Zweite Liga

Union will in Stuttgart nicht erst lange abwarten

Mit einem Sieg in Stuttgart kann Union mit dem Spitzenduo gleichziehen. Die Aufgabe ist schwer, doch die Chancen stehen nicht schlecht.

Union-Stürmer Steven Skrzybski (l.) erzielte im Hinspiel den Ausgleich gegen Stuttgart

Union-Stürmer Steven Skrzybski (l.) erzielte im Hinspiel den Ausgleich gegen Stuttgart

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Jens Keller ist guter Dinge. Das war der Coach des 1. FC Union zwar auch in den vergangenen Wochen und Monaten, doch gerade jetzt, vor den letzten Saisonwochen, ist des Trainers Beurteilung seiner Mannschaft so etwas wie der noch fehlende Hoffnungsschimmer, dass die Köpenicker tatsächlich zu alter Stärke zurückfinden werden.

"Ich bin von der Mannschaft menschlich und fußballerisch überzeugt, sie lässt sich nicht hängen", so Keller. Es ist das richtige Signal, denn im Duell am Montag mit dem VfB Stuttgart (20.15 Uhr, Sport1 und Sky) darf der Fußball-Zweitligist vor allem eines nicht: sich noch einen Ausrutscher erlauben.

"Danach wird auch noch nichts entschieden sein", sagte Felix Kroos, doch der Union-Kapitän weiß auch, dass diese Partie "unglaublich wichtig" ist. Schon bei einem Remis droht Union wieder auf Rang vier zurückzufallen, sollte Eintracht Braunschweig am Sonntag gegen Bochum gewinnen. Während mit einem Erfolg Union mit dem Spitzenduo Stuttgart und Hannover nach Punkten wieder gleichziehen könnte – dank des 2:2 (1:1), über das Hannover am Sonnabend bei Erzgebirge Aue nicht hinausgekommen ist; Dimitri Nazarov erzielte in der vierten Nachspielminute den Ausgleich für die Sachsen.

Stuttgart mit geballter Offensivpower dank Terodde

Nein, das Spiel der Köpenicker bei den Schwaben ist viel mehr als nur ein Spitzenspiel des Ersten gegen den Dritten, auf das sich die mindestens 54.000 Zuschauer – darunter 4500 Union-Fans – freuen können. Es ist die Partie, mit der Union die desaströse englische Woche Anfang April, in der nur ein Pünktchen heraussprang, endgültig vergessen machen kann. Und die Aufgabe könnte für die Berliner nicht schwerer sein.

"Der VfB verfügt über eine wahnsinnige Erfahrung", analysiert Union-Coach Keller den Gegner, für den er selbst gespielt (1989 bis 1992 und 1998 bis 2000) und den er 2010 für zwei Monate selbst trainiert hatte. VfB Stuttgart, das klingt mehr nach Erst- als nach Zweitklassigkeit, weshalb Keller auch von einem Bundesliga-Team spricht, das der VfB vorzuweisen habe.

"Sie sind auf jeder Position gut besetzt", so Keller. Mit dem vom FC Arsenal ausgeliehenen Angreifer Takuma Asano (vier Tore), dazu dem spielfreudigen Mittelfeldmann Alexandru Maxim (drei) und natürlich Top-Torjäger und Ex-Unioner Simon Terodde (19) verfügen die Schwaben über geballte Offensivpower.

Union kann auch gegen die Großen der Liga bestehen

Wird man am Montagabend also eine Union-Elf erleben, die der Sicherung des eigenen Tores höchste Priorität gibt? "Wir sind keine Mannschaft, die abwarten kann, sondern agieren möchte. Ob das so klappt, muss man natürlich sehen, schließlich gibt es immer noch einen Gegner. Aber wir werden sicher nicht abwarten", prognostizierte Keller.

Sein Gegenüber Hannes Wolf erwartet deshalb "ein offenes, ein enges Spiel. Wir wissen, dass wir das lösen können. Aber in dem Wissen, dass wir das Beste von uns zeigen müssen."

Dass dies notwendig sein wird, das wird noch von einem anderen Punkt untermauert. Denn wie mit so vielen Negativserien, die Union unter Keller in dieser Spielzeit beendet hat, lernte die Mannschaft doch, auch gegen die Großen der Liga bestehen zu können. Nimmt man die direkten Duelle der Top 4, so liegen die Berliner mit ihren Siegen gegen Hannover (2:1) und Braunschweig (2:0) sowie dem Hinrunden-Remis gegen den VfB (1:1) auf Rang zwei (sieben Punkte) hinter Hannover (zehn). Kein Wunder, dass Trainer Keller so guter Dinge ist.

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