Letzter Spieltag

Union kann sein Saisonziel noch erreichen

Union will sich mit einem Erfolg in Fürth verabschieden. Doch für das letzte Saisonspiel steht nur noch eine Notelf zur Verfügung.

Union-Stürmer Sebastian Polter will mit seinem tgeamkollegen in Fürth noch einmal einen Sieg feiern

Union-Stürmer Sebastian Polter will mit seinem tgeamkollegen in Fürth noch einmal einen Sieg feiern

Foto: Herbert Rudel / picture alliance / Pressefoto Ru

Berlin.  Da musste sich selbst Jens Keller korrigieren. "Wir wollen uns anständig aus der Liga verabschieden", sagte der Trainer des 1. FC Union also und verbesserte sich sofort: "Aus der Saison natürlich." Hoppla, ist Rang vier jetzt schon gleichbedeutend mit einem Abstieg? Sicher nicht, denn wenn es etwas gibt, dass man Spielern, Trainern und Verantwortlichen des Berliner Fußball-Zweitligisten nicht vorwerfen kann, dann ist es Hochnäsigkeit.

Oder hatte Keller etwa versehentlich Rang vier, der selbst mit der abschließenden Partie am Sonntag bei der SpVgg Greuther Fürth (15.30 Uhr, Sky) nicht mehr verbessert werden kann, gar noch als Aufstiegsplatz auf der Rechnung? Dies würde nur eines bestätigen: Das Bewusstsein, die Bundesliga nicht mehr nur als Traum anzusehen, ist mehr denn je vorhanden.

Union will raus mit Applaus aus dieser Saison. Mit einem Sieg, es wäre der 18. in der besten Saison der Klubgeschichte. Und mit einer Leistung, die auch der Konkurrenz zeigt: Union wird nächstes Jahr einen neuen Anlauf nehmen , um aufzusteigen. "Wir wollen für unsere Fans und den Verein noch einmal alles raushauen, das sind wir ihnen schuldig", sagte Keller und appellierte an die Einstellung seiner Mannschaft: "Jeder steht in der Pflicht, und ich gehe davon aus, dass sich jeder zerreißen wird."

Gleich sieben Spieler fehlen in Fürth

Dass dieser Aufruf nicht von ungefähr kommt, wird deutlich, wenn man auf das Personal schaut, dass für die letzten 90 Minuten zur Verfügung steht. Sicher, mit Sebastian Polter und Damir Kreilach kommen zwei wichtige Offensivspieler nach abgesessenen Sperren wieder zurück, doch dann fangen die Probleme auch schon an.

Roberto Puncec – Magen-Darm-Infekt, Saisonende. Fabian Schönheim – muskuläre Probleme, Saisonende. Felix Kroos und Dennis Daube – Knieverletzungen, Saisonende. Steven Skrzybski und Toni Leistner – nach Muskelfaserrissen noch nicht wieder fit, Saisonende. Soll heißen: Es ist eine Notelf, die in Fürth, beim Tabellensechsten zum Einsatz kommt. Nicht zu vergessen, dass mit Jakob Busk (Nasenoperation) auch noch der Ersatztorwart ausfällt.

"Wenn wir vier Innenverteidiger haben, drei jedoch ausfallen, dann ist klar, dass auf dieser Position jemand zum Einsatz kommt, der sonst nicht dafür vorgesehen ist", erklärte Keller. Benjamin Kessel oder Michael Parensen sind Optionen für den Platz neben Emanuel Pogatetz. "Es wird sicher nicht alles passen, aber alle haben das gesamte Jahr über trainiert und sind fit. Deshalb erwarte ich, dass in Fürth jeder seine Leistung abruft", so Keller. Ausreden werden nicht akzeptiert.

Nur ein Sieg trennt Union von der 60-Punkte-Marke

Schließlich gibt es doch noch ein Ziel, das Union erfüllen kann und das einen markanten Abschluss bilden würde. Der ominösen 60-Punkte-Marke hechelt Union schon seit einigen Jahren hinterher. Nun, da dieses Ziel in der Winterpause ausgerufen wurde, ist es auch zum Greifen nah. "Doch auch wenn wir die 60 Punkte nicht erreichen, sind wir nicht gescheitert", machte Coach Keller deutlich.

Und auch wenn seine Mannschaft nicht mehr eingreifen kann, hat der 46-Jährige das Aufstiegsrennen zwischen dem VfB Stuttgart, Hannover 96 und Eintracht Braunschweig nicht aus den Augen verloren. "Das hätte es aber auch, wenn ich nicht Trainer bei Union gewesen wäre. Vorher steht für mich jedoch nur unser Spiel in Fürth im Vordergrund", sagte Keller.

Eine Prognose, wer es direkt schafft, blieb er schuldig. Dass die Schwergewichte Stuttgart und Hannover die Zweite Liga verlassen, dürfte aber der Wunsch des Trainers sein.

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