Zweite Liga

Union setzt auf Null-Wachstum

Dreimal blieb Union ohne Gegentor. In Nürnberg soll die Serie nun ausgebaut werden. Warum der Zweitligist erst jetzt in Schwung kommt.

Die Profis des 1. FC Union blieben in den vergangenen drei Spielen ohne Gegentor

Die Profis des 1. FC Union blieben in den vergangenen drei Spielen ohne Gegentor

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Fußball ist keine Mathematik, betonte einst Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. Wenn es um den 1. FC Union geht, sei eine kleine Rechnung dennoch erlaubt. Zwei plus eins gleich null. Zwei Spiele in der Fremde (St. Pauli, Paderborn), dazu ein Heimspiel gegen Heidenheim – macht kein Gegentor.

Nimmt man die knappe halbe Stunde aus der Partie gegen Braunschweig noch hinzu, kommt der Berliner Fußball-Zweitligist auf 298 Minuten ohne Gegentreffer. Das darf in dieser Saison fast schon als unendlich bezeichnet werden.

Jetzt, da sich die Saison dem Ende zuneigt und mit der Partie beim 1. FC Nürnberg am Sonnabend das vorletzte Auswärtsspiel ansteht, kommt Union jener Spielweise nah, die die Köpenicker in dieser Spielzeit angestrebt hatten. Den Gegner vom eigenen Tor fernhalten, den Ball schnell zurückerobern, um dann mit Ballbesitz Chancen zu kreieren.

Endlich eine funktionierende Innenverteidigung

„Im Nachhinein ist es schade, dass wir erst jetzt richtig in Schwung kommen“, sagte Toni Leistner: „Wenn wir in der Hinrunde schon gewusst hätten, woran es liegt, hätten wir es früher geändert.“ Der Innenverteidiger ist eine der Konstanten in der Gleichung, an deren Ende jene Nullen stehen, die den Köpenickern derzeit so viel Spaß machen.

Die Variablen, sprich Leistners Partner im Abwehrzentrum, ob nun Emanuel Pogatetz oder Roberto Puncec, liefern bei der Analyse die gleichen Ergebnisse. Oder wie es Trainer André Hofschneider nannte: „Im Moment haben wir eine Qualität, die wir lange nicht hatten. Die Innenverteidiger machen derzeit einen guten Job, egal in welcher Konstellation sie auflaufen.“

Da stellt sich natürlich die Frage: Warum erst jetzt? Klar, das Selbstvertrauen spielt eine große Rolle. Es wächst mit jedem Zu-Null-Spiel. „Bei den Spielern entsteht mehr und mehr das Gefühl, dass man auch Druck aushalten kann“, erklärte Hofschneider. Für Gegentore kurz vor Schluss, wie sie Union in dieser Saison zu oft kassiert hat, fühle man sich als Abwehrspieler immer auch verantwortlich. Je größer die Zahl solcher Gegentreffer, desto größer wird die Angst vor spielentscheidenden Fehlern.

Hofschneider stärkt die eigenen Stärken

Selbstvertrauen ist eine Sache, das Zusammenspiel auf dem Rasen die andere. Und das hat etwas mit den Koordinaten zu tun, die man den Spielern mitgibt. Anders als noch unter Sascha Lewandowski oder dessen Vorgänger Norbert Düwel, die die Spielweise des Gegners im Matchplan fest verankert hatten, gilt unter Hofschneider: eigene Stärken herausstellen, nach denen sich der Gegner zu richten hat. Punkt.

Das beginnt mit der Abwehrarbeit bei den Stürmern. „Durch das permanent frühe Anlaufen kommt es zu keinem strukturierten Aufbau beim Gegner“, so Hofschneider. Lange Pässe sind die Folge statt sicherer Ballstaffetten. Das wiederum kommt den Abwehrspielern zugute. „Das Attackieren in der Luft ist im Mittelfeld sicher einfacher als direkt am eigenen Strafraum“, verdeutlichte Hofschneider.

Die Zweikämpfe können im Mittelfeld schon mal robuster und risikoreicher angegangen werden. Denn, so der Union-Trainer, „man läuft im Mittelfeld weniger Gefahr, gleich eine Gelbe Karte zu kassieren“. Ganz zu schweigen davon, die Defensivarbeit durch einen Elfmeter zunichte zu machen.

Lob für Torwart Busk

Der dritte Faktor ist auf der Linie zu suchen. So sprach Hofschneider von einem „Torwart, der auch mal einen wichtigen Ball hält“. Gemeint ist Jakob Busk, der in der Winterpause verpflichtet worden war und prompt Daniel Haas als Nummer eins im Union-Tor abgelöst hatte.

„Es ist schon schwer für den Gegner, uns nach vorn zu verteidigen“, sagte Hofschneider, sprich weit vor dem eigenen Strafraum. Auch deshalb kann Union hoffen, dass bei Aufstiegskandidat Nürnberg die Null zum vierten Mal steht.

Dann bleibt auch das Saisonziel, Platz sechs, in greifbarer Nähe. Eine einfache Rechnung.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.