Zweite Liga

Union in Hannover – erstes Endspiel um den Aufstieg

Union kann in Hannover einen Riesenschritt in Richtung Bundesliga machen – und den Träumen des Gegners einen herben Dämpfer verpassen.

Die Rückrunde war für die Union-Profis bislang eine einzige Jubelarie, die natürlich auch in Hannover fortgesetzt werden soll

Die Rückrunde war für die Union-Profis bislang eine einzige Jubelarie, die natürlich auch in Hannover fortgesetzt werden soll

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin.  Das Stadion in Hannover? Mit 49.000 Plätzen restlos ausverkauft. Die Mannschaften? Nach einem Trainerwechsel dort und einer Siegesserie hier in Hochstimmung. Das Umfeld? So euphorisch, wie man nur sein kann. Der 1. FC Union tritt am Sonnabend (13.30 Uhr, Sky) bei Hannover 96 an. Die Zeit der Endspielwochen in der Zweiten Liga ist angebrochen. Und die Partie des Tabellenvierten gegen den Spitzenreiter liefert gleich einen äußerst geschmackvollen Happen Fußball in diesen ersten Frühlingstagen.

"Die Mannschaft ist nicht euphorisch, aber selbstbewusst. Sie weiß, was sie bisher erreicht hat und hat eine breite Brust. Alle sind nach wie vor fokussiert, wir haben in den letzten Wochen viel und hart trainiert", sagte Unions Trainer Jens Keller .

Und bei allem Realisieren der aktuellen Situation – und Keller ist jemand, der sich gern im Hier und Jetzt wiederfindet anstatt weit in die Zukunft zu schauen – mischt sich auch immer noch ein wenig Ungläubigkeit in die Äußerungen des Coaches. "Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, wir sind zu diesem Zeitpunkt Spitzenreiter, den hätte ich für wahnsinnig erklärt. Doch dass es so ist, zeigt, dass alle im Verein einen Riesenjob machen."

Hannovers Klubchef Kind fürchtet sich vor Mittelmaß

Hannover gegen Union – das ist eine Partie, deren Vorzeichen man entgegengesetzt vermutet hätte. Doch nach einer bislang grandiosen Rückrunde (sieben Siege, ein Remis) sind es die Köpenicker, die mit einem weiteren Erfolgserlebnis den Abstand zu Hannover auf Rang vier auf sieben Punkte ausbauen könnten.

Ganz zu schweigen davon, dass sie dem Bundesligatraum einen gewaltigen Schritt näher kämen. Seit Wiedereinführung der Relegation zur Saison 2008/09 genügten im Durchschnitt 62,25 Punkte für den direkten Aufstieg, Union hätte dann bereits 53.

"Das ist das Schlüsselspiel." Eine Einschätzung, die ob der Vorfreude auf den Sprung in die Eliteliga durchaus von Seiten der Unioner kommen könnte. Tatsächlich äußerte sie Martin Kind, Hannovers Klubpräsident. Sie ist genährt von tiefer Sorge darüber, die sofortige Rückkehr in die erste Liga zu verpassen und zur grauen Maus zu verkümmern. "Die Gefahr ist sehr groß. Es gibt in der Zweiten Liga einige Beispiele, dass man im Mittelmaß versinkt."

Union bleibt nach außen ruhig

Schon in dieser Spielzeit gehe Hannover ein finanziell großes Risiko ein, ließ Kind wissen. Allein der Lizenzspieleretat beläuft sich auf rund 40 Millionen Euro (Union: 14,4 Millionen Euro). "Der Haushalt würde sich deutlich reduzieren, ein zweites Mal könnten wir Verluste wie in dieser Saison nicht vertreten", erklärte Kind. Für diese Saison wird ein Minus von zehn Millionen Euro erwartet.

Und als ob das noch nicht genug wäre, hatte Kind praktisch vom ersten Trainingstag an keine Gelegenheit ausgelassen, Druck auf die Mannschaft auszuüben. Unzählige Male definierte er das Ziel Aufstieg als "alternativlos".

Anders Union. Platz fünf war das Ziel. Und selbst als man die Hinrunde in Schlagdistanz zur Aufstiegsregion beendet hatte, als Fünfter vier Punkte hinter Rang drei, blieb man entspannt an der Alten Försterei. Zumindest nach außen hin, denn intern – ob bei Klubchef Dirk Zingler , den Mitarbeitern oder den Profis selbst – war das Begehren, endlich doch einmal ein Wörtchen im Aufstiegsrennen mitreden zu können, längst entflammt.

Plötzliche Euphorie in Hannover nach Trainerwechsel

In Hannover wurde in den vergangenen Wochen mit aller Macht versucht, einem Scheitern entgegenzusteuern. Horst Heldt löste Anfang März Martin Bader als Sportdirektor ab – und ersetzte vor der Länderspielpause gleich einmal Trainer Daniel Stendel durch André Breitenreiter.

Der wiederum, gestählt durch den Aufstieg (und eine desaströse Bundesliga-Saison) mit dem SC Paderborn sowie einem Jahr auf Schalke, blies sogleich zur Attacke: "Es wird Zeit, Unions Lauf zu stoppen."

Prompt will Kind eine Aufbruchstimmung ausgemacht haben. "Trainer und Mannschaft passen zusammen. Sie setzt das um, was Breitenreiter vorgibt", sagte Hannovers Präsident: "Euphorie und Erwartungen sind groß."

Für Skrzybski ist Union schwer zu schlagen

Union-Stürmer Steven Skrzybski hält dem entgegen: "Wenn wir so weiterspielen wie bisher, wird es schwer, uns zu schlagen." Eben dieses Nur-auf-sich-schauen hat dem Spitzenreiter bislang sehr gut getan.

Daran dürfte die Festlegung auf Torwart Daniel Mesenhöler als Nummer eins ebenso wenig ändern wie der Ersatz, den Keller für Stephan Fürstner (fehlt nach Arthroskopie im rechten Knie) im defensiven Mittelfeld finden muss. Dennis Daube oder Michael Parensen stehen bereit.

"Ich höre erst auf, wenn wir aufgestiegen sind, das ist mein Selbstverständnis", hatte Martin Kind im Vorfeld erklärt. Legt man die Leistungen der vergangenen Wochen zugrunde, wird Union dem 72-Jährigen noch ein paar Jahre mehr als Klubchef bei Hannover 96 verschaffen.

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