1. FC Union

Ein Volltreffer namens Wood

Bobby Wood rettet mit seinen Toren eine verkorkste Union-Saison. Doch der Rekordstürmer weckt längst Begehrlichkeiten eine Klasse höher.

Bobby Wood freut sich über seine Rekordtore für Union

Bobby Wood freut sich über seine Rekordtore für Union

Foto: imago sportfotodienst / imago/osnapix

Berlin.  Für einen Moment durchschnitt ein lauter Ruf die Bergidylle. Dort, in Bad Kleinkirchheim im malerischen Kärnten, war Norbert Düwel durch die Frage hochgeschreckt, ob das nun der neue Sebastian Polter sei. „Boah, ey, das ist Bobby Wood, Mann“, platzte es aus dem damaligen Trainer des 1. FC Union heraus.

Polter, damals 24 Jahre alt und gerade erst nach England zu Queens Park Rangers transferiert, hatte die Sehnsucht des Berliner Fußball-Zweitligisten auf einen torgefährlichen Stürmer eine Saison lang grandios erfüllt. Und jetzt sollte dieser zwei Jahre jüngere, bislang in Liga zwei kaum in Erscheinung getretene Wood die Lücke füllen, die Polter hinterlassen hatte? Die Zweifel bei einigen waren groß an jenem Montag im Juli 2015.

Neun Monate später hat Wood eben jenen Polter nur noch zu einer Zeile in der Klubchronik werden lassen: mit seinem Doppelpack in Paderborn (4:0). Mit seinen Saisontoren 15 und 16. Nie hat ein Union-Stürmer mehr Tore in einer Spielzeit erzielt. Welch ein Grund, um sich ausgiebig feiern zu lassen. Und Wood – nimmt es erstaunlich gelassen zur Kenntnis. „Es ist auch mein Job als Stürmer“, sagte der US-Nationalspieler. Dass er bislang zudem bei jedem Pflichtspieleinsatz des Jahres getroffen hat – eine nette Randnotiz.

Familie und Freundin geben ihm Rückhalt

Wood ist ein Profi ohne Allüren. Nach jedem Treffer springt die Freude nur so aus ihm heraus. Pure Lebenfreude eines Mannes, der immer wieder sehr introvertiert wirkt, dabei ist er sich nur seiner besten Saison bewusster denn je. Denn Wood ist wahrlich alles andere als ein Einzelgänger. Nur sucht er sich die Menschen, die seinen Weg begleiten, vielleicht ein wenig akribischer aus als andere. Nachvollziehbar für einen, der als 14-Jähriger aus Kalifornien nach München kam und in der Jugend-Abteilung des TSV 1860 vor allem Neid und Missgunst erfuhr.

Dass er da ist für jene, die ihn schätzen, ihm Respekt entgegen bringen, beweist Wood in den vergangenen Wochen. Dann ist der gebürtige Hawaiianer der eine, der für alle da ist. So retten seine Tore immer mehr eine Union-Saison, wie sie verkorkster kaum sein kann. Denn als aktuell Tabellensiebter ist Union längst wieder in Reichweite des Saisonzieles (Platz eins bis sechs).

Es passt ins Bild, dass es vor allem die Familie und seine dänische Freundin Ditte ist, bei der Wood Rückhalt sucht und findet. Das in der US-Kultur fest verankerte Erntedankfest (Thanksgiving) im November erlebte Wood in Berlin im Kreise seiner Lieben. Familienmensch Wood? „Ich wünsche mir Kinder“, lässt Wood wissen, um gleich anschließend aber darauf zu verweisen, dass er mit seinen 23 Jahren natürlich noch sehr viel Zeit für die Gründung einer eigenen Familie hat.

Seine Tore haben das Interesse des HSV geweckt

Die Profi-Karriere steht im Vordergrund. Und sie gedeiht dieser Tage prächtig. Weder in München noch in Aue, wohin er 2015 ausgeliehen war, durfte Wood permanent spielen. Erst bei Union schaffte er den Durchbruch – und weckt mit jedem weiteren Treffer natürlich auch Begehrlichkeiten. Bundesligist Hamburger SV hat in Person von Sportdirektor Peter Knäbel bereits bei Wood, der bei Union einen Vertrag bis 2018 besitzt, vorgefühlt.

Zudem wird er auch ein immer wichtigerer Faktor im US-Team von Coach Jürgen Klinsmann. Seinem Traum, nicht nur beim Gold Cup Centenario im Sommer, sondern 2018 in Russland auch sein WM-Debüt zu feiern, kommt er immer näher. Der US-Verband gratulierte zum Union-Rekord per Twitter mit einem Bild von Wood im US-Trikot, die Fäuste geballt, der Ausdruck selbstbewusst. Fans reden schon vom fliegenden Hawaiianer.

Trainer Klinsmann verfolgt die Entwicklung des Stürmers genau und muss bereits Kritik dafür einstecken, dass er ihn in Länderspielen meist nur auf dem Flügel agieren lässt statt im Sturmzentrum. Dabei sollte der Ruf damals aus Bad Kleinkirchheim doch eigentlich laut genug gewesen sein.