Mitgliederversammlung

Union wird zum 1. FC Umbau

Union-Boss Dirk Zingler präsentiert Rekordzahlen und lobt den neuen TV-Vertrag. Angaben zum geplanten Stadionausbau gibt es aber nicht.

Die Alte Försterei bietet derzeit 22.012 Zuschauern Platz

Die Alte Försterei bietet derzeit 22.012 Zuschauern Platz

Foto: Hannibal Hanschke / picture alliance / dpa

Berlin.  Wenn es beim 1. FC Union in diesen Monaten eine Konstante gibt, dann sind es die Veränderungen. Ausbau der Alten Försterei, Neubau des Nachwuchsleistungszentrums, Umbau der Konzernstrukturen – das waren die Themen, die auf der Mitgliederversammlung am Mittwochabend vorrangig behandelt wurden.

Maßnahmen, die notwendig sind, wie Klubchef Dirk Zingler den Mitgliedern bei der Versammlung in der Haupttribüne mitteilte. „Die Zweite Liga bleibt ein Spagat zwischen Investitionen in die Zukunft und dem weiteren Wachsen“, sagte der Präsident des Berliner Fußball-Zweitligisten. Ein Spagat, der mit dem Aufstieg in die Bundesliga selbstverständlich wegfallen würde.

Natürlich war die Erweiterung der Alten Försterei ein Thema. Wer jedoch erwartet hatte, konkrete Angaben zur Art und Finanzierung des Ausbaus auf mutmaßlich 35.000 Plätze zu erfahren, wurde enttäuscht. Erst im März oder April nächsten Jahres soll eine „im Verein und auch mit den Fangruppen abgestimmte Planung“ präsentiert werden, so Zingler.

Neues Nachwuchszentrum wird ab Sommer 2017 gebaut

Um das Stadion Bundesliga-tauglich zu machen, muss die Sitzplatzkapazität von derzeit 3617 auf 8000 erweitert werden. So sehen es die neuen Lizenzierungsbedingungen der DFL vor. Dass der Umbau nicht schon für die Saison 2016/17 erfolgen muss, ist dem Bestandsschutz für Zweitliga-Stadien zu verdanken, den Union als Kompromiss mit der DFL ausgehandelt hat.

Wesentlich konkreter wurde Zingler, was den Bau des neuen Nachwuchsleitungszentrums im Bruno-Bürgel-Weg angeht. Ab Sommer 2017 sollen im ersten Bauabschnitt ein Internat mit 24 Plätzen sowie vier Fußballfelder (jeweils zwei Natur- und Kunstrasenplätze) entstehen. Die Baukosten werden im Verhältnis 20:80 zwischen Union und dem Land Berlin aufgeteilt. Eine Vereinbarung, die noch aus Zeiten des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit resultiert.

Darüber hinaus bemüht sich das Land Berlin um den Erwerb des östlich angrenzenden Industrie-Grundstücks, welches Union ebenfalls auf Grundlage eines Erbbaupachtvertrages zur Verfügung gestellt werden soll. Dort sind ein Amateur-Stadion (3000 Plätze) und eine Ballspielhalle geplant. Ein Auge hat Union zudem auf das Gelände mit dem Käthe-Tucholla-Stadion geworfen, in dem derzeit Bezirksligist SSV Köpenick-Oberspree (8. Liga) spielt.

390.000 Euro Gewinn in der Saison 2015/16

Insgesamt zeigte sich Zingler mit Unions Entwicklung sehr zufrieden. Der Umbau des Konzerns ist mit der Gründung der Alte Försterei Veranstaltungs GmbH und Co. KG, die sich vor allem um das Stadion-Catering und Drittveranstaltungen kümmern wird, abgeschlossen.

Dazu gab es Rekordzahlen: Union schloss die Saison 2015/16 bei Einnahmen von 31,24 Millionen Euro mit einem Gewinn von 390.000 Euro ab, mit der das negative Eigenkapital (Altlasten aus der Zeit bis Anfang der 2000er-Jahre) auf 4,1 Millionen Euro gesenkt werden konnte. Weitere 8,7 Millionen Euro, die Union noch dem Unternehmer Michael Kölmel schuldet, sind mindestens bis 2025 mit Rangrücktritt versehen.

Für die laufende Spielzeit plant Union mit einem Rekordetat von 34,38 Millionen Euro, der Lizenzspieleretat beträgt 12,4 Millionen Euro (2015/16: 10,7). Geplant ist ein Gewinn von 300.000 Euro. Der höhere Etat begründet sich auf mehr Werbeeinnahmen, die erstmals zehn Millionen Euro übersteigen, sowie höhere Zuschauereinnahmen. Dank des DFB-Pokalspiels bei Borussia Dortmund, für das Union die Hälfte der Eintrittsgelder erhält, fließt hier gut eine Million Euro mehr in die Union-Kasse. Auch die Einnahmen durch die TV-Gelder steigen um gut 1,3 auf 9,45 Millionen Euro. Und sie werden durch den ab Sommer neuen TV-Vertrag weiter steigen.

TV-Vertrag: „Die Liga bekommt mehr, als sie wert ist“

Zingler sprach mit Blick auf den neuen TV-vertrag von einer „Lösung, die vertretbar ist“, und einer „Gemeinschaftsaufgabe, die mit Kompromissen behaftet ist“. Dass die Tradition mehr berücksichtigt wird, hält der Union-Boss für richtig.

„Wir legen auch wert auf Tradition, und wenn es ums Geld geht, soll es da nicht mehr geben? Das ist nicht meine Position“, sagte Zingler: „Wir haben die Chance, Jahr für Jahr zu wachsen, wenn wir gut arbeiten. Damit ist die Gegenwart ausreichend berücksichtigt.“

Zinglers Bewertung des neuen Vertrages ist eindeutig: „Die Zweite Liga sollte zufrieden sein, weil sie mehr bekommt, als sie wert ist.“