Hinrunden-Bilanz

Für Union ist noch mehr drin

Union kann nach seiner besten Zweitliga-Hinrunde vom Aufstieg träumen. Der Kader soll verkleinert werden.

Die Spieler von Union Berlin feiern das Tor während des Spiels zwischen dem 1. FC Union Berlin und SpVgg Greuther Fvürth

Die Spieler von Union Berlin feiern das Tor während des Spiels zwischen dem 1. FC Union Berlin und SpVgg Greuther Fvürth

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin. Seine Entscheidung, nach Berlin zum 1. FC Union zu kommen, hat sich für ihn als goldrichtig erwiesen. Dies entnimmt man allen Statements, die Jens Keller zu seinem ersten halben Jahr als Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten gibt. „Ich habe alles so vorgefunden, wie es mir in den Gesprächen vorher beschrieben worden war und ich es mir erhofft hatte“, sagt der 46-Jährige.

Dass die Verbindung Keller und Union funktioniert, unterstreicht die beste Hinrunde, welche die Köpenicker jemals in der Zweiten Liga gespielt haben. 28 Punkte, 26:20 Tore, Platz fünf – nie stand Union nach 17 Spielen besser da. „Das Fazit ist sehr positiv“, so Keller: „Die Mannschaft hat überragend gearbeitet, sie ist charakterlich stark.“ Von der Art und Weise, wie sie Fußball spielt, einmal ganz zu schweigen, auch wenn die Ausbeute in den letzten beiden Partien des Jahres in Heidenheim (0:3) und gegen Fürth (1:1) nicht dem eigenen Anspruch entsprach.

Und so mischt sich doch auch ein wenig Ärger in Kellers Bilanz. Weil „wir mehr Punkte liegen gelassen haben als glücklich gewonnen“, macht Keller deutlich. Mit anderen Worten: Da ist noch mehr möglich für Union in der Rückrunde. Wer jetzt vom Bundesliga-Aufstieg träumt, liegt da sicherlich nicht falsch.

Keller hat es geschafft, aus der Ansammlung guter Profis, die eine Spielzeit voller Turbulenzen (zwei Trainerwechsel) hinter sich hatte, eine Mannschaft zu formen, die Struktur auf dem Platz besitzt, taktisch flexibel agieren kann und die so modern Fußball spielt wie noch kein anderer Union-Jahrgang zuvor. Nicht ohne Grund werden die Berliner von der Konkurrenz immer wieder als Aufstiegskandidat bezeichnet, auch wenn es der eine oder andere in Köpenick noch nicht so gern hören mag. Die Tendenz zeigt jedenfalls ganz klar nach oben.

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Keller befreit Spieler ausihrer Reservistenrolle

Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen auch in jener Gemengelage, die man als Glück und Pech bezeichnet. Collin Quaners „Comeback“ nach einem Jahr, in dem er an der Alten Försterei kaum mehr als ein Mitläufer gewesen ist, ist ein Beispiel. Weil Philipp Hosiner sich nach dem Auftakt in Bochum (1:2) einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, konnte Quaner zeigen, was ihn ihm steckt. Sieben Tore in den ersten neun Spielen haben dazu beigetragen, dass Quaner auch nach Hosiners Genesung seinen Stammplatz behielt. Dass Hosiner nun wegen seiner kollabierten Lunge erneut für Wochen fehlen wird, ist für den Österreicher natürlich doppelt tragisch.

„Ich bin jemand, der den Spielern Vertrauen gibt“, erklärt Keller. Und sollten die Leistungen mal nicht stimmen, „bekommen sie zwei, drei weitere Spiele und nicht immer nur eins“, so Keller, um sich wieder aus dem Tief herauszuarbeiten. „Die Mannschaft hat es mir immer wieder bewiesen“, dass Kellers Weg der richtige ist. „Wir haben viel richtig gemacht in der Hinrunde, sonst würden wir nicht da stehen, wo wir stehen“, sagt der Coach.

Ob die defensiven Mittelfeldspieler Stephan Fürstner und Dennis Daube, ob Rechtsverteidiger Christopher Trimmel oder auch Innenverteidiger Roberto Puncec – das Quartett ist ein weiterer Beleg dafür, wie sich Spieler aus ihren Reservistenrollen befreit haben, weil ihnen Vertrauen entgegengebracht wurde. Auch wenn Trimmel und Puncec – ähnlich wie Quaner – von Verletzungen ihrer Kollegen Benjamin Kessel und Fabian Schönheim profitierten. Bei allen gilt Kellers Maxime: „Man darf sich nach einem Sieg nicht unendlich feiern lassen. Genauso darf man sich nach Niederlagen nicht so tief in den Keller setzen, dass man da nicht mehr heraus kommt.“

Dennoch ist es nachvollziehbar, wenn Veränderungen im 29-Mann-Kader erwogen werden. Wobei Union nicht zu allererst über Verstärkungen nachdenkt, sondern über eine Verkleinerung des Kaders. „Wir sind mit allen Spielern im Austausch, ich werde aber niemanden vom Hof jagen“, sagt Keller. Das habe er noch nie gemacht: „Ich respektiere Verträge. Aber wir erklären jedem seine Situation, und damit muss jeder Spieler klarkommen.“

Vor allem Eroll Zejnullahu, Christopher Quiring, Adrian Nikci, Christopher Lenz oder Emanuel Pogatetz werden sich fragen (müssen), warum sie unter Keller kaum Einsatzmöglichkeiten bekamen. Und ob eine Entscheidung, sich einem anderen Verein zuzuwenden, nicht doch die richtige wäre.