England-Legionär

Polter: „Ich gönne Union den Aufstieg von Herzen“

Sebastian Polter schoss in Köpenick einst den Torrekord, in Englands zweiter Liga kämpft er nun gegen den Abstieg.

Sebastian Polter (M.) jubelt nun für die Queens Park Rangers, in dieser Saison traf er bereits vier Mal

Sebastian Polter (M.) jubelt nun für die Queens Park Rangers, in dieser Saison traf er bereits vier Mal

Foto: dpa Picture-Alliance / Nigel French / picture alliance / empics

Auf den britischen Inseln wird in allen Fußball-Ligen rund um den Jahreswechsel durchgespielt. Auch Ex-Unioner Sebastian Polter (25), seit Sommer 2015 beim englischen Zweitligisten Queens Park Rangers, spielt am Dienstag in Brighton.

Die Bundesliga macht derzeit Winterpause, Englands Ligen nicht – war das eine große Umstellung, Herr Polter?

Sebastian Polter: Anfangs schon, jetzt nicht mehr. Das ist mein Beruf, da muss ich durch. Meine Kollegen in Deutschland sollen mir aber nichts mehr von Englischen Wochen vorjammern. Die habe ich hier dauernd. Immerhin kam jetzt die Familie nach London.

Als Sie 2015 von Mainz nach England wechselten, sagten Sie, dass ein großer Traum in Erfüllung geht. Jetzt stecken Sie mit Queens Park im Abstiegskampf der zweiten Liga. Leben Sie trotzdem immer noch ihren Traum?

Natürlich! Die sportliche Situation ändert nichts daran, dass ich schon immer nach England wollte. Ich bin keiner, der wegrennt, wenn es schlecht läuft. Jetzt gilt es, umso mehr die Ärmel hochzukrempeln.

Was sind die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem englischen Fußball?

In Deutschland wird mehr mit dem Kopf gespielt. Hier in England sieht das etwas anders aus. Wir haben hier auch unsere Spielphilosophie, doch mit Deutschland ist es nicht zu vergleichen.

Wie haben Sie sich in der Weltstadt London eingelebt?

Das war gar nicht so einfach, London ist wie eine eigene Nation. Aber man gewöhnt sich an alles. Ich habe schon in Berlin gelebt und die Größe der Stadt hautnah miterlebt, doch London ist noch einmal etwas anderes. Es ist aber ganz angenehm. Auch wenn ich ehrlich sagen muss, dass es für mich keine Stadt wäre, um hier mein Leben nach der aktiven Karriere zu verbringen. Da mag ich es doch kleiner und gemütlicher.

Berlin ist ein gutes Stichwort: Dort schossen Sie sich 2014/15 zum Klubrekord. Wie sehr fiebern Sie jetzt noch mit ihren früheren Vereinen mit?

Zu Union und auch dem VfL Wolfsburg habe ich noch eine enge Bindung. Das sind eigentlich die einzigen Ex-Klubs, die ich noch intensiv verfolge.

Warum ausgerechnet diese beiden Klubs?

In Wolfsburg habe ich rund sieben Jahre gespielt und bin dort von Felix Magath in den Profikader berufen worden. Das war eine schöne, aufregende Zeit. Dass der VfL jetzt da unten steht, ist sehr ärgerlich. Ich bin mir aber sicher, dass die Wölfe die Kurve bekommen. Dagegen sieht es für Union Berlin sehr gut aus. Das überrascht mich überhaupt nicht.

Sie halten viel von den „Eisernen“, oder?

Ja, das ist ein toller Verein. Ich war für nur ein Jahr an Union ausgeliehen, habe mich aber in Köpenick sofort heimisch geführt. Ich wurde von den Fans sehr gut aufgenommen. Das hat mir imponiert. In diesem Verein ziehen wirklich alle an einem Strang: Mannschaft, Fans, Physios, Platzwart, Putzfrau - einfach alle. Köpenick ist ein echter Arbeiter-Stadtteil – und das lebt Union vor. Ich würde mich freuen, wenn die Köpenicker aufsteigen. Das gönne ich dem Klub von Herzen.

Ist die Stimmung bei den Rangers genauso gut wie in der Alten Försterei?

Die Atmosphäre ist beim englischen Fußall insgesamt anders. In England werden jedes Tackling, jede Aktion beklatscht. Es gibt dafür weniger Gesänge. In Deutschland kommen Fans mit Trommeln oder anderen Utensilien ins Stadion. Dementsprechend ist die Stimmung eine andere.

Ihr Vertrag läuft noch bis Sommer 2018. Sehnen Sie sich schon nach Deutschland?

Nein. Mein nächstes Ziel ist die Premier League - am liebsten mit QPR. Das wird schwer, aber bis 2018 durchaus möglich. Irgendwann werde ich aber mit Sicherheit nach Deutschland zurückkehren.

Dann vielleicht zum Erstligisten Union Berlin?

Warum nicht (lacht)? Die Köpenicker sind für mich immer reizvoll.