Zweite Bundesliga

Union verpasst Sieg in letzter Minute - 2:2 in Düsseldorf

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Der Düsseldorfer Özkan Yildirim (r) erzielt den 2:2 Ausgleichstreffer

Der Düsseldorfer Özkan Yildirim (r) erzielt den 2:2 Ausgleichstreffer

Nach zuvor zwei Niederlagen verpassen die Eisernen den dringend benötigten Auswärtssieg bei Fortuna Düsseldorf.

Jens Keller ruderte an der Seitenlinie wild mit den Armen. Eine Emotionalität, die man vom Trainer des 1. FC Union nicht unbedingt kennt, die aber offensichtlich nötig gewesen ist. Der 46-Jährige ahnte, dass – sollten seine Profis nicht aktiver gegen die Düsseldorfer agieren – noch etwas schiefgehen könnte. Zum Leidwesen der Köpenicker sollte ihn sein Instinkt nicht täuschen. Zwei Sekunden vor Ablauf der 90 Minuten durfte Ihlas Bebou in Ruhe von links flanken und mitjubeln, als Özkan Yildirim einköpfte. Union erreicht bei Fortuna Düsseldorf nur ein 2:2 (1:0), verspielt dabei eine 2:0-Führung und ist nach dem dritten Spiel ohne Sieg trotz des Punktes großer Verlierer der englischen Woche.

Kein Befreiungsschlag nach den beiden Niederlagen in Hannover (0:2) und gegen Aue (0:1). Keine neue Demonstration der Macht, mit der die Köpenicker im Aufstiegsrennen nach vorn gestürmt waren. Stattdessen gab es einen Rückfall in alte Muster, die Keller längst ausgemerzt hoffte. Die Bilanz der vergangenen acht Tage ist verheerend. „Fünf Gegentore in drei Spielen sind zu viel“, sagte Keller: „Dass wir wenig Gegentore bekommen, hatte uns in der Rückrunde ausgemacht.“ Vier waren es in den acht Partien davor.

Mit Kreilachs Eigentor beginnt das große Zittern

Behalten nun all jene recht, bei denen Kellers missionarisches Schaffen wirkungslos blieb, professioneller zu denken und das über Jahre sozialisierte Verlierer-Image endlich abzulegen? Wird den Union-Profis die fehlende Erfahrung in den entscheidenden Aufstiegswochen tatsächlich zum Verhängnis? „Sicher gehört es dazu, dass es einen gewissen Druck gibt, den die Mannschaft nicht kennt. Aber es ist positiver Druck, wir könnten eigentlich befreit aufspielen. Doch man merkt ihn schon in unserer Spielweise“, bilanzierte Keller.

Erstmals in seiner Zeit bei den Berlinern wurde sich der Trainer untreu. „Ich bin nicht bereit, eine Mannschaft aufgrund von eineinhalb schlechten Spielen auseinanderzureißen“, hatte der Coach im Vorfeld klargemacht. Prompt änderte er seine Elf auf zwei Positionen. Für Simon Hedlund spielte Kenny-Prince Redondo auf der linken Seite. Mit Angreifer Philipp Hosiner für Mittelfeldmann Damir Kreilach justierte er auch das Spielsystem von 4-3-3 auf 4-4-2. Und das Wechselbad begann.

Mit der ersten Offensivaktion ging Union in Führung. Durch Hosiner, der aus elf Metern einen Flankenlauf von Christopher Trimmel vollendete (15.). Kurz nach der Pause erhöhten die Gäste auf 2:0 – durch Redondo, der einen katastrophalen Schnitzer von Kevin Akpoguma aufnahm, auf Michael Rensing zulief und den Ex-Bayern-Torwart tunnelte (54.). Kellers Änderungen funktionierten. Oder wie es Fortuna-Coach Friedhelm Funkel bezeichnete: „Union hat zwei Tore gemacht und keiner weiß warum.“

Eine Einschätzung, die dem Auftritt der Unioner sicher nicht gerecht wird. Dennoch war die alte Stärke, die alte Sicherheit im Spiel immer noch nicht zurück. Immerhin behielten die Köpenicker die Ruhe trotz guter Düsseldorfer Chancen durch Rouwen Hennings (28.), Oliver Fink (30.), erneut Hennings (35., nach Leistner-Fehler) und Akpoguma (35.). Ein erster Schritt zurück auf den Erfolgsweg in Richtung Bundesliga. Wenn es da nicht die Wechsel gegeben hätte, die Union noch zum Verhängnis wurden.

Damir Kreilach kam nach knapp einer Stunde für Dennis Daube (58.). Und mit ihm das Pech. Wie schon in Hannover traf der Kroate ins eigene Tor, weil er nach Bebou-Flanke in den Fünfmeterraum vor Fortunas Adam Bodzek retten wollte. Es kam das große Zittern, ein längst vergessener Begleiter vergangener Union-Jahre. Und es kam Michael Parensen für Stürmer Steven Skrzybski als zusätzliche Absicherung. Es passte ins Bild, dass ausgerechnet Defensivallrounder Parensen den – ebenfalls eingewechselten – Yildirim nicht am Kopfball hindern konnte, der Union vor 24.721 Zuschauern aus allen Siegträumen riss.

„Jeder kann sich vorstellen, dass wir sehr enttäuscht sind, wenn wir nach der 2:0-Führung mit einem Punkt nach Hause gehen“, sagte Keller, der seiner Mannschaft nach dem zweiten Tor bescheinigte, „sehr gut verteidigt“ zu haben: „Trotzdem machen wir quasi zwei Eigentore.“ Dass der VfB Stuttgart mit einem 2:0 (1:0) gegen Schlusslicht Karlsruhe wieder Spitzenreiter ist, Union als Vierter (51 Punkte) nun drei Zähler hinter dem VfB sowie zwei hinter Hannover liegt und Braunschweig mit einem Sieg gegen Dresden am Montag auch auf drei Punkte davonziehen kann, dürfte zum Wechselbad der Gefühle beigetragen haben.

( fär )