1. FC Union

Union-Torhüter Haas ist ein Auslaufmodell auf Raten

Seit 2012 ist der Keeper beim Berliner Zweitligisten und hat sich immer gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Jetzt droht aber sein Abschied.

Daniel Haas im Trikot des 1. FC Union in Aktion. Nachdem die Eisernen einen neuen Torhüter verpflichtet haben, wird es für ihn eng

Daniel Haas im Trikot des 1. FC Union in Aktion. Nachdem die Eisernen einen neuen Torhüter verpflichtet haben, wird es für ihn eng

Foto: imago sportfotodienst / imago/Zink

Es kann nur einen geben. Daniel Haas weiß das, dafür ist er lange genug im Profifußball unterwegs. Dafür steht er schon zu lange als Nummer eins im Tor des 1. FC Union. Seit dreieinhalb Jahren ist er der Eine, auf den sich der Zweitligist verlassen hat. Derjenige, der einst Fan-Liebling Jan Glinker ebenso ausgestochen hat wie zuletzt Mohamed Amsif. Und er ist derjenige, der bei den Köpenickern zur Disposition steht. „Die Situation ist wieder recht offen. Es gibt viele Variablen. Welche Entscheidungen jetzt getroffen werden, ist noch nicht abzusehen. Das liegt auch ein Stück weit nicht in meiner Hand“, erklärt Haas.

Ihm ergeht es in diesen Wochen wie vielen seiner Kollegen, wenn die Planungen für die kommende Saison in die Endphase gehen und der eigene Vertrag zum Ende der aktuellen Spielzeit ausläuft. „Im Moment bin ich im Sommer frei und für alles offen, das ist ja auch nicht die schlechteste Ausgangsposition. Schlimmer wäre es, wenn ich noch drei Jahre Vertrag hätte, aber keine Perspektive mehr“, sagt Haas.

Wobei seine Perspektive bei Union offensichtlich auch nicht mehr die beste ist. Das lässt sich an zwei Aspekten festmachen. Zum einen an der Hinrunde, von der Haas selbst sagt: „Es war nicht meine schlechteste Vorrunde, aber auch nicht meine beste.“ Zum anderen ist da Jakob Busk, Unions neuer Torwart, mit 22 Jahren nicht nur zehn Jahre jünger als Haas, sondern auch ein Keeper modernerer Prägung. Nicht umsonst lobt Union-Trainer Sascha Lewandowski das Aufbauspiel des Dänen, dessen Chancen nicht gering sind, zum Punktspielauftakt am Freitag in Kaiserslautern (18.30 Uhr, Sky) in der Startelf zu stehen.

Der neu verpflichtete Busk ist zehn Jahre jünger als Haas

Keine Frage, die Wahrscheinlichkeit, dass sich Haas im Sommer einen anderen Arbeitgeber suchen muss, ist so groß wie nie seit seinem Wechsel von Hoffenheim nach Köpenick 2012. Denn Gespräche, ob und wie es weitergeht für ihn bei Union, haben noch nicht stattgefunden. „Wir haben jetzt noch ein knappes halbes Jahr. Und im Sommer ist die Pause auch relativ lang, wo Vieles passieren kann“, gibt sich Haas entspannt, sagt aber auch: „Wenn der Verein nicht auf mich zukommt, werden wir noch eine Weile warten. Wenn es knapp wird, dann werden wir uns natürlich umschauen. Gerade auf der Torhüterposition sind die Berater gut informiert, wie lange welche Verträge laufen. Wenn ein anderer Verein Interesse hat, wird er schon auf mich zukommen.“

Was nicht heißt, dass er den Kampf gegen Busk freiwillig aufgegeben hat. So lobt Trainer Lewandowski die Leistungen seiner drei Torhüter im Training: „Die Qualität hat sich schon erhöht.“ Das gilt auch für Amsif, „von dem ich mir gewünscht hätte, er hätte von September bis Dezember solche Leistungen gezeigt wie jetzt in der Vorbereitung“, so Lewandowski. An seinem Status als Nummer drei wird dies jedoch kaum etwas ändern.

Und Haas? Der lobt Busk als „definitiv guten Torwart. Wenn Union einen Vollblinden geholt hätte, hätten sie in der Scoutingabteilung etwas verkehrt gemacht.“ Ein fairer Umgang unter Torhütern, den man nicht unbedingt im Profifußball gewohnt ist. Den Haas bislang jedoch mit allen Konkurrenten gepflegt hat. „Wir gehen fair miteinander um, treiben uns aber auch an. Wenn es dem Trainer lieber ist, dass sich die Torhüter auf die Fresse hauen, dann muss er das sagen. Ich weiß nur nicht, ob das leistungsfördernd ist“, sagt der 32-Jährige und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Er fühlt sich nicht nicht als altes Eisen

Es liegt ohne Zweifel auch am Alter, an der Erfahrung, die Haas in den vergangenen Jahren gesammelt hat, dass er die aktuelle Lage ein wenig gelassener nimmt. Auch wenn sie bei weitem nicht so unkompliziert ist wie bei einem Profi mit Anfang 20. „Durch meine Familie ist meine Situation schon eine andere. Mein Sohn Rafael ist in Berlin geboren, meine Tochter Lena ist in Berlin aufgewachsen, fühlt sich hier wohl und wird im Sommer eingeschult“, erzählt Haas: „Meine Frau weiß aber auch, dass das Leben als Fußballprofi schon ein bisschen ungewiss ist. Im Moment gehen wir davon aus, dass wir noch hierbleiben.“ In Berlin, wo Haas mit seiner Familie – oder vielmehr durch sie – eine neue Heimat gefunden hat.

Dass er sich der Familie zuliebe als Nummer zwei auf die Bank setzt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. „Meine Frau kennt mich jetzt schon lange genug, um zu wissen, dass ich mit so einer Situation auf Dauer nicht zufrieden wäre“, sagt Haas. Er fühlt sich trotz der Entwicklung auf der Torhüterposition, trotz des Trends, auf immer jüngere Keeper zu setzen, längst noch nicht zum alten Eisen gehörig. „Ich denke, ich bin noch in einem Alter, in dem ich noch nicht daran denken muss. Wenn ich jetzt 35 oder 36 wäre, wäre es sicher etwas anderes. Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir, wenn ich mich nicht größer verletze. Ich denke auch, dass ich das Potenzial habe zu spielen.“

Derzeit sieht es jedoch mehr denn je danach aus, dass sich die Wege von Haas und Union im Sommer trennen werden. „Im Moment kann ich nur sagen, dass ich mich bei Union sehr wohl fühle. Das habe ich vom ersten Tag an getan. Für mich gibt es eigentlich keinen Grund, sich etwas anderes zu wünschen“, macht Haas deutlich. Wohl wissend, dass es nur einen geben kann.