1.FC Union

Der neue Trainer Jens Keller hat die Bundesliga im Blick

Unions neuer Trainer setzt auf Teamgeist, fordert aber noch Verstärkungen. Am Freitag wurde auch prompt ein Däne verpflichtet.

Jens Keller im Stadion an der Alten Försterei. Am Sonntag beginnt er mit der Saisonvorbereitung

Jens Keller im Stadion an der Alten Försterei. Am Sonntag beginnt er mit der Saisonvorbereitung

Foto: imago sportfotodienst / imago/Nordphoto

Berlin.  Dicke Luft beim 1. FC Union. Und das noch, bevor der neue Trainer die Mannschaft das erste Mal beim Training in Augenschein genommen hat. „Das ist aber eine tolle Luft hier“, sagte Jens Keller, als er die Eisern Lounge in der Haupttribüne des Stadions an der Alten Försterei betrat. Der Sarkasmus war nicht zu überhören, was an der Sauna-Atmosphäre bei der Vorstellung des neuen Cheftrainers lag. Dabei war Keller durchaus sommerlich zur Präsentation erschienen, im weißen Polo-Shirt und blauer Jeans.

Im Anschluss gab sich der 45-Jährige hingegen ganz cool. Das mediale Stahlbad, das er in seinen Jahren als Coach des Bundesligisten Schalke 04 erfahren hat, kommt ihm sicher auch bei den „Eisernen“ zugute.

„Ich gehe meinen Weg“, sagte Keller: „Klar macht man Fehler. Aber wichtig ist, dass man sich nichts vorzuwerfen hat. Ich konnte immer in den Spiegel schauen.“ In Gelsenkirchen, bei den Königsblauen, sei „vieles an mir abgeprallt, sonst hätte ich es auf Schalke auch nicht so lange ausgehalten“, erklärte Keller.

„Wer sich gegen das Kollektiv stellt, bekommt Probleme“

Ganz locker, ganz entspannt, eben wie jemand, der nach seiner Beurlaubung auf Schalke im Oktober 2014 viel Zeit hatte, um den Akku aufzuladen. Durch Urlaub, den Studiengang Sportmanagement der Universität St. Gallen oder einer Fünf-Tage-Hospitanz bei Manchester Uniteds damaligem Teamchef Louis van Gaal.

Für die Mannschaft wird es mit der Entspannung ab Sonntag vorbei sein. Und Keller machte sogleich deutlich, was er von seinen Spielern in den nächsten beiden Jahren erwartet. „Ich bin ein sehr kommunikativer Trainer, der sehr nah an den Spielern ist“, umschrieb er seine Arbeitsweise, „doch wer sich gegen das Kollektiv stellt, der bekommt Probleme.“ Gemeinsam erfolgreich arbeiten – es scheint, als habe Keller das Klub-Motto von der Union-Familie mit der Unterschrift seines bis 2018 laufenden Vertrages eingeimpft bekommen.

Entsprechend froh zeigte sich auch Lutz Munack. „Wir freuen uns, einen Trainer gefunden zu haben, der den Weg in die Top 20 mit uns gehen möchte“, sagte der Geschäftsführer Sport. Und der so Gelobte gab auch gleich zu Protokoll: „Mein Bestreben ist es, jedes Spiel zu gewinnen. Das wird nicht immer klappen, denn es gibt ja auch noch einen Gegner.“ Wie es trotzdem gelingen soll? „Ich möchte eine aktive Mannschaft auf dem Platz, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Eine, die nach Möglichkeit auch schnell spielen kann.“

Nach zwei Gesprächsrunden war die Entscheidung gefallen

Mit dem aktuellen Kader, verstärkt durch die Zugänge Christopher Lenz (Linksverteidiger), Daniel Mesenhöler (Torwart), den am Freitag verpflichteten dänischen Linksverteidiger Kristian Pedersen (HB Köge, Vertrag bis 2019) und aller Voraussicht nach Philipp Hosiner (österreichischer Stürmer, zuletzt vom 1. FC Köln an Stade Rennes ausgeliehen), sei dies aber noch nicht möglich, merkte Keller sogleich an.

Dennoch „wollen wir uns verbessern, nachdem wir in der vergangenen Saison Platz sechs erreicht haben. Jetzt noch fünf Plätze hoch zu gehen, ist machbar“, so der gebürtige Stuttgarter. Begriffe wie Aufstieg oder Bundesliga vermied er, getreu dem Union-Duktus.

Überhaupt brauchte Keller nicht lange zu überlegen, um im April bei Union zuzusagen. Nach zwei Gesprächsrunden – einer mit Munack und Helmut Schulte (Leiter der Lizenzspielerabteilung) und einer mit Klubchef Dirk Zingler – war die Entscheidung pro Köpenick gefallen. „Ich wollte bei einem Verein arbeiten, bei dem Ruhe und Struktur herrschen. Die Liga war mir egal“, sieht Keller nach seinen Trainertagen auf Schalke oder beim VfB Stuttgart keinen Rückschritt

„Union hat außerdem Top-Bedingungen.“ Dass er seinen schönsten Trainermoment darin sieht, „dass ich heute hier sein kann“, ehe er („Scherz beiseite“) die Champions-League-Spiele mit Schalke anführt, spricht für ihn. „Das waren natürlich großartige Momente. Aber junge Spieler zu entwickeln, ist für mich ebenso eine große Herausforderung. Deshalb freue ich mich auf den Job.“

Co-Trainer Pedersen arbeitete bei RB Salzburg

Ruhe im sportlichen Bereich kann Union sehr gut gebrauchen nach einer Saison mit drei verschiedenen Trainern (Norbert Düwel, Sascha Lewandowski, André Hofschneider). Daran sollte auch Kellers neuer Co-Trainer nichts ändern.

Der Däne Henrik Pedersen (38) war vor seiner Traineranstellung beim dänischen Zweitligisten HB Köge als Coach und Nachwuchskoordinator bei Red Bull Salzburg (2008 bis 2014) tätig. Ein Klub, der wie die Leipziger Dependance des Brauseherstellers bei Fans nicht wohl gelitten ist.

„Wir suchen uns die Trainer immer nach fachlichen Qualitäten aus, damit wir unsere Ziele erreichen können“, machte Geschäftsführer Munack deutlich. Ob dies mit dem Duo Keller/Pedersen gelingen kann, wird sich mit dem Saisonstart ab 5. August zeigen.