Zweite Liga

Union steckt in der Komfortkrise

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Paul Hofmann
Der Düsseldorfer Kaan Ayhan (l) und der Union-Kapitän Berliner Felix Kroos

Der Düsseldorfer Kaan Ayhan (l) und der Union-Kapitän Berliner Felix Kroos

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Ausgerechnet in der wichtigsten Phase der Vereinsgeschichte geht dem Zweitligaklub die Luft aus. Doch Spieler und Trainer bleiben gelassen.

Berlin.  Am Morgen danach versuchten sie wieder klarzusehen bei Union. Zwei Männer in Shorts reinigten die Scheiben der Geschäftsstelle. Einseifen, Abziehen. Nachwischen, Trocknen. Polieren. Und von vorn. Schaute man an diesem Morgen von draußen ins Köpenicker Innenleben, waren die Scheiben keineswegs schmutzig, aber doch einigermaßen beschlagen. Beim Remis (2:2) in Düsseldorf hatten die Berliner am Sonntagnachmittag spät zwei Punkte liegen gelassen.

80 mittelmäßige Minuten sah es bei den auf- und abstiegsunverdächtigen Rheinländern nach einem Auswärtsdreier aus, bevor Union eine 2:0-Führung innerhalb von zehn Minuten wieder hergab. „Weder Düsseldorf noch das Stadion haben daran noch geglaubt“, sagt Felix Kroos. Eine „gefühlte Niederlage“, nennt Kroos’ Kollege Damir Kreilach das.

Eine gelungene Halbzeit in drei Spielen

Kreilach diktierte damit freundlicherweise gleich eine Bilanz der englischen Woche Unions. Nach den Niederlagen gegen Hannover (0:2) und Aue (0:1) fand sie im Rheinland ihr unversöhnliches Ende. Union zeigte in den drei Spielen letztlich nur eine gelungene Halbzeit (die erste in Hannover) und holte einen Punkt. „Wir akzeptieren, dass es eine schlechte Woche war“, sagt Kroos.

Man kann angesichts des dichten Aufstiegsfeldes kaum ausschließen, dass er am Saisonende erneut über sie reden müssen wird. Drei Punkte mehr hätte die Woche schon bringen müssen, um das mittlerweile uneigentlich formulierte Vorhaben direkter Aufstieg nachdrücklich zu dokumentieren. So aber schaut Kroos auf seine dekorativen Badelatschen und sagt: „Gerade kommt alles zusammen.“

Erneutes Eigentor von Kreilach

Dieser Satz kündet meist untrüglich von einer Krise. Die aber gibt es in verschiedenen Spielarten. Es gibt temporäre und strukturelle Krisen, schwelende und scheppernde, da sind Verletzungs-, Ergebnis- oder Systemkrisen. Obwohl der laut begleitete Fußball diese Vielfalt ständig durchdekliniert, stehen Union-Beobachter gerade, regulär sechs Spiele vor dem Saisonende, einigermaßen ratlos vor ihrer Mannschaft.

Die letzten zehn Minuten von Düsseldorf, aktenkundig geworden durch das zweite Eigentor von Damir Kreilach (80.) innerhalb von acht Tagen und einem Kopfballtor des gerade 173 Zentimeter großen Özkan Yildirim (90.), „bleiben im Kopf“, wie Kreilach sagt. In diesen Minuten wirkte Union konsterniert wie zuletzt zu Zeiten vor Jens Keller. Wenn auch Keller das K-Wort als Trainer des Tabellenvierten zurecht vermeidet: Union steckt in einer Krise. Einer kleineren Ausmaßes zumindest, nennen wir sie eine Komfortkrise.

Sonntag gegen Kaiserslautern

Jene, die von drinnen nach draußen schauen, können mit diesem Begriff leben. „Wir sind weiterhin in einer guten Situation und relativ entspannt“, erklärt zumindest Kroos. „Wir machen keine Aktionen, nur um hinterher irgendetwas gemacht zu haben.“ Man kann ihm diese Gelassenheit abnehmen: Kroos ist der Kapitän der Mannschaft, die die beste Saison der Vereinsgeschichte hinlegt, nur drei Punkte vom Tabellenführer Stuttgart und drei vom direkten Aufstiegsplatz entfernt ist, die selbst noch gegen die Konkurrenz aus Stuttgart und Braunschweig ran darf.

Zugleich führt Kroos aber eine Mannschaft, die Sonntag gegen Kaiserslautern unter besseren Umständen in die sportlich wichtigste Phase der Vereinsgeschichte einbiegen könnte. Wessen Kapitän Kroos vornehmlich ist, kommt wohl darauf an, ob man heraus- oder hineinschaut.