WM-Qualifikation

Unions Zejnullahu lässt eine ganze Nation hoffen

Der Berliner Eroll Zejnullahu startet mit dem Kosovo in die erste WM-Qualifikation. Ein Riesenschritt zur weltweiten Anerkennung.

Unions Mittelfeldspieler Eroll Zejnullahu (l.) steht mit dem Kosovo vor dem ersten Pflichtspiel seienr Geschichte

Unions Mittelfeldspieler Eroll Zejnullahu (l.) steht mit dem Kosovo vor dem ersten Pflichtspiel seienr Geschichte

Foto: Fotostand / Bansemer / picture alliance / Fotostand

Berlin.  Die Einsätze in der Nationalmannschaft hat er schon immer als etwas Besonderes angesehen. Am Montagabend jedoch, da ist sich Eroll Zejnullahu sicher, erwartet ihn „etwas Großes“. Und der Mittelfeldspieler des 1. FC Union ist mittendrin, wenn sich in Turku im Rahmen der Qualifikation für die Fußball-WM 2018 in Russland etwas wahrhaft Historisches ereignen wird: das erste Pflichtspiel des Kosovo, im Veritas-Stadion gegen Finnland.

Vorbei sind die Zeiten, da jene Republik, eingerahmt von Albanien, Mazedonien, Serbien und Montenegro, zwar mit Erlaubnis des Weltverbandes Fifa, de facto jedoch nur unter der Hand in Freundschaftsspielen auf sich aufmerksam machen konnte.

So wird Zejnullahus Vater, ähnlich wie beim Debüt des Sohnes vor zwei Jahren, sicher wieder eine Träne verdrücken, voller Stolz, dass Eroll für das Land seiner Vorfahren antritt. Und damit zu jenen Hoffnungsträgern zählt auf dem Weg zu weltweitem Ansehen – bislang erkennen nur 109 der 193 UN-Mitglieder das Land an – sowie für eine bessere Zukunft.

Nachbar Serbien als größter Gegner

Im jüngsten Staat Europas – die Republik Kosovo ist seit 2008 unabhängig – hat nicht einmal jeder Zweite Arbeit, die Löhne sind kaum höher als 360 Euro im Monat, eine florierende Industrie ist nicht in Sicht. Der Streit mit Serbien überstrahlt alles.

Dass es vor allem der große Nachbar gewesen ist, der im Mai mit Blick auf angeblich drohenden „Aufruhr in der Region“ (Fußballverbandschef Tomislav Karadzic) gegen die Aufnahme des Kosovo als 55. Uefa-Mitglied stimmte, überrascht nicht. WM-Gastgeber Russland, Serbiens Verbündeter, sieht ein unabhängiges Kosovo sogar als „illegal“ (Präsident Wladimir Putin) an.

Die Fifa folgte aber dem Beispiel der Uefa und nahm den Balkanstaat im Juni als 211. Mitglied auf. Der Weg für Spiele in der WM-Qualifikation war frei, wenn auch mit politisch bedingten Einschränkungen. Bei der Zuteilung durch die Uefa in die Gruppe I mit Finnland, Kroatien, Island, der Ukraine und der Türkei wurde zudem entschieden, dass es aus Sicherheitsgründen im Play-off keine Duelle mit Serbien oder Bosnien und Herzegowina geben darf. Dafür müsste der Kosovo jedoch Gruppenzweiter werden.

Zwei Ex-Berliner stehen im Kader

„Wenn ein Team schwächelt, wollen wir da sein und das ausnutzen“, gibt sich Nationaltrainer Albert Bunjaku durchaus forsch. Das Team, dem auch Ex-Herthaner Fanol Perdedaj (1860 München) und Ex-Unioner Valmir Sulejmani (Hannover) angehören, befindet sich noch im Aufbau. So buhlen Verbandsverantwortliche fieberhaft um Spieler, die auch für andere Nationen auflaufen könnten.

Österreichs Talent Sinan Bytyqi (21, Manchester City) ist dem Werben bereits erlegen. Auch die Schweiz, die offenbar zu den 24-Uefa-Verbänden zählte, welche gegen eine Aufnahme des Kosovo stimmten, musste Alban Pnishi (25, Grasshoppers Zürich), Benjamin Kololli (24, FC Lausanne-Sport), Hekuran Kryeziu (23, FC Luzern) oder Albert Bunjaku (32, FC St. Gallen), der bei der WM 2010 für die Eidgenossen spielte, ziehen lassen.

Bunjaku, Namensvetter des kosovarischen Coaches, war beim ersten offiziellen Länderspiel gegen die Färöer (2:0) auch der erste Torschütze der Republik. „Mich freut total, dass wir da jetzt mitspielen dürfen“, sagte Zejnullahu zu den anstehenden Pflichtaufgaben. Sie sind ja auch etwas ganz Besonderes.