Union gegen St. Pauli

Ein September wie noch nie in Köpenick

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Michael Färber
Union in Feierlaune

Union in Feierlaune

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Union gewinnt gegen St. Pauli mit 2:0. Es ist der vierte Sieg in Folge für die Berliner, die auf Platz zwei geklettert sind.

Berlin.  Aus dem Fanblock des 1. FC Union dröhnte schon kurz vor Ende der ersten Halbzeit ein Gesang, den man in den vergangenen Jahren nicht allzu oft gehört hatte: „Keiner wird es wagen, unseren FCU zu schlagen.“ Mit Blick auf die englische Woche, die für den Berliner Fußball-Zweitligisten am Montagabend gegen den FC St. Pauli zu Ende ging, ist das ohne Zweifel richtig. Und knüpfen die Köpenicker an die Leistung beim 2:0 (2:0) gegen die Hamburger an, dann wird es auch für die übrige Konkurrenz schwer werden, Union vom zweiten Platz zu verdrängen.

Es war ein September, den es so in der Historie der Berliner noch nicht gegeben hat. Siege bei 1860 München (2:1), in Würzburg (1:0), der Erfolg in der ausverkauften Alten Försterei gegen St. Pauli und dazu das 4:0 gegen Karlsruhe, mit dem die Siegesserie begann – Union ist die Mannschaft der Stunde im Bundesliga-Unterhaus.

„Nicht nur die Konzentration ist wichtig, auch die Physis. In München haben wir 40 Minuten in Unterzahl gespielt, in Würzburg sind wir über 120 Kilometer gelaufen. Da ist es schon wichtig, dass wir es schaffen, die Mannschaft wieder spritzig auf den Platz zu bringen“, wusste Jens Keller, was in den Tagen vor Unions 25. Montagsspiel zu tun war. Und die Mannschaft zeigte, dass der Trainer offenbar das Richtige getan hatte. Denn die Gastgeber präsentierten sich vor 22.012 gegen St. Pauli spritzig und hellwach. Dass ihnen dabei der Spielplan, der zwischen den drei Partien der englischen Woche jeweils fünf Tage Pause bereithielt, ein wenig in die Karten gespielt hat, mag dazu beigetragen haben. Die vorangegangenen Siege haben es in jedem Fall.

Torjäger Quaner muss passen, Hosiner springt sofort ein

Selbst die Hiobsbotschaft vor dem Anpfiff steckte das Team locker weg: Collin Quaner, mit sechs Toren Führender in der Zweitliga-Torschützenliste, musste wegen muskulärer Probleme passen. Philipp Hosiner ersetzte Quaner, und der Österreicher untermauerte sofort eine These Kellers: Wenn Spieler ersetzt werden müssen, gibt es keinen Qualitätsabfall.

Zwölf Minuten waren gespielt, da zeigte Hosiner, warum Union ihn geholt hat. Nachdem Kenny Prince Redondo den Ball eigentlich schon verloren hatte, landete das Spielgerät doch noch vor den Füßen Hosiners. Der Torjäger machte einige schnelle Schritte und zog humorlos zum 1:0 ab. „Ich freue mich, dass ich dazu beitragen konnte, drei Punkte zu holen“, sagte Hosiner. St. Pauli wirkte in vielen Situationen zu behäbig und ließ zu selten spielerische Qualität aufblitzen.

Auch am zweiten Treffer war Hosiner maßgeblich beteiligt. Es schien, als wollte der Österreicher in nur einer Halbzeit all das wieder aufholen, was er durch seine Verletzung nach dem Saisonauftakt in Bochum (1:2) verpasst hatte. Nach einem herrlichen Steilpass von Kapitän Felix Kroos stürmte Hosiner auf das Tor von Gäste-Keeper Marvin Himmelmann. Einen Haken nach links, Gegenspieler Lasse Sobiech war verladen. Doch Hosiner wollte es nun besonders gut machen – mit dem zweiten Haken nach rechts blieb er an Sobiech hängen. Doch Redondo setzte nach, erkämpfte sich den Ball und vollendete zum 2:0 (42.).

Der Klubrekord aus der Saison 2001/02 winkt

Nur kurz nach dem Seitenwechsel hätte Hosiner sogar alles klar machen können. Wieder strebte er auf das Pauli-Tor zu – sein Schuss jedoch war vielleicht etwas zu überhastet (50.). Nach 67 Minuten war die Partie für Hosiner beendet, Simon Hedlund kam für ihn. Der Schwede sei zwar nach seiner Eingewöhnungsphase auch schon bereit für die Startelf, doch Trainer Keller hatte den schnellen Flügelspieler wie in Würzburg auserkoren, um von der Bank noch Impulse setzen zu können.

Selbst als St. Pauli in der Schlussphase sich endlich mutiger nach vorn wagte, wurde es kaum gefährlich vor dem Tor von Jakob Busk. In der 78. Minute musste Innenverteidiger Fabian Schönheim einmal retten – das war’s.

Am Freitag geht es für das Team nach Nürnberg. Dann kann Union den September krönen. Und den Klubrekord einstellen. Fünf Siege am Stück gab es zuletzt in der Saison 2001/02.