Zweite Liga

Fünf Änderungen, die Union zum Spitzenteam machen

Zweitligist Union will Rang drei mit einem Sieg gegen 1860 München unbedingt verteidigen. Die Vorzeichen dafür sind so gut wie nie.

Union feiert den Sieg in Karlsruhe und hat den Aufstieg in die Bundesliga fest im Blick

Union feiert den Sieg in Karlsruhe und hat den Aufstieg in die Bundesliga fest im Blick

Foto: imago sportfotodienst / imago/Matthias Koch

Berlin.  Wie Jens Keller auf die momentane Situation beim 1. FC Union reagiert? "Tiefenentspannt, so wie immer", sagte der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten und schob eines jener erhabenen Lächeln hinterher, die so charakteristisch für den 46-Jährigen sind.

Union empfängt am Freitag 1860 München (18.30 Uhr, Alte Försterei), das allein klingt nach normalem Profialltag. Doch die Köpenicker tun dies als Tabellendritter – ab hier darf man schon einmal aufhorchen. Die Morgenpost nennt die fünf Dinge, die sich unter Keller verbessert und den Aufstiegstraum am Leben erhalten haben.

Endlich ein gelungener Start in die Rückrunde

Die durch die vergangenen Jahre gefestigte Haltung im Union-Umfeld, was die zweite Saisonhälfte betrifft, darf als defätistisch bezeichnet werden. Rückrunde? Dann sind ja bald wieder alle Chancen, und seien sie auch noch so groß gewesen, wieder verspielt.

Das hat sich nun geändert. Denn mit drei Siegen und einem Unentschieden ist das Keller-Team die Mannschaft der Stunde im Bundesliga-Unterhaus. Nur der VfB Stuttgart steht mit vier Siegen besser da. Doch vom Erstliga-Absteiger war erwartet worden, dass er gnadenlos seine Favoritenstellung untermauert, von Union nicht.

Die Wahrnehmung der Konkurrenz, die Union in schöner Regelmäßigkeit als Mitfavorit für den Aufstieg deklarierte, wenn oftmals auch nur aus taktischen Gründen, wird sich spätestens jetzt verändern. Das weiß auch Keller. Gerade weil Union so gut gepunktet hat, "hat man gesehen, dass wir so stark sind, dass wir da oben mitspielen können". Das Ziel gegen die Münchner "Löwen" ist klar: Platz drei verteidigen, "um jeden Preis", so der Coach: "Wir wussten auch vorher schon, wo wir hinwollten, nur fängt jetzt keiner an zu spinnen oder durchzudrehen. Aber ich finde es immer besser, von oben zu agieren statt hinten dran zu sein."

Auswärts schon einen Punkt mehr als vergangene Saison

Was für den Start ins neue Jahr gilt, gilt auch für die Auftritte auf des Gegners Plätzen. Seit der Zweitliga-Rückkehr 2009 wurde der Status als gern gesehener Gast manifestiert: Dank seiner zahlreich mitreisenden und stets stimmungsvollen Fans werden die Stadien gut gefüllt, die Punkte aber in schöner Regelmäßigkeit den Hausherren überlassen.

Auch das ist Vergangenheit. 17 Zähler brachte Union in dieser Saison bereits aus der Fremde mit – und damit schon einen mehr als in der gesamten vergangenen Spielzeit. Mittelfeldspieler Damir Kreilach hat eine einfache Erklärung für die gute Ausbeute: "Die anderen Mannschaften sind nicht schlecht – wir sind gut."

Wer anmerkt, dass die wirklich schweren Gastspiele bei den Aufstiegsaspiranten Hannover 96 (1.4.), Stuttgart (23.4.) und Eintracht Braunschweig (7.5.) erst noch bevorstehen, wird jedoch auch zu der Erkenntnis gelangen: Gelingt es Union, die derzeitige Form bis dahin aufrechtzuerhalten, sind Punkte auch aus diesen Partien keine Utopie.

Jetzt gelingen auch dreckige Siege

Die Meinungen über den Auftritt zuletzt beim Karlsruher SC waren eindeutig. "Das war kein Topspiel von uns", sagte Trainer Keller. Stürmer Steven Skrzybski meinte: "Egal wie, Hauptsache gewonnen." Und immer wieder hieß es: Früher wäre so ein Spiel noch verloren gegangen.

"Wir haben uns das über die Saison erarbeitet", sagte Verteidiger Toni Leistner: "Wir zeigen immer wieder, dass wir ein richtig gutes Team und uns kleine Rückschläge scheißegal sind." Es sind solche Spiele wie das 2:1 im Wildparkstadion, die eine Spitzenmannschaft ausmachen: mäßig spielen und trotzdem die volle Ausbeute holen.

Der Jahresauftakt gegen Bochum (2:1) zählt ebenso dazu, das 1:0 in Sandhausen oder auch der Sieg in Würzburg (1:0) mit dem späten Treffer von Collin Quaner (jetzt Huddersfield Town). Enden allein jene vier Partien nur remis, Union hätte acht Punkte weniger auf dem Konto – und würde mit nun 30 Zählern im Mittelfeld rumdümpeln.

Die Qualität auf der Bank hat sich verbessert

Sie ist seit jeher ein wichtiger Faktor für ein Team, das bis zum Schluss oben dabei sein will. Keller ist es mit seiner Erfahrung gelungen, auch jene Profis, die hinten anstehen, voranzubringen, indem er sie auf das Ziel eingeschworen hat.

Beispiel Emanuel Pogatetz, der gegen Bielefeld den gesperrten Abwehrchef Toni Leistner vertrat. Keller zollte dem Österreicher, der bei Union nicht mehr als eine Randfigur ist, einen "Riesenrespekt. Es ist nicht so einfach, dass ein Spieler, der gefühlt ein Jahr nicht mehr gespielt hat, einfach so reinkommt und die Abwehr so stabilisiert."

Oder Eroll Zejnullahu , der in Karlsruhe den gesperrten Kapitän Felix Kroos ersetzte und mit zwei tollen Pässen die beiden Union-Tore einleitete. Gerade als es brenzlig wurde, "hat er uns mit tiefen Läufen viel Druck genommen", so Keller.

Profis lernen, sich als Spitzenteam zu präsentieren

Kreilach wäre über Platz vier am Saisonende enttäuscht, Leistner sieht Union stark genug für Rang zwei oder drei – nie war der Umgang mit dem Thema Aufstieg offensiver. Und Keller, der mahnt, man dürfe die Bodenhaftung nicht verlieren – findet es gut: "Wir haben den 22. Spieltag vor uns. Und wenn man jetzt da oben steht, was soll man da noch erzählen?"

Der Coach sieht darin einen wichtigen Erfahrungswert: "Die Mannschaft muss auch lernen, mit gewissen Situationen umzugehen. Sie muss bereit sein, eine Spitzenmannschaft zu sein, auch im Kopf und sich nicht immer kleiner machen, als sie ist." Klappern gehört bekanntlich zum Geschäft, wer weiß das besser als der ehemalige Bundesliga-Coach (Schalke, Stuttgart).

Zumal im letzten Saisondrittel verstärkt die Nerven eine Rolle spielen. Motto: sich der eigenen Stärke bewusst sein, aber bloß nicht überdrehen. "Wir sind durch Leistung da, wo wir sind. Das bedeutet aber nicht, dass wir nichts mehr tun müssen. Wir müssen täglich weiter so akribisch arbeiten", forderte Keller, ganz gelassen.

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