Toter Trainer

Sascha Lewandowski: Ein Verdacht und ein Abschiedsbrief

Gegen den ehemaligen Union-Trainer soll vor seinem Tod wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes ermittelt worden sein.

Sascha Lewandowski als  Trainer von Union Berlin

Sascha Lewandowski als Trainer von Union Berlin

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture alliance / dpa

Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Union-Trainers Sascha Lewandowski hat viele Menschen erschüttert. Die Reaktionen von ehemaligen Kollegen und Mitstreitern sprechen Bände. Doch womöglich ist ein schwerwiegender Verdacht gegen den Bochumer Hintergrund eines Suizids.

>> Obduktion bestätigt: Sascha Lewandowski hat Suizid begangen

Nach Informationen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) wurde gegen den 44-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes ermittelt. Staatsanwaltschaft und Polizei haben bislang jede Stellungnahme zu dieser Anschuldigung verweigert.

Wie die "Bild" berichtet, soll man in der Wohnung Lewandowskis einen Abschiedsbrief gefunden haben. Darin habe sich der Ex-Trainer zu einer Festnahme geäußert und Reue gezeigt. In dem Schreiben soll es geheißen haben, er habe "mit dieser Schuld" nicht leben können.

Mitte März war Lewandowski als Trainer beim Zweitligisten 1. FC Union wegen eines Burnouts ausgeschieden. Der Verein hatte eine Erklärung herausgegeben, wonach die Entscheidung gemeinsam auf Anraten der Ärzte getroffen worden war.

Von der Polizei gestoppt

Doch das ist offenbar nicht die ganze Wahrheit: Die „Bild“ vermeldete, Lewandowski sei am Freitagabend der Vorwoche von der Polizei in Dortmund angetrunken (0,88 Promille) bei einer Fahrzeugkontrolle angehalten worden. Er sei dabei nicht allein gewesen. Laut dem Fernsehsender Sat.1 habe die Polizei seine Kleidung sichergestellt, er habe sich von einem Polizisten Kleidung für den Heimweg ausgeliehen.

Das deckt sich mit Informationen der „WAZ“-Redaktion, die noch weit drastischer sind. Von den Behörden werden sie offiziell nicht bestätigt, die Quellen sind jedoch glaubwürdig. Lewandowski fuhr demnach mit seinem Auto im Dortmunder Bahnhofsviertel. Er kennt sich dort aus, weil er in der Westfalenmetropole aufgewachsen ist.

Die Polizei stoppte ihn unweit des Borsigplatzes, mit im Auto saß ein erst zwölf Jahre alter Junge aus Rumänien. Offenbar hegten die Beamten den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs. Sie nahmen Lewandowski fest, die Nacht zum Sonnabend soll er im Polizeigewahrsam verbracht haben.

Staatsanwaltschaft beantragte keinen Haftbefehl

Die Beweislage muss nicht ganz eindeutig gewesen sein. Denn anders als bei anderen Fällen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes unter 14 Jahren wurde von der Staatsanwaltschaft diesmal kein Haftbefehl beantragt.

Sascha Lewandowski kam nach einigen Stunden wieder frei, muss aber nach „WAZ“-Informationen in der Folge einen heftigen Streit mit seiner Lebensgefährtin gehabt haben. Konsequenz: Er verbrachte die Nacht zum Sonntag nicht in der gemeinsamen Wohnung, sondern in einem Hotel.

Die Partnerin reiste danach beruflich ins Ausland. Er sei in die Wohnung zurückgekehrt. Dort habe er einen Abschiedsbrief sowie ein Testament verfasst und sich getötet.

Bei totem Verdächtigen kein Ermittlungsverfahren

Offiziell bestätigt ist all das bisher nicht. Denn die Polizei in Bochum, die am Donnerstagmorgen noch den Tod des 44-Jährigen bestätigt hatte, darf seitdem nichts mehr sagen. Auskunft darf nur noch die Staatsanwaltschaft geben.

Nachfragen dort bringen allerdings wenig, denn Staatsanwalt Andreas Bachmann sagt offiziell, dass er in einem laufenden Verfahren keine Auskunft geben wird. Man müsse erst einmal ermitteln, ob Sascha Lewandowski tatsächlich durch Selbstmord aus dem Leben schied.

Auf Nachfrage im Justizministerium NRW in Düsseldorf versucht es Marcus Strunk, Sprecher von Justizminister Thomas Kutschaty, rein hypothetisch: „Wir verbreiten keine Gerüchte. Und wenn der Verdächtige tot ist, gibt es kein Ermittlungsverfahren mehr, um Vorwürfe aufzuklären.“

Starke Kontrollen hinter dem Dortmunder Hauptbahnhof

So bleibt zunächst auch unklar, in welchem Milieu es die mögliche Begegnung Lewandowskis mit einem Jungen gegeben haben könnte. Einen klassischen „Babystrich“ gibt es in der Dortmunder Nordstadt nicht.

Dass Männer im Auto durch die Straßen fahren, um Jugendliche anzusprechen, hält nicht nur die Mitternachtsmission für ausgeschlossen: Seit die Stadt den ausufernden Straßenstrich hinter dem Hauptbahnhof vor fünf Jahren schloss, ist der Kontrolldruck hoch.

Eine „Taskforce“ patroulliert, die Streetworkerinnen der Mission, die seit 15 Jahren ein Projekt eigens für Jugendliche betreuen, sind mindestens zweimal täglich an Ort und Stelle. Sie berieten im vergangenen Jahr 55 Prostituierte unter 18 Jahren, die meisten davon waren Mädchen, die meisten deutsch, die jüngste 13. Eine Verabredung Lewandowskis mit einem rumänischen Jungen, glauben die Sozialarbeiterinnen, könne nur über das Internet oder einschlägige Foren erfolgt sein. Mitarbeit: Annika Fischer

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