verfolger sind, sind wir Verfolger und wenn wir verfolgen, verfolgen wir eben“, sagt Hartel dazu, so einfach kann es sein. Er ist eben nicht nur ein Ballkünstler, dieser Marcel Hartel, er ist auch ein echter Wortakrobat.

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