Zweite Liga

Union plant ein größeres Stadion

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Michael Färber
Die Stimmung in der Alten Försterei ist groß, das Stadion dürfte bei einem Bundesliga-Aufstieg aber schnell zu klein werden

Die Stimmung in der Alten Försterei ist groß, das Stadion dürfte bei einem Bundesliga-Aufstieg aber schnell zu klein werden

Foto: imago/Robert Michael

Für Union würde sich bei einem Aufstieg in die Bundesliga einiges ändern. Die Morgenpost erklärt, was den Zweitligisten erwartet.

Berlin.  Rang zwei hat der 1. FC Union zunächst einmal wieder verloren. Auch die Serie des Berliner Fußball-Zweitligisten fand nach vier Erfolgen beim 1. FC Nürnberg am Freitagabend ein Ende. Es war Union-Trainer Jens Keller, der das 0:2 treffend einordnete: „Dass wir nach vier Siegen wieder mal ein Spiel verloren haben, ist kein Weltuntergang.“

Doch trotz der Niederlage bleibt der Klub in Schlagdistanz zur Aufstiegsregion. Findet Union Konzentration und Effektivität der vergangenen Wochen wieder, dann, so Stürmer Philipp Hosiner, „kann es etwas ganz Großes werden diese Saison“.

Die Morgenpost erklärt, was sich für Union bei einem Aufstieg in die Bundesliga alles ändern würde.

Der Etat verdreifacht sich

Nach drei Spielzeiten mit nahezu gleichbleibendem Etat von 26,3 bis 26,7 Millionen Euro planen die Köpenicker für die aktuelle Spielzeit mit rund 30 Millionen Euro. Eine Aufstockung, die jedoch nichts ist im Vergleich zu der Steigerung, die Union in der Bundesliga erfahren würde.

So dürfte sich der Etat auf 90 Millionen Euro verdreifachen. Eine durchaus schwindelerregende Höhe angesichts der Summe, mit der Union noch 2009 bei der Rückkehr in die Zweite Liga angetreten ist (12,2 Millionen Euro).

Das Fernsehgeld steigt auf 40 Millionen Euro

Durch einen Aufstieg würde Union im größten Einnahmepunkt der Etatplanungen doppelt profitieren. Zum einen fließt bei einem Bundesligisten ohnehin mehr aus dem TV-Geldtopf in die Klubkasse, zum anderen greift ab der Saison 2017/18 erstmals der neue TV-Vertrag. Dieser garantiert den 36 Erst- und Zweitligisten bis 2021 insgesamt eine Einnahme von fast 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. 2016/17 werden insgesamt 673 Millionen Euro ausgeschüttet.

Allein beim bestehenden Verteilungsschlüssel (80 Prozent für die Bundesliga, 20 Prozent für die Zweite Liga) würden für Union 35 bis 40 Millionen Euro herausspringen. Diese Summe könnte sich sogar noch einmal erhöhen, sollten die Zweitligisten nicht mehr 20 Prozent der Gesamtsumme (ab 2017 also 240 Millionen), sondern nur noch festgeschriebene 140 Millionen Euro erhalten. Derzeit nimmt Union als Zweitligist rund 8,5 Millionen Euro an Fernsehgeldern ein.

Mehr Einnahmen durch Sponsoren

Mit der Layenberger Nutrition Group hat Union seit Sommer einen neuen Hauptsponsor, durch den der Klub rund 800.000 Euro pro Jahr einnimmt. Der Vertrag mit dem Hersteller funktioneller Nahrungsmittel läuft bis 2019. Zusammen mit zehn Top-Sponsoren, 23 Premium-Sponsoren und zahlreichen weiteren Geldgebern (insgesamt mehr als 300) kommen neun Millionen Euro zusammen.

Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Betrag auf zwölf Millionen Euro erhöht. Zumal die Marke Union in Liga eins auch für weitere Sponsoren interessant werden dürfte.

In der aktuellen Fußballstudie der Technischen Universität Braunschweig nimmt Union im Sympathieranking bereits Platz sechs ein – Tendenz steigend.

Montags wird nicht mehr gespielt

Der bei Fans ungeliebte Montag wäre bei einem Aufstieg Geschichte. Die im neuen TV-Vertrag geplanten fünf Montagsspiele der Bundesliga sind den Europacupteams als Ausweichtermin vorbehalten.

Dafür muss sich der Anhang auf spätere Anstoßzeiten am Freitag (20.30 statt 18.30 Uhr), Sonnabend (15.30 oder 18.30 statt 13 Uhr) und Sonntag (15.30 oder 18 Uhr statt 13.30 Uhr) einstellen.

Die Ticketpreise erhöhen sich

Wer ein Union-Heimspiel in der Alten Försterei sehen will, muss zwischen 9,50 und 11 Euro (Stehplätze) investieren, Sitzplätze schlagen mit 28 bis 40 Euro zu Buche.

Bei einer denkbaren Preiserhöhung von durchschnittlich drei Euro pro Karte und in der Bundesliga sicher stets ausverkauften 20.500 Plätzen (ohne Vip-Bereich) kann sich Union auf eine weitere Million Euro an Mehreinnahme freuen. Wobei damit das obere Ende noch nicht erreicht sein muss.

Die Mitgliederzahl wächst weiter an

Seit jeher sind die Mitglieder ein Pfund, mit dem Union wuchern kann. Sei es durch Spendenaktionen für Bankbürgschaften oder durch den Bau von Stadiontribünen. Es ist davon auszugehen, dass ein Aufstieg die Mitgliederzahl von derzeit 13.016 um 1000 erhöhen dürfte, ein Einnahmeplus von 1,2 Millionen Euro inklusive.

Sogar eine Steigerung um gut 2000 Mitglieder ist denkbar und nachvollziehbar. Der Grund dafür ist einfach: Union verkauft seine Tickets für die Heimspiele oder zum Beispiel auch für das Zweitrundenspiel im DFB-Pokal bei Vizemeister Borussia Dortmund (26.10.) zunächst exklusiv an Union-Mitglieder. Erst danach gehen die Tickets in den freien Verkauf – falls noch welche übrig bleiben.

Die Chancen, als Aufsteiger die Bayern, Dortmund, Schalke oder auch das Derby gegen Hertha BSC mitzuerleben, steigen durch eine Mitgliedschaft enorm.

Erweiterung auf 35.000 Plätze ist denkbar

Union-Präsident Dirk Zingler hatte es auf der Mitgliederversammlung im Januar betont: „Wir müssen die, die unser Werteverständnis teilen, hinter uns bringen. Nur wenn wir kommerziell erfolgreich sind, haben wir eine Chance, im Profifußball zu bestehen.“ Soll heißen: Überlegungen für eine Vergrößerung der Alten Försterei sind längst im Gange.

Angesichts der Auslastung von 90 Prozent vergangene Saison (19.733 Zuschauer im Schnitt) auch nachvollziehbar. In den ersten drei Spielen 2016/17 lag die Auslastung bei zwei ausverkauften Partien sogar bei 96 Prozent. Ein nicht ausverkauftes Stadion liegt zumeist am wenig gefüllten Gästeblock.

Nur die Ecken zwischen Haupttribüne und Stehplatztraversen zu schließen, reicht nicht aus, um dem Ansturm gerecht zu werden. Eine Erweiterung auf 35.000 Plätze ist mehr als denkbar. Zinglers Appell an die Mitglieder: „Wir haben nur eine Chance, wenn wir mutig bleiben und uns als Verein öffnen.“ Ein Aufstieg wäre da sicher hilfreich.