Zweite Liga

Quaner erhöht den Druck bei Union

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Michael Färber
Union-Stürmer Collin Quaner liegt mit sechs Toren an der Spitze der Zweitliga-Torjägerliste

Union-Stürmer Collin Quaner liegt mit sechs Toren an der Spitze der Zweitliga-Torjägerliste

Foto: Daniel Karmann / dpa

Die Tore von Stürmer Collin Quaner hinterlassen nicht nur bei den Gegnern des Zweitligisten ihre Spuren, sondern auch im eigenen Team.

Berlin.  Die Lobeshymnen wollten kaum ein Ende nehmen. „Collin wird mir langsam unheimlich“, sagte Toni Leistner, Abwehrchef des 1. FC Union. Jens Keller, der Trainer des Fußball-Zweitligisten, kommentierte den Auftritt von Collin Quaner beim 1:0 in Würzburg ein wenig analytischer, jedoch nicht weniger anerkennend: „Collin hat einen Riesenlauf. Das Tor hätte er vor einen halben Jahr oder zwei Monaten nicht gemacht. Er war nicht so im Spiel. Aber er hat seinen Körper eingebracht und ist weite Wege gegangen. Wir sind einfach froh, dass er auch so ein Spiel entscheidet.“

Er ist tatsächlich ein Phänomen, dieser Collin Quaner (25). Nach einer Saison, in der er praktisch nicht stattfand bei Union, war er im Sommer auserkoren, die gleiche Rolle einzunehmen. Philipp Hosiner sollte die Lücke des zum Hamburger SV abgewanderten Rekordtorschützen Bobby Wood (17 Treffer) füllen.

Vom Österreicher ist derzeit keine Rede, dafür umso mehr von Quaner. „Es ist fast immer einfacher, wenn von einem nicht viel erwartet wird. Ich hatte nichts zu verlieren gehabt. Manchmal gibt es nur den Weg nach vorn“, sagt Quaner. Und: „Man weiß oft nicht, wozu man fähig ist.“

Quaner trifft, als er eigentlich ausgewechselt werden sollte

Hosiners Fähigkeiten, mit der Situation klarzukommen, werden derzeit auf eine harte Probe gestellt. „Zu Saisonbeginn hätte doch keiner gedacht, dass es so kommt“, sagt der Angreifer. Den Muskelfaserriss, der ihn nach dem Auftakt in Bochum (1:2) außer Gefecht gesetzt hat, „habe ich schon oft verflucht“. Zum einen freut sich der 27-Jährige, dass sich die Mannschaft auf den dritten Tabellenplatz vorgearbeitet hat. Zum anderen schmerzt jeder Treffer seines Kontrahenten, bringt er ihn doch wieder ein Stückchen weiter von der Startelf weg.

In Würzburg traf es ihn ganz hart. Gerade als Trainer Keller ihn erneut als frischen Mann für die letzten Minuten für Quaner bringen wollte, erzielte dieser sein sechstes Saisontor. Hosiner durfte sich wieder setzen, Defensivmann Michael Parensen sollte den Sieg in der Schlussphase sichern. Die Einwechslung wäre auch kaum mehr gewesen als eine kleine Geste.

„Ich brauche keine Gesten“, sagt Hosiner fast schon trotzig: „Ich will nach meinen Trainingsleistungen bewertet werden.“ Sätze, die belegen, wie sehr ihn die Situation nervt, in die er unglücklicherweise geraten ist. „So ist der Fußball. Aber Collin macht seine Sache auch gut. Und ich war auch schon in dieser Situation, dass andere dann zuschauen mussten“, erzählt Hosiner.

Hosiner sieht seine Zeit noch kommen

Eben diese Rolle hatte Quaner vergangenen Saison hinnehmen müssen. „Gedanken, im Sommer zu wechseln, hatte ich aber nicht“, sagt der gebürtige Düsseldorfer. Spätestens am Saisonende, wenn sein Vertrag bei Union ausläuft, wird dieses Thema aber wieder hochkochen. Erst recht, wenn Quaners Treffsicherheit anhält. „Darüber mache ich mir derzeit aber keine Gedanken“, sagt Quaner, der von der Lebensqualität im Süden Deutschlands schwärmt, aber auch ein Faible für die Hauptstadt hat: „Berlin ist schon eine Sache für sich.“

Und Hosiner? Er setzt auf den Faktor Zeit. „Ich habe bei Union einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Meine Zeit kommt noch“, sagt der Österreicher in der Hoffnung, dass es noch engere Spiele geben wird, am besten ohne Quaner-Tor.

Die Partie in Würzburg war schon verdammt eng. Getroffen hat jedoch – Quaner. „Und nicht treffen“, so der Führende der Torjägerliste, „ist keine Option.“ Als wollte Quaner seinen Schnitt von einem Tor pro Spiel halten. Klingt schon irgendwie unheimlich.