Saisonstart

Union freut sich auf den Anpfiff

Dank zweier Schwergewichte, der Rückkehr des Fußball-Ostens und eines Weltmeisters ist die Zweite Liga so interessant wie nie zuvor.

Unions Trainer Jens Keller freut sich, dass es endlich losgeht

Unions Trainer Jens Keller freut sich, dass es endlich losgeht

Foto: Sport Moments/Gora / picture alliance / Sport Moments

Berlin.  Der Anpfiff lauert überall. Naja, fast überall. In Braunschweig zum Beispiel, oder in Bochum, wo der 1. FC Union am Sonnabend spielen wird. Oder schon am Freitagabend, wenn der 1. FC Kaiserslautern gegen Hannover um 20.30 Uhr (Sky) die 43. Saison in der Zweiten Liga eröffnen wird, 25 Tage nach der Europameisterschaft in Frankreich und im Schatten der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

Schon oft wurde von der spielerisch besten oder traditionsreichsten Zweiten Liga der Welt gesprochen. Die Saison 2016/17 scheint eine zu werden, die alle Lobeshymnen aus dem Vorfeld erfüllen kann. „Die Liga ist in diesem Jahr so interessant wie nie zuvor“, zeigte Union-Trainer Jens Keller keine geringe Vorfreude. Er selbst trägt dazu bei, dass selbst Fußball-Fans, die dem Bundesliga-Unterhaus bislang nicht sehr zugetan waren, aufhorchen.

Insgesamt 27 Deutsche Meisterschaften, 15 DFB-Pokalsiege, dazu elf Titel und acht Cuperfolge aus DDR-Tagen – Zahlen, die auch einer ersten Liga gut zu Gesicht stehen würden. Und Namen, die ebenso in höheren Gefilden zu Ehren gekommen sind.

Stuttgart kommt mit Weltmeister Großkreutz

Keller natürlich bei Schalke 04, oder der Niederländer Jos Luhukay (Ex-Coach von Hertha BSC und Mönchengladbach), der den VfB Stuttgart gleich wieder in die deutsche Eliteliga führen soll. Der Absteiger kommt sogar mit einem aktuellen Weltmeister (Kevin Großkreutz) daher.

Dazu kommen Profis, die mit Meisterehren und Champions-League-Finalteilnahmen dekoriert sind, wie der Kroate Ivica Olic, den es vom Hamburger SV zu 1860 München zog. Oder der Österreicher Martin Harnik, eben noch EM-Teilnehmer in Frankreich, nun stürmender Hoffnungsträger bei Hannover 96.

Die Niedersachsen gelten ebenso wie der VfB Stuttgart als Schwergewicht in dieser Saison. Allein die Schwaben investierten knapp acht Millionen Euro in neue Spieler, nur München 60 kann und will da dank des jordanischen Investors Hasan Ismaik mithalten: Von den 6,5 Millionen Euro für neue Akteure entfallen allein 5,5 auf den Ex-Frankfurter Stefan Aigner (3,0) sowie den Brasilianer Ribamar (2,5, Botafogo Rio de Janeiro). Hannover investierte immerhin 2,7 Millionen Euro für den direkten Wiederaufstieg (Union: eine Million Euro). „Stuttgart und Hannover gehören von den finanziellen Möglichkeiten her für mich zu den Favoriten“, sagte auch Union-Coach Keller.

Köpenicker wollen Fünfter werden – mindestens

Hinter den Schwergewichten der Liga dürften sich Mannschaften wie Nürnberg, Kaiserslautern, Braunschweig oder St. Pauli einreihen, auch Union will dazugehören. Platz fünf soll es werden, mindestens. Dass den Köpenickern mit Benjamin Kessel (Fußverletzung), Maximilian Thiel (Schulterprellung) und Sören Brandy (Knieprobleme) gleich drei Profis zum Auftakt fehlen werden, stört die Vorfreude auf den Start zwar ein wenig.

Der Zufriedenheit des Trainers über die „gute Vorbereitung“ tat dies jedoch keinen Abbruch: „Die Mannschaft hat enorm gut mitgearbeitet. Jetzt wird es Zeit, dass es losgeht. Deshalb ist man doch Trainer geworden, um sich mit anderen Mannschaften zu messen.“

Dass es gegen Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue wieder zwei traditionelle Ost-Derbys geben wird (den Spielen gegen Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig fehlte der historische Hintergrund), steigert die Freude auf die Saison noch mehr. Zumal beide Aufsteiger mit einer gehörigen Portion Euphorie in die Spielzeit gehen. Dresden, das unter Ex-Union-Coach Uwe Neuhaus die Rückkehr schaffte, stoppte den Dauerkartenverkauf bei 17.000.

Aufsteiger strotzen vor Selbstvertrauen

Entsprechend vollmundig sind die Töne aus Sachsen. „Man sollte sich nicht kleiner reden, als man ist. Wir haben eine grandiose Saison hinter uns. Die Gegner werden sicher Angst haben, wenn sie zu uns kommen“, sagte Stürmer Pascal Testroet.

Auch aus Aue ist Selbstbewusstsein zu spüren. „Wir brauchen uns nicht verstecken“, betonte Coach Pavel Dotchev. Am Ende zählt für die Erzgebirgler aber nur der Klassenerhalt, um den man nicht bis zum letzten Spieltag am 21. Mai 2017 zittern will.

Selbst jene Anhänger, die die Zweite Liga wegen ihrer Provinzialität – bei allem Respekt natürlich – zu schätzen gelernt haben, kommen dank Sandhausen, Heidenheim oder auch Aufsteiger Würzburg noch auf ihre Kosten. Der Anpfiff lautert eben fast überall.