Zweite Liga

Ex-Unioner Terodde hat die Bundesliga im Blick

Stuttgarts Aufstiegshoffnungen ruhen nicht zuletzt auf Simon Terodde. Der Torjäger will nun seinen ehemaligen Verein ärgern ärgern.

Stuttgarts Torjäger Simon Terodde (l.) spielte drei Jahre für den 1. FC Union

Stuttgarts Torjäger Simon Terodde (l.) spielte drei Jahre für den 1. FC Union

Foto: Uli Deck / dpa

Berlin.  Simon Terodde (28) ist vor dem Auswärtsspiel an der Alten Försterei (Sonntag, 13.30 Uhr) bester Dinge: „Das Stadion ist schön, die Fans sind – ähnlich wie in Stuttgart – überragend. Ich freue mich sehr auf meine Rückkehr“, sagt er. Allen, die es mit Union halten, fällt es allerdings schwer, diese Begeisterung zu teilen: Fünfmal traf Terodde in den letzten drei Ligaspielen – und die Angst ist groß, dass der Stürmer seine Serie fortsetzt.

Zwischen 2011 und 2014 stand Terodde bei den „Eisernen“ unter Vertrag. „Ich habe mich in Berlin wohl gefühlt. Aber im letzten halben Jahr saß ich häufig auf der Bank und wollte daher wechseln“, erinnert Terodde. Ablösefrei ließ Union ihn nach Bochum ziehen – im Nachhinein ein Fehler.

Zwei Jahre und 41 Treffer später war er dem VfB Stuttgart als Zweitliga-Torschützenkönig im Sommer drei Millionen Euro wert. Bei den Schwaben arbeitet Terodde mit aller Macht auf ein anderes Wiedersehen hin: das mit der Bundesliga. Fünf Spiele hat er dort schon bestritten, damals noch als Talent in Reihen des 1. FC Köln. Eine Klasse tiefer hat er sich bewiesen. Jetzt will er auch im Oberhaus Leistungsträger sein. „Ich habe mich mit dem VfB bewusst für einen Verein entschieden, der die Ambition hat aufzusteigen“, sagt Terodde: „Und wir wollen schnellstmöglich nach oben.“

Überzeuger Luhukay war nach vier Spieltagen weg

Als Tabellenzweiter ist er auf Kurs – mittlerweile. Früher in der Saison ging es turbulent zu. Trainer Jos Luhukay beklagte, dass die nach dem Abstieg neu formierte Mannschaft zu unerfahren sei und geriet so mit Sportvorstand Jan Schindelmeiser aneinander. Letztendlich verließ der Coach bereits nach vier Spieltagen den VfB – plötzlich war der Mann weg, der Terodde wenige Wochen vorher überzeugt hatte, nach Stuttgart zu wechseln.

Mit Hannes Wolf (35) kam konsequenterweise einer, der nachgewiesen hat, mit jungen Spielern erfolgreich zu arbeiten. In den drei Spielzeiten zuvor holte Wolf mit der U17 und dann auch der U19 des BVB jeweils die deutsche Junioren-Meisterschaft. In Stuttgart angekommen, zerstreute er schnell die Zweifel, ob sich sein Konzept auch reibungslos in den Profibereich übertragen lassen würde. „Seine Vorstellungen passen voll zur Mannschaft“, lobt Terodde: „Wir spielen aktiv, wollen den Ball schnell nach vorne tragen. Davon profitiere auch ich in der Spitze.“

Für seine Vision vom „emotionalen Fußball“ setzt Wolf neben erfahrenen Kräften wie Terodde, Kevin Großkreutz (28) oder Christian Gentner (31) auch auf Talente wie Berkay Özcan (18), Timo Baumgartl (20) oder Carlos Mané (22). „Man merkt, dass er aus jedem Spieler alles herauskitzeln will“, sagt Terodde: „Dafür lässt er sich im Training eine Menge einfallen. Und er versucht, uns für jedes Spiel einen neuen Plan mit an die Hand zu geben.“

Terodde hat gegen Union noch nicht gewinnen können

Das erinnert an Jürgen Klopp. Schließlich war es der Liverpool-Coach, der Wolf vor gut sieben Jahren zum BVB lotste. Und er war seither sein Mentor. „Ohne ihn würde ich hier nicht sitzen“, erklärte Wolf offen. Wie gut sein Tun ankommt, zeigt der Zuspruch der Fans. Über 49.500 Zuschauer kamen bislang im Schnitt zu den Heimspielen – Zweitliga-Rekord!

Nun liegt es ausgerechnet an Union, den euphorisierten Stuttgartern einen Dämpfer zu verpassen. „Wir werden uns sicher nicht verstecken“, kündigt Terodde an: „Ich sehe Union als einen der Favoriten für den Aufstieg. Gerade daher wäre es gut, wenn wir den Punkteabstand vergrößern könnten.“

Eine Statistik immerhin macht den Berlinern Mut: Seit seinem Abgang von Union hat Terodde in vier Versuchen noch keinen Sieg gegen seinen alten Arbeitgeber einfahren können.