Zweite Liga

Union muss auf Petersen achtgeben

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Maximilian von Harsdorf
Nils Petersen erzielte 15 Tore in 15 Zweitligaspielen. Eine Quote, die zeigt, wie gefährlich der Freiburger Stürmer Union werden kann

Nils Petersen erzielte 15 Tore in 15 Zweitligaspielen. Eine Quote, die zeigt, wie gefährlich der Freiburger Stürmer Union werden kann

Foto: Patrick Seeger / dpa

Freiburgs Stürmer schoss den Absteiger fast allein an die Spitze. Und wird damit für die Breisgauer zum Ticket für die Bundesliga.

Freiburg.  Heute ist Nils Petersen (26) schlauer. Er weiß: Sein Trainer Christian Streich hat einmal mehr recht behalten. Im Sommer, nach dem bitteren Abstieg der Breisgauer in die Zweitklassigkeit, war der Freiburger Stürmer noch schwer am Zweifeln. „Ich war mit dem Kopf schon weg vom SC“, erinnert er sich: „Ich war unsicher, ob wir nach dem Aderlass im Sommer eine Mannschaft zusammenbekommen, die wieder oben mitspielen kann.“

Streich redete auf seinen Torjäger, der nach seinem Wechsel von Bremen zu Freiburg alleine in der Bundesliga-Rückrunde neun Treffer erzielt hatte, ein: „Vertraue mir. Wir bekommen das hin.“ Das vorläufige Ende der Geschichte ist bekannt: Freiburg geht vor dem letzten Hinrundenspieltag als Tabellenführer ins am Sonnabend Duell mit dem 1. FC Union.

„Wir haben den Respekt der Gegner und sind einer der Aufstiegsfavoriten“, sagt Petersen. Er selbst ist mit einer sensationellen Quote von 15 Toren in ebenso vielen Spielen der Toptorschütze seiner Mannschaft – und damit erfolgreicher als alle Stürmer der Köpenicker. Bobby Wood (5), Steven Skrzybski, Sören Brandy (je 3) und Collin Quaner bringen es zusammen auf zwölf Treffer. Nils Petersen – einer, besser als alle.

Ein eiskalter Knipser, wie Union ihn gern hätte

Petersen ist der Spielertyp, den Union bitter nötig hätte: Ein eiskalter Knipser. „Wir betreiben als Mannschaft viel Aufwand. Da brauchst du einen wie Nils“, sagt Freiburgs Sport-Vorstand Jochen Saier (37): „Er ist derjenige, der vorne veredelt und die Dinger reinmacht. Dass er bei uns geblieben ist, ist ein Signal.“

Gerade weil Saier in der vergangenen Transferperiode viele andere Spieler ziehen lassen musste: Leistungsträger wie Stürmer Admir Mehmedi (zu Bayer Leverkusen), Mittelfeldspieler Vladimir Darida (zu Hertha BSC) oder Torhüter Roman Bürki (zu Borussia Dortmund) hatten keine Lust auf die Zweite Liga.

Im Gegensatz zu Petersen – und Trainer Streich, dessen Verbleib sogar noch essenzieller für die Zukunft des Vereins ist. „Er musste sich zwar schütteln – aber er wollte diesen Weg weitergehen“, sagt Saier: „Von unserer Seite aus gab es trotz des Abstiegs sowieso keine Zweifel an ihm.“ Aus gutem Grund: Streich, der 1995 als Jugendtrainer beim SC begann und schließlich im Januar 2012 zum Cheftrainer befördert wurde, verkörpert die Vereins-DNA wie kein Zweiter. Dazu gehört es, mit bemerkenswerter Unaufgeregtheit durch Krisenzeiten zu gehen. Und den Kurs des selbsternannten Ausbildungsvereins mitzutragen.

Der Abstieg brachte Freiburg ein Plus von 13,2 Millionen Euro

So akzeptierte der Fußballlehrer und frühere Germanistikstudent klaglos den Ausverkauf, der selbst für Freiburger Verhältnisse heftig ausfiel. Das Kuriose: Auch dank der Transfer-Einnahmen von insgesamt über 25 Millionen Euro hat der Verein die abgelaufene Spielzeit trotz des Abstiegs mit einem finanziellen Plus von 13,2 Millionen Euro abgeschlossen.

Trotz des Gangs in die Zweitklassigkeit kann der SC daher unbeirrt am Plan festhalten, für insgesamt 108 Millionen Euro eine neue Arena für 35.000 Zuschauer zu bauen. „Ohne dieses Stadion würden wir auf Dauer auch gegenüber Zweitligisten finanziell an Boden verlieren, wären abhängig von Fernsehgeldern“, sagt Saier: „Mit ihm haben wir mehr Möglichkeiten im Bereich von Hospitality und Ticketing.“ 2019 soll der Bau fertig werden.

Nicht jeder Trainer würde akzeptieren, dass ihm wegen eines Projekts, dessen Vollendung vier Jahre in der Zukunft liegt, im Hier und Jetzt Geld für Spielergehälter und -transfers abgehen. Streich tut es. Und investiert seine Energie lieber in akribische Arbeit mit dem jungen Kader – beim Sieg am vergangenen Wochenende gegen Heidenheim (2:1) war die Mannschaft im Schnitt lediglich 23,8 Jahre alt.

Intensive Videoanalyse des Gegners aus Berlin

„Er fordert sehr viel ein, du musst ans absolute Limit gehen. Auch die Theorie-Einheiten sind intensiv“, sagt Petersen. Rund eine Stunde bereitete sich die Mannschaft am Donnerstag in der Videoanalyse auf den kommenden Gegner aus Berlin vor. Petersen sagt: „Es ist nicht leicht, junge Leute so lange zum Zuhören zu bringen. Aber wir passen genau auf. Weil wir wissen: Du bekommst dafür auch sehr viel zurück, wenn du auf ihn hörst.“ Er zweifelt längst nicht mehr.