Zweite Liga

Union schafft den Aufstieg mit links

Warum die Skandinavier Simon Hedlund und Kristian Pedersen den Berliner Zweitligisten nicht nur am Freitag in Heidenheim voranbringen.

Skandinavischer Jubellauf: Der Schwede Simon Hedlund (l.) feiert sein Tor zum 1:0 für Union gegen Braunschweig mit dem Dänen Kristian Pedersen

Skandinavischer Jubellauf: Der Schwede Simon Hedlund (l.) feiert sein Tor zum 1:0 für Union gegen Braunschweig mit dem Dänen Kristian Pedersen

Foto: Matthias Koch

Berlin.  Schweden sind, so will es das Klischee, vor allem hartgesottene Naturmenschen. Kälte? Kein Problem für die Jungs aus Stockholm, Göteborg oder Malmö. Ein Bursche, der das Fußballspielen in Trollhättan erlernte, steht dabei in krassem Gegensatz. „Der Trainer hat mich schon gefragt: Und du kommst aus Schweden“, erzählt Simon Hedlund und grinst. Weil Hedlund, seit Sommer Profi des 1. FC Union unter Jens Keller, im Spiel Handschuhe trägt – und das schon im Oktober.

Okay, neuer Versuch: Dänen sind ein offenes, herzliches Volk. Kristian Pedersen, Verteidiger beim Berliner Fußball-Zweitligisten, wird dies bestätigen. Ob man in Köpenick derzeit den besten Pedersen aller Zeiten erlebt, wird er gefragt. „Den besten? Das ist erst der Anfang“, sagt Pedersen und verzieht keine Miene. Ein Moment, der irritiert, wenn auch nur kurz. Denn mit seinem Lachen zeigt der Däne tatsächlich jene Herzlichkeit, die man mit seinen Landsleuten verbindet.

Nach Anlaufzeit ist das Duo nun gesetzt

Hedlund (23/links offensiv) und Pedersen (22/links defensiv) – wenn es eine Antwort auf die Frage gibt, warum Union das Aufstiegsrennen, zumindest aber die Partie am Freitagabend beim 1. FC Heidenheim (18.30 Uhr, Sky) mit links meistern kann, dann sind es die beiden Skandinavier. Das Duo hat seit der Verpflichtung im Sommer drei, vier Monate gebraucht, um sich mit der Liga anzufreunden. Jetzt sind beide nicht mehr aus der Startelf wegzudenken.

„Hedlund brauchte seine Zeit. Doch was er zuletzt gegen Braunschweig gezeigt hat, war beeindruckend. Nicht nur wegen des Tores, das ihm Selbstvertrauen geben wird“, schwärmte sogar Trainer Keller von der Entwicklung des Stürmers.

Über Pedersen sagte der 46-Jährige ähnlich begeistert: „Was dieser junge Kerl hier spielt, ist große Klasse, schließlich kommt er aus der zweiten dänischen Liga.“ Die ist von der Qualität alles andere als vergleichbar mit dem deutschen Bundesliga-Unterhaus. So spricht Pedersen von einem „mental und physisch harten Weg“, den er bislang bei Union hinter sich hat.

Was ihm in der Anfangszeit am meisten zu schaffen gemacht hat? „Das Tempo“, antwortet der Däne. Und auch der Umstand, dass er in dieser Saison bislang so regelmäßig zum Einsatz gekommen ist. 14 der 15 Spiele hat er absolviert, 13 davon über 90 Minuten. In Nürnberg musste er mit Gelb-Rot vom Platz. Die Partie gegen Hannover danach verpasste er deshalb.

In Berlin das Glück gefunden

Pedersen zeichnen seine Robustheit in den Zweikämpfen ebenso aus wie seine schnellen Vorstöße – und sein inzwischen enormes Selbstvertrauen. „Das steigt natürlich, wenn man oft spielt. Und dass ich so oft spiele, habe ich nicht erwartet“, sagt er.

Es ist ohne Zweifel der wichtigste Grund dafür, warum Pedersen seinen Wechsel von HB Köge an die Alte Försterei nicht bereut hat. Ursprünglich war er bei Borussia Mönchengladbach II als Ersatz für Christopher Lenz, den Union verpflichtete, vorgesehen. Doch der Wechsel zerschlug sich, und so dockte auch Pedersen bei den Köpenickern an. „Sich in Mönchengladbach in die erste Mannschaft zu spielen, ist ungleich schwerer. Die spielt in der Champions League“, sagt er. Bei Union konnte Pedersen seinen Traum, „Teil eines Topklubs“ zu sein, doch um einiges schneller erfüllen.

Hedlund, Pedersens Vordermann, sieht dies ähnlich: „Als bekannt wurde, dass ich nach Deutschland gehe, haben mir viele gesagt: Oh, das wird schwer, die Spieler dort sind oft egoistisch“, erzählt Hedlund. „Doch bei Union ist das völlig anders. Es gibt nichts, über das ich mich beschweren muss.“

Teuerster Einkauf der Union-Historie

Seine Mitspieler müssen das auch nicht. Abwehrchef Toni Leistner sagt etwa: „Hedlund hat hart gearbeitet. Und jetzt zeigt er, was er kann und wofür er geholt wurde.“ Für seine schnellen Antritte auf dem linken Flügel. Für seinen Spielwitz. Und für seine Abschlüsse. Wie befreiend der Treffer zuletzt gegen Braunschweig für ihn gewesen ist, war seinem Torjubel deutlich zu entnehmen.

Dass er mit rund 850.000 Euro, die im August an IF Elfsborg flossen, der teuerste Transfer der Union-Historie ist, „hat mir schon zu schaffen gemacht“. Er wollte beweisen, dass er die Summe auch wert ist. Entsprechend kritisch geht er mit seiner bislang besten Saisonleistung gegen Braunschweig um: „Es war okay, aber ich habe noch zu viele leichte Fehler gemacht.“

Sein Credo: „Natürlich muss man die positiven Dinge sehen, aber auch die schlechten, nur dann kann man sich entwickeln.“ Dank Hedlund und Pedersen ist Unions linke Seite wieder ein echtes Pfund, mit dem man im Aufstiegsrennen wuchern kann.