Zweite Liga

Löw sieht Unions Remis gegen Stuttgart

Bundestrainer besucht erstmals die Alte Försterei und sieht ein Unentschieden, obwohl sein Ex-Klub Stuttgart lange Zeit besser spielt.

Steven Skrzybski (Mitte) war gegen Stuttgart im entscheidenden Moment zur Stelle

Steven Skrzybski (Mitte) war gegen Stuttgart im entscheidenden Moment zur Stelle

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Berlin.  Der Besuch hätte nicht namhafter kaum sein können. Joachim Löw, Bundestrainer des Fußball-Weltmeisters Deutschland, gab sich am Sonntagnachmittag die Ehre, um die Zweitliga-Partie des 1. FC Union gegen den VfB Stuttgart in der Alten Försterei zu verfolgen.

Schließlich ist Löws Verbundenheit zu den Schwaben nicht von der Hand zu weisen, mit dem VfB gewann er 1997 als Trainer den DFB-Pokal. Und da der 56-Jährige eine Wohnung in Berlin hat, bot sich der Besuch in Köpenick praktisch an.

„Es ist schön, dass er den Weg hierher gefunden hat“, sagte Union-Trainer Jens Keller, „mein Handeln hat das aber nicht beeinflusst.“ VfB-Coach Hannes Wolf merkte an: „Schön, dass der Bundestrainer den Fußball so liebt, dass er sich ein Zweitligaspiel anschaut.“ Einen Sieger bekam Löw jedoch nicht zu sehen, Union und Stuttgart trennten sich 1:1 (0:1).

Ex-Unioner Terodde trifft für Stuttgart

In den Katakomben der Haupttribüne hellte sich die Miene von Simon Terodde kurz auf, als er auf den Bundestrainer angesprochen wurde. Der Ex-Unioner und heutige VfB-Stürmer ein Kandidat für die Nationalelf? „Wenn ich in der Bundesliga 25 Tore gemacht hätte, hätte er mich vielleicht nominiert“, sagte der 28-Jährige mit Blick auf jene 25 Treffer, mit denen er in der vergangenen Saison und noch für Bochum spielend Torschützenkönig geworden war: „In der Zweiten Liga reicht das nicht.“

Um einen Punkt aus der mit 22.012 Zuschauern ausverkauften Alten Försterei zu entführen, genügten Teroddes Torjägerqualitäten allemal. Keine drei Minuten waren gespielt, als er – von VfB-Kapitän Christian Gentner in Szene gesetzt – zum 0:1 einschoss. Sein achter Saisontreffer.

Es war der Auftakt von 60 Minuten, in denen die Stuttgarter klar ihre Ambitionen auf den Wiederaufstieg untermauerten. „Wir haben die Anfangsphase verschlafen“, musste Union-Kapitän Felix Kroos eingestehen. Seine Mannschaft habe versucht, ihr Spiel durchzuziehen, „egal was auf der anderen Seite passiert“.

Daube statt Fürstner im defensiven Mittelfeld

Dafür hatte Trainer Keller zwei personelle Veränderungen vorgenommen. Statt Stephan Fürstner spielte Dennis Daube im defensiven Mittelfeld. Beim 0:1 in Kaiserslautern „hatten wir fußballerisch Probleme im Aufbauspiel, Daube hat dort Qualitäten“, begründete Keller.

Zudem spielte Roberto Puncec für Fabian Schönheim in der Innenverteidigung neben Toni Leistner. Doch erst als Keller sein Team nach einer halben Stunde umstellte und Kroos neben Daube in die Defensive beorderte, kamen die Köpenicker ein wenig besser in die Partie.

„Wichtig ist, dass wir es geschafft haben, gegen eine Topmannschaft der Liga zurückzukommen“, bilanzierte Kroos. Es passte ins Bild, dass es dafür Mithilfe des Gegners bedurfte. Denn bis zum Ausgleich in der 60. Minute hätten sich die Köpenicker nicht beschweren dürfen, wenn sie bereits mit zwei oder drei Toren zurückgelegen hätten. „Die erste Viertelstunde nach der Pause gehörte ganz klar uns“, sagte VfB-Coach Wolf. Allein Terodde (zweimal 48.) hätte das Spiel endgültig entscheiden können, auch Berkay Özcan verfehlte nur knapp (52.).

Skrzybski profitiert vom Fehler des VfB-Torwarts

Dann kam der Auftritt von Stuttgarts Torwart Mitchell Langerak. Beim Versuch, den Ball weit vor seinem Kasten wegzufausten, wurde der Australier von seinem Verteidiger Marcin Kaminski derart behindert, dass das Spielgerät direkt für die Füße von Steven Skrzybski flog. Der Union-Stürmer fackelte nicht lange – 1:1. „Ich hatte ein bisschen darauf spekuliert“, gab der Torschütze zu.

Was folgte, war ein kompletter Bruch im Spiel. Stuttgart verlor völlig den Faden, Union rannte mit offenem Visier an. Und reihte plötzlich Chance an Chance. Damir Kreilach (67.), der eingewechselte Simon Hedlund (68.), Collin Quaner (74.), Kroos und Kreilach im Nachschuss (76.), schließlich noch der eingewechselte Philipp Hosiner in der Nachspielzeit: „Union hat sich praktisch in alles reingeworden“, sagte Terodde, „und sich den Punkt irgendwie verdient.“

Unions Abrutschen auf Platz sieben konnte er jedoch nicht verhindern.