Fussball

Zeit der Abschiede in der Alten Försterei

Vor dem letzten Saison-Spiel, das die Köpenicker 2:1 gegen Freiburg gewannen, sagten zwei Spieler sowie Trainer und Betreuer Tschüss.

Unions Präsident Dirk Zingler (l) bedankt sich bei Bobby Wood, der zum Hamburger SV wechselt

Unions Präsident Dirk Zingler (l) bedankt sich bei Bobby Wood, der zum Hamburger SV wechselt

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Der Applaus in der Alten Försterei war freundlich und wurde von lauten Ovationen begleitet. Gesten, aus denen Dankbarkeit sprach für Bobby Wood, für seine 17 erzielten Tore für den 1. FC Union, dank derer der Fußball-Zweitligist in dieser Saison nie in ernsthafte Abstiegsgefahr geriet und durch die der Profi sich auch gleich noch seinen Platz in der Klub-Historie sicherte: Nie traf ein Union-Profi in einer Spielzeit öfter.

„Es macht mich stolz, mit meinen Toren ein Teil der Vereinsgeschichte geworden zu sein“, sagte Wood, der sich nach dem letzten Saisonspiel gegen den SC Freiburg (2:1) am Pfingstsonntag auf den Weg in Richtung US-Nationalteam und Coach Jürgen Klinsmann machte, um sich für die Copa AmericaCentenario (3. bis 26. Juni) in den USA vorzubereiten. Zugleich bedankte er sich für das Vertrauen und „die Einsatzzeiten, durch die ich den nächsten Schritt in meiner Entwicklung machen konnte“.

Der US-Stürmer verlässt Union wie erwartet in Richtung Bundesliga und wird beim Hamburger SVandocken. „Mein Bauchgefühl hat gesagt, dass Hamburg die richtige Entscheidung ist“, sagte Wood. Die Köpenicker gaben den Wechsel des 23-Jährigen wenige Stunden vor dem Anpfiff gegen Freiburg bekannt. Woods bis 2018 laufender Vertrag bei Union wurde aufgelöst, sein Kontrakt in Hamburg läuft bis 2020. Union darf sich über einen Transfererlös von rund 3,5 Millionen Euro freuen.

Spieler trugen T-Shirt für Daniel Haas

Es war die Zeit der Abschiede in der Alten Försterei, wie immer im letzten Heimspiel. Reha- und Athletiktrainer Daniel Wolf verlässt die Berliner nach vier Jahren. Sein Vertrag wurde ebenso nicht verlängert wie der von Daniel Haas. Der Torwart war 2012 aus Hoffenheim nach Köpenick gewechselt, hatte seinen Stammplatz in der Winterpause aber an den Dänen Jakob Busk verloren.

Die Union-Profis hatten sich als Dankeschön an ihre langjährige Nummer eins in Shirts mit der Nummer „1“ darauf warmgemacht, von den Fans wurde Haas mit Sprechchören gefeiert. Zudem durfte er gegen Freiburg von Beginn an ran, um sich gebührend mit einem Spiel gegen den Zweitliga-Meister zu verabschieden. „Weil er sich immer professionell verhalten hat“, sagte Unions Trainer André Hofschneider. Es war das 121. Pflichtspiel für Haas im Union-Trikot.


Als es dann an der Zeit war, Detlef Schneeweiß den obligatorischen Blumenstrauß zu überreichen, flossen die Tränen, bei „Detta“ selbst wie bei zahlreichen Fans und Klubverantwortlichen. Der Mannschaftsleiter, seit 1999 bei Union, geht in den Ruhestand.

Und er bekam seinen ganz persönlichen Feiermoment, nachdem Christopher Quiring das 2:0 erzielt hatte (78.) und die gesamte Mannschaft den jubelnden Schneeweiß unter sich begrub.

Letztes Spiel für Trainer Hofschneider

Nach der Partie bedankten sich die Profis – gekleidet in roten Shirts mit der Aufschrift „Danke, Detta“ unter einem Schneeweiß-Konterfei – noch mit einem Riesentransparent bei ihm: „17 Jahre unser zweitbester Freund! Mach’s gut, Detta!“ Schneeweiß hatte jeden Spieler stets als seinen zweitbesten Freund begrüßt.

Auch für Hofschneider war das Duell gegen die Breisgauer sein letztes Spiel als verantwortlicher Trainer. „Hofi“ lässt sich ab Sommer zum Fußballlehrer ausbilden, wollte sich jedoch mit einem entsprechenden Geschenk an den Verein und seine Fans verabschieden.

Mit dem achten Heimsieg sollte der neue Klubrekord her. Deshalb hatte der Coach gemahnt: „Feierlichkeiten gerne vor dem Spiel und auch danach, während der 90 Minuten erwarte ich aber volle Konzentration.“

Wood blieb 84 Minuten lang draußen

Der Einsatz seiner Mannschaft stimmte jedenfalls, ebenso wie die Atmosphäre im mit 22.012 Zuschauern ausverkauften Stadion. Dass Hofschneider die Partie nicht nur als schmückendes Beiwerk für irgendwelche Feierlichkeiten verstanden wissen wollte, dokumentierte er auf überraschende Weise – und ließ Wood 84 Minuten lang draußen.


„Durch die körperlichen Anstrengungen der vergangenen Monate auf dem Platz und die psychische Belastung zuletzt bei der Entscheidungsfindung für einen neuen Klub hatte ich das Gefühl, dass Wood ein bisschen müde ist. Und ich brauchte Spieler, die über die Schmerzgrenze hinausgehen können. Man sollte dabei jedoch nicht vergessen, was er für uns geleistet hat“, begründete Hofschneider seine Entscheidung. Wood zeigte dafür Verständnis: „Das ist okay, der Trainer wollte kein Risiko eingehen.“

Der Plan ohne Wood ging auf, auch wenn Freiburg unterstrich, warum es das beste Team der Ligagewesen ist. Sicher im Stellungsspiel, schnell in den Kombinationen nach vorn und gefährlich im Abschluss. Bei einem Freistoß von Vincenzo Grifo ist Torwart Haas noch zur Stelle (18.), beim Schuss von Florian Niederlechner hatte Union hingegen Glück, dass der Freiburger nur den linken Pfosten traf(32.). Niederlechner hatte zuvor zusammen mit Grifo Unions Defensive schwindelig gespielt.

Traumtor von Adrian Nikci

Auf der Gegenseite hatte Christopher Quiring die größte Chance für die Gastgeber. Nach einem Fehler von Niederlechner erlief sich der Flügelflitzer den Ball, scheiterte jedoch am aufmerksamen SC-Keeper Patric Klandt (35.).


Nach dem Wechsel wurde Union energischer, Hofschneider sprach vom „Willen, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen“. Der Führung durch ein Traumtor von Adrian Nikci (66.) – ein herrlicher Schlenzer über Klandt hinweg in rechte obere Eck – folgte Quirings Abschluss nach einem Konter (78.). Die Alte Försterei bebte, daran konnte auch der Gegentreffer von Marc-Oliver Kempf nichts ändern (90.).

Union erreicht so mit Platz sechs und 49 Punktenauch das Saisonziel. Und mit dem achten Heimsieg in Folge auch den herbeigesehnten Klubrekord, der untrennbar mit dem Namen André Hofschneider verbunden sein wird. Ein wahrlich gelungener Abschluss einer Saison, die so desaströs begonnen hatte.