Zweite Liga

Union hat im Angriff die Qual der Wahl

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Marcel Stein
Glückwunsch von Trainer Jens Keller: Collin Quaner (Mitte) spielt eine Saison, wie es beim 1. FC Union kaum jemand erwartet hätte

Glückwunsch von Trainer Jens Keller: Collin Quaner (Mitte) spielt eine Saison, wie es beim 1. FC Union kaum jemand erwartet hätte

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Collin Quaner und Philipp Hosiner streiten sich bei Union um den Platz im Sturmzentrum. Doch zusammen sind sie offenbar auch eine Option.

Berlin.  Sein Lachen bekam er am Sonntagnachmittag überhaupt nicht mehr aus dem Gesicht. Mit breitem Dauergrinsen absolvierte Collin Quaner einen Medienmarathon, der fast länger dauerte als sein Einsatz auf dem Feld. Weil der Stürmer des 1. FC Union seine wenigen Spielminuten aber äußerst effizient gestaltete, wollte jeder ein paar Worte von ihm. Geduldig lief Quaner von Kamera zu Kamera, von Aufnahmegerät zu Aufnahmegerät. Wäre er nicht von einem Mitarbeiter des 1. FC Union in die Kabine geschickt worden, hätte er sicher noch länger erzählt.

Führungstor selbst erzielt, Siegtreffer vorbereitet

Gar nicht mal von seinen Heldentaten. Eingewechselt in Minute 73, Führungstor erzielt in Minute 75, den Siegtreffer in Minute 79 aufgelegt – und das nach zwei Spielen Verletzungspause. Stoff genug für ein Epos auf die eigenen Künste. Doch das lieferte Quaner nicht. „Es ist ein super Gefühl. Aber bei uns steht immer die Mannschaft im Vordergrund. Es läuft sehr gut bei uns“, sagte der 25-Jährige.

So gut, dass auch Gegner wie Hannover 96 geschlagen werden, immerhin langjähriger Fußball-Bundesligist und nun als Absteiger in der Zweiten Liga. Das 2:1 war ein wertvoller Erfolg, die Niedersachsen stellten den bislang gefährlichsten Kontrahenten dar in dieser Saison. „Das ist schon ein Zeichen, gegen den Aufstiegsfavoriten einen Sieg zu holen“, sagt Kapitän Felix Kroos. Punktgleich mit den drittplatzierten Hannoveranern liegen die Köpenicker auf Rang fünf, sie haben sich in der Spitzengruppe festgebissen mit dem Erfolg gegen einen der Großen der Liga.

Kapitän Kroos staunt über den Lauf von Quaner

Das stärkt das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. „Wir hatten aber schon vorher das Gefühl, dass wir mir den Topgegnern mithalten können. Doch es ist wichtig, das zu bestätigen“, so Kroos. Gerade die Heimstärke darf die Ambitionen der Berliner nun weiter befeuern, möglichst lange ein Wort mitzureden im Kampf um den Aufstieg.

Möglich ist das unter anderem durch die Stürmerleistungen, durch Spieler wie Quaner und Philipp Hosiner. „Es ist unglaublich, was er für eine Serie hat. Er hat sich selbst durch die Verletzung nicht rausbringen lassen“, sagt der Kapitän zu Quaner, der im siebten Liga-Einsatz seinen siebten Treffer erzielte. Eigentlich war er nur als Ersatz vorgesehen, Hosiner sollte der neue Topstürmer werden.

Hosiner wird vorübergehend zum Ersatzmann

Doch eine Verletzung des Österreichers bescherte Quaner im zweiten Saisonspiel gegen Dresden einen Startelfplatz, seither überzeugt er mit Toren. Hosiner wurde zum Ersatzmann, bis zu Quaners Verletzung. Hosiner spielte wieder von Beginn an und traf auch. „Von daher möchte ich das nicht entscheiden, wer demnächst da vorn spielt“, sagt Kroos mit Blick auf die Partie in Aue am Sonntag.

Bislang verbrachten beide nur wenige Spielminuten gemeinsam auf dem Platz, weil beide vorrangig im Sturmzentrum agieren. Gegen 96 bereitete Quaner, der für Kenny Redondo auf dem Flügel hereinkam, den Treffer des Österreichers zum 2:0 vor. „Collin hat das Spiel in die richtige Bahn gelenkt mit seinem ersten Torschuss. Wir haben gezeigt, dass es auch zusammen klappt“, sagt Hosiner und wirbt quasi für eine neue Rollenverteilung.

Wiedersehen mit Torwart Haas in Aue

Quaner gibt sich da verhaltener und versetzt sich in die Rolle von Trainer Jens Keller: „Ich würde in die Trainingswoche reingehen und die Leistungen bewerten.“ Spielen will er schon gern. „Ich möchte Daniel Haas einen reinhauen“, sagt Quaner lachend. Der langjährige Union-Torhüter spielt neuerdings in Aue.