Zweite Liga

Union geht auf Rekordjagd

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Michael Färber
Philipp Hosiner schießt ein

Philipp Hosiner schießt ein

Foto: Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa

Die Köpenicker wollen beim 1. FC Nürnberg mit dem fünften Sieg in Folge die Bestmarke von 2002 einstellen und sich oben festsetzen.

Berlin.  SV Babelsberg 03, SSV Reutlingen, Waldhof Mannheim, 1. FC Schweinfurt, 1. FC Saarbrücken – allein beim Blick auf die Gegner wird einem schon bewusst, wie lange der Sieg-Rekord des 1. FC Union tatsächlich her ist. In der Saison 2001/02, der ersten Zweitliga-Saison der Köpenicker überhaupt, feierte die Mannschaft von Trainer Georgi Wassilew fünf Erfolge am Stück.

Das Gegner-Quintett aus dem Februar und März 2002 ist inzwischen längst in den Niederungen der Regional- und Oberligen verschwunden. Für Union hingegen bietet sich am Freitag beim 1. FC Nürnberg (18.30 Uhr, Sky) die große Chance, diesen Uralt-Rekord endlich einzustellen. „Natürlich möchte ich den Rekord“, sagte Trainer Jens Keller. Dem heutigen Union-Coach jedoch Geltungssucht in irgendeiner Form zu unterstellen, verbietet sich. Seit seinem Amtsantritt Ende Juni dieses Jahres ist der 45-Jährige nicht müde geworden, vor allem den sportlich negativen Erinnerungen aus der Klub-Historie entgegenzuwirken. „Hier wird immer viel in die Vergangenheit geschaut, habe ich den Eindruck“, sagte Keller, „aber wir reden vom Hier und Jetzt. Uns wurde eingeredet, wir scheiden wieder in der ersten DFB-Pokalrunde aus. Das haben wir widerlegt, ebenso wie den schlechten Saisonstart.“

Keine Gedanken an das Debakel aus der Vorsaison

Deshalb werde, so der Trainer, auch das 2:6 der Köpenicker in Nürnberg aus der vergangenen Rückrunde keine Rolle mehr spielen. Ende April hatte Union alle sechs Gegentreffer nach der Pause kassiert. Nein, Unions Trainer will den Rekord, „weil es mir um die Punkte für die Mannschaft geht und nicht, ob ich jetzt einen Trainer einhole oder nicht“. Dass die Köpenicker damit womöglich auf Aufstiegsplatz zwei in die zweiwöchige Länderspielpause gehen können, wäre ein netter Nebeneffekt.

Die Aufmerksamkeit, die Union spätestens nach dem überzeugenden Auftritt am Montagabend gegen den FC St. Pauli (2:0) genießt, hat sich in jedem Fall gesteigert. Die Nürnberger haben die Partie intensiv am Fernseher verfolgt. Mit der Erkenntnis: „Union ist eine gute Mannschaft, die ein sehr gutes Pressing spielt“, wie Mittelfeldspieler Kevin Möhwald feststellte. Den Gegner, wie zuletzt St. Pauli, zu Fehlern zwingen, „das ist das, was wir möchten“, machte Keller noch einmal deutlich.

Hosiner voller Tatendrang nach Rückkehr

Fakt ist: Union wird in diesen Wochen immer mehr vom Jäger zum Gejagten. Da ist es wichtig, dass die Mannschaft zu keiner Zeit die Erdung verliert, soll der Aufschwung nicht nur ein Strohfeuer bleiben. Trainer Keller jedenfalls ist mehr als zuversichtlich, dass die Seinen weiter fokussiert sein werden: „Klar wird das Selbstbewusstsein mit jedem Sieg größer. Doch die Mannschaft weiß genau, wo sie steht. Ebenso, wie sie die drei ersten Spiele nicht so negativ gesehen hat, ist jetzt von Überheblichkeit nichts zu sehen. Nach sieben Spieltagen ist noch keiner auf- oder abgestiegen. Und mit Reden und großen Sprüchen geht das schon gar nicht, sondern nur mit Arbeit.“

So macht sich in diesen Tagen an der Alten Försterei eine Art bodenständige Euphorie breit. Oder wie es Stürmer Philipp Hosiner umschrieb: „Wir werden jetzt sicherlich nicht größenwahnsinnig werden. Aber wir werden auch in Nürnberg wieder auf Sieg spielen.“ Der Österreicher steckt nach seinem Comeback gegen St. Pauli inklusive Tor voller Tatendrang, zumal er sich seines Platzes in der Startformation durch den Ausfall von Zweitliga-Top-Torjäger Collin Quaner (sechs Treffer) sicher sein kann. Quaner wird wegen seiner muskulären Probleme höchstwahrscheinlich auch in den Union-Testspielen in der Länderspielpause beim Berliner AK (4. Oktober, 16.45 Uhr, Poststadion) und gegen den FC Luzern (6. Oktober, 18.30 Uhr, Alte Försterei) nicht zur Verfügung stehen.