Zweite Liga

1. FC Union rüstet sich für die neue Spielzeit

Die Berliner starten in Paderborn in den Endspurt der Saison. Die restlichen sechs Spiele sind für die Köpenicker noch sehr wichtig.

Union kann in Paderborn wieder auf Kapitän Benjamin Kessel (Mitte) zurückgreifen und hofft auf die Rückkehr von Felix Kroos (hinten)

Union kann in Paderborn wieder auf Kapitän Benjamin Kessel (Mitte) zurückgreifen und hofft auf die Rückkehr von Felix Kroos (hinten)

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Zwölf Punkte zur Abstiegsregion, deren 19 sogar zum Spitzentrio – angesichts der Abstände wäre ein kleines Motivationsproblem beim einen oder anderen Profi des 1. FC Union durchaus nachvollziehbar.

Ein Schlappmachen im Saisonendspurt, der am Freitag mit dem Gastspiel beim SC Paderborn beginnt, wäre jedoch fatal. Denn es geht um viel mehr als um die noch 18 zu vergebenden Zähler, um Siegprämien und um Fernsehgelder. Es geht bereits jetzt um die Saison 2016/17.

„Man kann schon viel mitnehmen für die neue Spielzeit“, sagte Trainer André Hofschneider. Es geht um Selbstvertrauen, das es gerade auswärts zu tanken gilt. Der Punktgewinn vorigen Freitag beim FC St. Pauli (0:0) nach zuvor drei Niederlagen auf des Gegners Platz war da schon ein guter Anfang.

„Wir bestimmen, was auf dem Platz geschieht“

Entsprechend forsch geht Hofschneider auch in die Partie beim Bundesliga-Absteiger, der vor dem direkten Fall in die Dritte Liga steht. „Wir bestimmen, was auf dem Platz geschieht“, machte der Coach deutlich: „Die ersten 45 Minuten bei St. Pauli haben gezeigt, dass wir dazu in der Lage sind.“

Paderborns Trainer René Müller weiß auch angesichts der eigenen prekären Situation: Seine Mannschaft muss „maximales Leistungsniveau erreichen, um das Spiel für uns entscheiden zu können“. Der Coach spricht von „kühlem Kopf, heißem Herz und verfügbaren spielerischen Mitteln“, die es abzurufen gilt. Eben dies war den Paderbornern in den vergangenen Wochen nicht gelungen, wie das Missverständnis um den längst wieder entlassenen Trainer Stefan Effenberg dokumentiert.

„Wir gehen davon aus, dass sie auch gegen uns nicht das abrufen können, wozu sie eigentlich in der Lage sind. Paderborn ist mit Einzelspielern gut bestückt, hat als Mannschaft aber nicht zusammengefunden“, so Hofschneiders Analyse der Westfalen.

Wieder mehr Respekt von der Konkurrenz

Im Gegensatz dazu ist Union nach einer völlig verkorksten Saison gerade dabei, den Respekt der Konkurrenz mehr und mehr zurückzugewinnen, vor allem bei Heimspielen. Die letzten drei Auftritte in der Alten Försterei gegen Heidenheim (17.4.), Bochum (29.4.) und Klassenprimus Freiburg (15.5.) kommen da gerade recht, um den über Monate ramponierten Ruf möglichst weiter aufzupolieren. Hinzu kommen noch die Spiele in Nürnberg (23.4.) und in Bielefeld (8.5.).

„Die Vorbereitung ist schön und gut, aber mit dem ersten Anpfiff wird man sich an die letzten Spiele der vorangegangenen Saison erinnern“, so Hofschneider. Dies treffe vor allem auf Stürmer zu, die sich im besten Fall mit einer Torserie in die Sommerpause verabschieden.

Sören Brandy darf sich hier angesprochen fühlen. Seit 1080 Minuten jagt der Angreifer einem eigenen Treffer hinterher, zuletzt hatte er am 26. September 2015 gegen Duisburg (3:2) ein Tor erzielt.

Kessel und Wood zurück in der Startelf

Wie sehr Tore einem Angreifer Auftrieb geben, ist an Bobby Wood (14 Tore) abzulesen. Der US-Stürmer kehrt nach seiner Pause, die er wegen der Länderspielreise für das St.-Pauli-Spiel bekommen hatte, ebenso wie Kapitän Benjamin Kessel nach seiner Gelbsperre in die Startelf zurück.

Außerdem wird es darum gehen, nicht nur beim Gegner, sondern vor allem beim neuen Trainer einen guten Eindruck zu hinterlassen. Union hat zwar noch immer keinen Nachfolger für Sascha Lewandowski gefunden. Dennoch dürfte der neue Coach die letzten Auftritte genau studieren.

Hofschneider selbst wäre erst in einem Jahr eine echte Alternative, sollte er die im Sommer beginnende Ausbildung zum Fußballlehrer in der Sportschule Hennef erfolgreich abschließen.