Zweite Liga

André Hofschneider ist für Union ein Glücksfall

Trainer Hofschneider vollendet den Umbruch, den Union vor zwei Jahren begann. Zum Abschluss gegen Freiburg soll noch ein Rekord her.

Applaus, Applaus: André Hofschneider

Applaus, Applaus: André Hofschneider

Foto: Guido Kirchner / dpa

Berlin.  Wie wichtig es für ihn persönlich sein wird, sollte tatsächlich mit dem achten Heimsieg in Folge der Klubrekord gelingen, darüber hat André Hofschneider eine ganz klare Meinung. „Es ist ja nicht meine Serie, ich stehe ja nicht auf dem Platz.“ Stimmt, als Trainer des 1. FC Union steht er nur an der Seitenlinie, zum Saisonabschluss am Sonntag gegen Zweitliga-Meister SC Freiburg (15.30 Uhr) in der mit 22.012 Zuschauern ausverkauften Alten Försterei zum letzten Mal, bevor er ab Sommer die Ausbildung zum Fußballlehrer absolviert.

Und doch würde ein Erfolg – und damit auch die Serie – untrennbar mit seinem Namen verbunden sein. Mit André Hofschneider, dem 45-Jährigen, der seit 2007 stets der Mann in der zweiten Reihe bei den Köpenickern gewesen ist. Und dessen Wichtigkeit für den Klub, für die Mannschaft und für alle Tugenden, die Union so gern auf sich vereint (und vereinen will), in den vergangenen Wochen deutlicher denn je wurden.

Hofschneider wirkt wie das fehlende Puzzleteil, welches den Umbruch bei Union, der vor zwei Jahren mit der Trennung von Trainer Uwe Neuhaus begonnen hat, vollendet. War es Neuhaus-Nachfolger Norbert Düwel, dessen Hauptaufgabe das Aufbrechen der eingefahrenen sportlichen Strukturen gewesen ist, und Düwels Nachfolger Sascha Lewandowski, der die Mannschaft spielerisch auf eine höhere Stufe gestellt hat, so ist es Hofschneider zuzuschreiben, dem neuen Konstrukt den nötigen Halt gegeben zu haben.

Viertbeste Punktausbeute in seiner Amtszeit

„Er hat nichts großartig verändert oder anders gemacht“, sagte Kapitän Benjamin Kessel: „Aber er hat der Mannschaft immer wieder Woche für Woche Mut gemacht, dass sie an ihre Stärken glauben soll und ist gar nicht so sehr auf die Gegner eingegangen. Damit hat er uns permanent Selbstvertrauen eingeflößt. Er hat immer wieder gesagt: Wenn wir immer unsere Leistung abrufen, dann können wir jeden Gegner schlagen.“ Natürlich auch die Freiburger im Saisonfinale.

Die Emotionen, die Hofschneider bei den Spielern zu neuem Leben erweckt hat, strahlt er selbst kaum aus. Während der 90 Minuten an der Seitenlinie wirkt er oft ruhig, selbst in brisantesten Situationen scheint er nur ungern sein Innerstes preiszugeben. Im Training, ja, da kann er durchaus auch laut werden, wenn Laufwege wieder nicht stimmen oder Pässe schlampig gespielt werden.

Ansonsten ist Hofschneider eher jemand für die leisen, vielleicht auch einfachen Töne. Diese setzt er jedoch gezielt ein. Nach Siegen gibt es schon mal zwei Tage frei, nach Niederlagen wird der Waldlauf am nächsten Tag verlängert. Keine epischen Taktik-Analysen, kein lautes Gebrüll mit hochrotem Kopf – Hofschneider packt die Profis bei der Ehre. Und die Spieler sind ihm gefolgt. In bislang elf Spielen, die 19 Punkte brachten. Nur das Spitzentrio Freiburg (31), Nürnberg (24) und Leipzig (20) holten seit Anfang März mehr.

Den Blick immer nach oben gerichtet

Schlechte Spiele verzeiht er, genau wie die große Mehrheit der Fans, mangelnden Einsatz nicht. „Ich kann mal schlecht drauf sein, aber eins kann ich immer: laufen“, sagt Hofschneider. Deshalb ärgert ihn das 0:2 vom vergangenen Wochenende in Bielefeld mehr als das 2:6-Debakel von Nürnberg, weil es „keine Tragik oder Dramatik im Spiel gab – außer unserer Leistung“.

Das mag in der mittlerweile hochtechnologisierten Welt des Profifußballs antiquarisch klingen, macht Hofschneider jedoch authentisch. „Wir müssen uns immer daran orientieren, was wir maximal erreichen können“, sagt Hofschneider. Der Blick stets nach oben gerichtet, nie nach unten. Dass er „enttäuscht wäre, wenn uns der achte Heimsieg nicht gelingt“, versteht sich da von selbst. Auch wenn es gegen einen Verein und ein Team geht, den der ewige Unioner – Hofschneider war schon als (Jugend-)Spieler von 1979 bis 1994 für die Köpenicker aktiv – in hohem Maße bewundert.

„Die beste Mannschaft, der beste Trainer, der beste Verein der Zweiten Liga – wenn man sich irgendwo ein Vorbild suchen will, dann den SC Freiburg“, sagt Hofschneider ohne zu zögern: „Freiburg hat über Jahre eine Stimmung geschaffen, mit der sie diese Top-20-Geschichte leben. Das beinhaltet ja auch mal einen Abstieg.“

Gegen Freiburg zeigen, dass man für die Top 20 geeignet ist

Der Sprung in die Top 20 ist Unions erklärtes Ziel. Schon deshalb kommt dem Spiel gegen Freiburg eine besondere Bedeutung zu. „Das letzte Spiel zählt genau so zu einer Saison dazu wie das dritte oder vierte. Deswegen erwarte ich, dass wir diese Partie mit voller Investition angehen“, fordert Hofschneider.

Aus einfachem Grund: „Jetzt kann man beweisen, ob man wirklich gut genug gewesen wäre, um oben mitzuspielen“, so der Trainer. Ganz zu schweigen von der Heimserie und dem Klubrekord.