Union in Dortmund

Ein Betriebsausflug im ganz großen Stil

Rund 12.000 Union-Fans reisen zum Pokal-Duell nach Dortmund. Der Verein schließt für zwei Tage, damit die Mitarbeiter dabei sein können.

Der 1. FC Union hat Überraschungspotenzial

Der 1. FC Union hat Überraschungspotenzial

Foto: Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa

Berlin.  Union macht dicht. Und zwar komplett. Für einen Betriebsausflug der besonderen Art. Mittwoch und Donnerstag bleiben Geschäftsstelle und Stadion geschlossen, weil so ziemlich alle, die für den Berliner Zweitligisten arbeiten, nach Dortmund reisen. Um dort den teuersten Angestellten des Klubs, den Fußballprofis, bei der Verrichtung ihrer Aufgaben zuzuschauen.

Diese ungewöhnliche Maßnahme beschreibt eigentlich am besten, was da am Mittwoch in Dortmund los ist. Für die zweite Runde des DFB-Pokals wurde den Köpenickern ein Spiel bei Borussia Dortmund zugelost (20.45 Uhr, Sky), bei der zweihöchsten Instanz im deutschen Klubfußball. „Mir kommt es so vor, als ob alle Union-Fans aus Berlin nach Dortmund fahren“, sagt Verteidiger Christopher Trimmel.

Endlich Pokal im Großformat

Drei Sonderzüge machen sich auf den Weg. Der Klub bot seiner gesamten Mitarbeiterschaft an, zum Spiel zu reisen. Gut 12.000 Berliner Fans werden nun im Dortmunder Stadion erwartet, in dem 80.000 Zuschauer die Partie verfolgen werden. Pokal im Großformat also.

Das kennen sie bei den Köpenickern so gut wie gar nicht. FC Viktoria Köln 04, 1. FC Heidenheim, Offenbacher Kickers, Rot-Weiss Essen, Hallescher FC lautet eine kleine Auswahl der jüngsten Endstationen im Pokal, vorzugsweise in Runde eins. Alles triste Geschichten. Fast wäre wieder eine hinzugekommen, nach Verlängerung erst setzte sich der 1. FC Union diesmal in der ersten Runde beim Drittligisten MSV Duisburg mit 2:1 durch.

Triste Geschichten in der Vergangenheit

Wenn die Bundesliga zu Gast war in Köpenick, dann meist in Gestalt unspektakulärer Vereine wie Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt. Aber das ist auch schon wieder eine ganze Weile her. Einzig die Pokalsaison 2000/01, die war ein echter Höhepunkt, mit dem Finaleinzug als Drittligist, der Niederlage gegen Schalke im Olympiastadion, den anschließenden Auftritten im Uefa-Pokal.

Nun fahren sie alle nach Dortmund, und auch wer kein Spieler ist, der trägt überwiegend Einheitskleidung. Tausende Schals, Regenjacken und Wimpel wurden mit einem Slogan bedruckt. „Keine Wand ist unbezwingbar“ steht da drauf und nimmt Bezug auf die riesige Südtribüne mit den Borussia-Fans. Alle sind irgendwie total aufgeregt. Außer Trainer Jens Keller vielleicht.

Trainer nicht ganz glücklich

Der findet Dortmund als Gegner nur halb so gut wie die meisten anderen. „In der zweiten Runde, da bin ich ganz ehrlich, hätte ich mir ein Los gewünscht, dass wir sportlich eher hätten stemmen können. Das Spiel ist nicht auf Augenhöhe“, sagt Keller. Aber er nimmt es, wie es ist. Und na klar, der Pokal hat ja seine eigenen Gesetze. „Da ist alles möglich. Genauso fahren wir dorthin. Wir werden versuchen, das Unmögliche möglich zu machen“, bemüht Keller die „üblichen Floskeln“, wie der 45-Jährige selbst sagt.

Vielleicht ist es gar nicht so unmöglich, in Dortmund etwas zu holen. Borussia schwächelt gerade ein wenig in der Bundesliga mit zuletzt zwei Unentschieden und einer Niederlage, hat viele Verletzte. „Was heißt schwächeln? Sie sind immer noch auf Schlagdistanz zum oberen Bereich. Der Kader ist sehr breit und hochwertig besetzt“, so Keller.

Den Lauf nutzen

Er weiß, wie man in Dortmund eine gute Figur macht. Als Trainer von Schalke spielte er viermal dort, gewann zwei Partien, spielte einmal Unentschieden und verlor nur einmal. Außerdem reisen die Berliner in bester Verfassung an. Mit dem Sieg in Aue am Sonntag (3:1) schob sich Union auf Platz zwei der Zweiten Liga. Keller hat die Mannschaft vorangebracht, sie gerüstet für den Kampf um den Aufstieg. „Wir müssen unsere Euphorie, den Lauf, den wir haben, einbringen, körperlich und robust spielen“, sagt Keller.

Union hat Überraschungspotenzial, definitiv. „Dort zu gewinnen, wäre ein Traum“, sagt Abwehrspieler Trimmel. Einer der Wenigen, die bei Union am Mittwoch arbeiten müssen.

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