Union in Aue

Schnelles Rendezvous mit der eisernen Liebe

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Marcel Stein
Daniel Haas feierte einen gelungenen Einstand

Daniel Haas feierte einen gelungenen Einstand

Foto: imago sport / imago/Eibner

Daniel Haas steht seit Kurzem in Aue im Tor und erlebt seine Heimpremiere dort ausgerechnet gegen seinen alten Klub, den 1.FC Union.

Berlin.  Daniel Haas sitzt derzeit viel im Auto. Freitagfrüh erst fuhr er von Berlin nach Aue. Also genau gesagt, machte er sich von Großbeeren aus auf den Weg. Dort wohnt der Fußball-Profi, in seiner Zeit beim 1. FC Union wurde die Gemeinde südlich der Hauptstadt sein Zuhause. Inzwischen arbeitet der Torhüter allerdings beim FC Erzgebirge und fährt dadurch viel zwischen beiden Orten hin und her. Haas ist also ein Pendler geworden.

Kein Problem, Aue liegt noch günstig. „Jeden Tag möchte man die Strecke nicht fahren, aber über den freien Tag geht das“, sagt der 33-Jährige. Wäre etwa Sandhausen sein neuer Klub geworden, hätte das mehr logistischen Aufwand verlangt. Froh gewesen wäre er aber auch über einem Vertrag dort. Haas musste lange warten. Erst vor gut zwei Wochen verpflichtete Aue den Keeper. Vergangenes Wochenende folgte der Einstand, gleich mit einem Sieg bei St. Pauli (2:1). Nun kommt die Heimpremiere im Erzgebirgsstadion. Die Dramaturgie hätte nicht besser sein können, denn Union ist der Gegner im Zweitliga-Ostklassiker (13.30 Uhr).

Ausfall des Stammtorhüters als Chance

„Den Spielplan kann ich nicht beeinflussen. Dass Union mein Heimdebüt ist, ist einerseits schön, andererseits eine Riesenaufgabe für uns“, erzählt Haas. Mit dem Erfolg in Hamburg fühlen sich die Auer aber gut gerüstet für die Partie gegen die Köpenicker, die als Fünfter in den Spieltag gestartet sind. Aue sortierte sich auf Platz 13 ein.

Auch deshalb, weil Stammtorhüter Martin Männel am sechsten Spieltag wegen einer Ellenbogenverletzung ausgewechselt werden musste. Mit dem jungen Nachwuchskeeper folgten sieben Gegentore und zwei Niederlagen. Weil Männel lange ausfällt, holte Aue in der Länderspielpause daher Haas. Wegen seiner Erfahrung, 115 Zweitligaspiele absolvierte er in vier Jahren bei Union, stand für Hoffenheim in der Bundesliga im Tor. Bei St. Pauli zahlte sich die Investition sofort aus.

Langes Warten auf ein Angebot

Im Sommer endete der Vertrag bei den Berlinern, seinen Stammplatz hatte Haas schon im Winter an Jakob Busk (23) verloren. „Der Verein hatte sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Das war ein offenes und sachliches Gespräch. Die Trennung verlief ohne Groll“, so Haas. Er war davon ausgegangen, bald ein anderes Engagement zu finden, nicht mal unbedingt als Nummer eins. Doch alles zog sich. Haas: „Am Anfang macht man sich relativ große Hoffnung, dass schnell etwas passiert. Wenn die Vorbereitung läuft, sagt man sich, es kann ja immer noch etwas passieren. Dann war plötzlich der Saisonstart da, und ich hatte immer noch nichts. Das ist eine blöde und unbefriedigende Situation.“

Immerhin hatte er Zeit für die Familie, Tochter Lena wurde gerade eingeschult. Trotzdem kam er sich auch „ein bisschen nutzlos vor“. Wenigstens konnte er sich sehr gut in Form halten. Bei Herthas zweiter Mannschaft, ausgerechnet da. Anfangs beschäftigte ihn diese Frage auch. Doch es war eben eine ideale Möglichkeit. „Im Rahmen des Mannschaftstrainings war ich komplett eingebunden. Das war sicher auch ausschlaggebend für Aue“, so Haas. Er konnte sofort eingreifen, ohne groß Trainingsrückstand zu haben.

Freude für Union

Sein Vertrag läuft bis Saisonende. Wie es für ihn weitergeht, hängt sicher auch vom Erfolg ab, der in Aue durch den Klassenerhalt definiert wird. Union dagegen orientiert sich nach oben. „Union hat einen positiven Trend, kommt mit breiter Brust und wird auf Sieg spielen“, sagt Haas, dem gefällt, wie sein alter Klub sich positioniert hat. „Es freut mich für den Verein. Gerade für Leute wie Collin, die vergangene Saison nicht so gezeigt haben, was sie können“, so der Torhüter, der Union-Stürmer Quaner und dessen sieben Tore in sieben Spielen anspricht. Am Sonntag in Aue soll aber keines hinzukommen, wenn es nach Haas geht.