Zweite Liga

Auftakt mit Schrecksekunde in Köpenick

Der 1. FC Union startet vor 3300 Zuschauern in die Vorbereitung auf die neue Saison. Kapitän Benjamin Kessel verletzt sich am Knie.

Der neue Trainer Jens Keller zeigt sich den Fans der Berliner

Der neue Trainer Jens Keller zeigt sich den Fans der Berliner

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Erst um kurz vor fünf war Schluss. Die Spieler, so die Ankündigung, würden sich nun Zeit nehmen für Autogramme, für Fotos und auch für ein paar Worte. Doch so lange dauerte das Nachspiel dann gar nicht, ein Großteil der Fans des 1.FC Union hatte sich ohnehin schon auf den Weg gemacht, um das EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am frühen Abend zu sehen. Und diejenigen, die bis zum Ende ausharrten, hatten es dann auch zumeist ziemlich eilig.

Mit einem so zeitraubenden Trainingsauftakt beim Berliner Zweitligisten dürfte kaum jemand vom Anhang gerechnet haben. Üblicherweise wird ein bisschen im Stadion an der Alten Försterei über den Platz getrabt bei diesem Anlass. Diesmal lief nur die Vorstellung wie gehabt ab, die kurz nach 15 Uhr begann.

Keine Show, sondern volle Einheit

Vor 3300 Zuschauern kam jeder Spieler einzeln aus der Kabine, das übliche „Fußballgott“ erklang bei jedem Namen. Als der neue Trainer Jens Keller den Reigen beendete, kündigte Stadionsprecher Christian Arbeit an, dass Keller kein Showtraining abhalten wolle, sondern eine volle Einheit durchziehen, also 90 Minuten.

Die hatten dann auch gleich einiges zu bieten – inklusive Schrecksekunde. Mit 24 Spielern startete Keller in die Vorbereitung auf die in sechs Wochen beginnende Saison. Nach Dehnübungen und anschließenden ersten Pass- sowie Laufübungen mit Ball folgten kleinere Spielformen. Dabei verletzte sich Kapitän Benjamin Kessel am Knie und musste das Training abbrechen. Am Montag wird er untersucht.

Gleich echter Einsatz

In diesen Spielformen zeigten die Profis bereits rassigen Einsatz. Neulinge wie Christopher Lenz (Mönchengladbach II) und Kristian Pedersen (HB Köge) verdeutlichten ihre Ambitionen. „Ich muss im Training alles geben, um es in die Startelf zu schaffen. Das wird schwer“, sagte der erst am Freitag verpflichtete Däne. Er kämpft unter anderem mit Lenz um die Position des Linksverteidigers.

Die große Kulisse zum Auftakt gefiel dem 21-Jährigen. „Das macht mir keine Angst, so viele Leute beim ersten Training zu sehen. Ich weiß, dass die Unterstützung der Fans hier groß ist“, so Pedersen, der zuletzt zum Kader der dänischen U21 gehörte und auch für einen Einsatz bei Olympia in Frage kommt. „Ich will aber hier bleiben, mich verbessern und hier spielen“, sagte der Däne. Rio ist also keine echte Option für ihn.

Vier Tage Trainingslager

Welche Atmosphäre ihn bei Spielen erwartet, durfte Pedersen bereits erahnen. Als sich zum Abschluss zwei Teams in einer Trainingspartie gegenüberstanden – Rot gewann gegen Gelb durch den Treffer des Tages von Stürmer Steven Skrzybski – hallten „Union, Union“-Rufe durch die Arena, aus der sich die ersten Fans nach einer Stunde für den EM-Fußball zurückzogen.

Am heutigen Montag zieht Keller die Zügel noch ein wenig schärfer an. Nach dem Laktattest am Vormittag geht es am Nachmittag ins viertägige Trainingslager nach Sommerfeld nördlich von Berlin. In Konkurrenz zur EM treten die Köpenicker dann nicht mehr.