Zweite Liga

Kraftprobe für Union Berlin

Nach der höchsten Saisonniederlage muss Trainer Keller vor allem dafür sorgen, dass Union nicht den Glauben an sich selbst verliert.

Die Union-Profis Kessel, Pedersen, Kroos, Hosiner und Kreilach (v.l.) können ihre Enttäuschung über die Niederlage in Heidenheim nicht verbergen

Die Union-Profis Kessel, Pedersen, Kroos, Hosiner und Kreilach (v.l.) können ihre Enttäuschung über die Niederlage in Heidenheim nicht verbergen

Foto: imago sportfotodienst / imago/Nordphoto

Berlin.  Es gibt Vereine, da sinkt die Stimmung nach der höchsten Saisonniederlage gern mal auf den Nullpunkt. Erst recht, wenn man die große Chance hatte, sich ganz vorn einzunisten, so wie es der 1. FC Union mit einem Sieg in Heidenheim getan hätte. Doch bei den Köpenickern versucht man, jenes 0:3 vom Freitagabend hinzunehmen als das, was es ist: eine Niederlage eben.

„Was ist denn passiert?“, fragte Trainer Jens Keller, um seine Frage auch gleich selbst zu beantworten: „Wir haben ein Spiel verloren, so wie es immer mal passieren kann. Solche Spiele gibt es nun mal. Natürlich wollten wir uns oben etablieren, aber auch so sind wir immer noch vorn dabei.“ Vorn dabei, mit guten 27 Punkten auf Rang fünf, aber eben nicht mittendrin. Immerhin: Der Vorsprung auf die nächsten Verfolger Dresden und Düsseldorf beträgt drei Punkte.

Wenn es für die Köpenicker eine Erkenntnis aus dem letzten Auswärtsspiel des Jahres gibt, dann diese: Der Union-Jahrgang 2016/17 ist auch trotz aller spielerischen Fortschritte, die er unter Coach Keller ohne Zweifel genommen hat, eine Mannschaft, die nur dann erfolgreich ist, wenn sie in jedem Spiel hundert Prozent gibt. Das war in Heidenheim nicht der Fall. Begünstigt wurde dieser Umstand sicher durch die nur knapp viertägige Pause nach dem kräftezehrenden Spiel gegen Eintracht Braunschweig (2:0) am Montagabend.

Alternativen für mehr Frische sind vorhanden

„Ich sage jede Woche, dass es ex­trem schwer ist, wenn die Bereitschaft nicht stimmt. Heute hat es an vielem gefehlt“, erklärte Keller. Dass Union derart ideenlos agierte, kann auch auf den körperlichen Zustand zurückgeführt werden.

Es ist keineswegs so, dass die Köpenicker nun völlig im roten Bereich sind. Doch um in einem Verfolgerduell gegen unbequeme und zugleich in dieser Saison überraschend starke Heidenheimer bestehen zu können, fehlten eben jene wenigen Prozent an Leistungsfähigkeit.

Alternativen, um für mehr Frische in der Anfangsformation zu sorgen, sind vorhanden. Zumal immer wieder davon die Rede ist, dass Union einen durchaus ausgeglichenen Kader besitzt. Philipp Hosiner zum Beispiel wäre als Alternative für Collin Quaner mehr als nur denkbar. Zumal der Stürmer beweisen will, dass er zu Recht als Ersatz für Rekordtorjäger Bobby Wood (17 Treffer, jetzt Hamburger SV) geholt wurde.

Ein Spiel, aber nicht das Aufstiegsrennen verloren

Stephan Fürstner oder Kenny Prince Redondo als Optionen im Mittelfeld – es hätte einige Möglichkeiten gegeben, dem einen oder anderen Stammspieler eine kleine Pause zu gönnen, wenn die Kräfte nachlassen. Dass Keller versucht, seine Startelf so wenig wie möglich zu ändern, ist vor allem den Erfolgen der Vorwochen geschuldet. Und macht im Sinne automatisierter Abläufe auch Sinn. In Heidenheim ging der Schuss nach hinten los.

Doch es bleibt dabei: Union hat in Heidenheim ein Spiel verloren (das passiert in der Zweiten Liga selbst Spitzenteams öfter), aber längst noch nicht das Aufstiegsrennen. Wenn Keller also sagt, dass „die Mannschaft nach dem Elfmeter den Glauben an sich verloren“ hat, wird deutlich, wo der Coach in den nächsten Tagen ansetzen muss.

Denn fehlt neben der Kraft auch noch der Glaube an die eigene Stärke, dann wird es auch nichts mit einem versöhnlichen Jahresausklang gegen Fürth am Freitag (18.30 Uhr, Alte Försterei).