Zweite Liga

Union wirkt plötzlich wie befreit

Wie Union-Trainer Sascha Lewandowski den Spaß am Fußball zurückbringt. Und sich dabei normalen Handwerks bedient.

Unter Sascha Lewandowski hat Union wieder gut lachen

Unter Sascha Lewandowski hat Union wieder gut lachen

Foto: Uli Deck / dpa

Berlin.  Dass beim 1. FC Union derzeit einiges in Bewegung ist, verdeutlichte kein Geringer als der Cheftrainer selbst. Ein Fahrrad hatte sich Sascha Lewandowski geschnappt und drehte damit entspannt ein paar Runden in der Wuhlheide. Nach knapp einer Stunde war der Coach des Berliner Fußball-Zweitligisten zurück auf dem Trainingsplatz, wo die Co-Trainer Andre Hofschneider und Sebastian Bönig den Reservisten des Spiels in Karlsruhe (3:0) und den Daheimgebliebenen mit Spielformen einheizten.

Lewandowski verfolgte das Geschehen zwischen Situps und Liegestützen, mit denen er unweit seiner Spieler seine individuelle Einheit vollendete. Er nennt es sein „sporadisch, leichtes Programm, wo ich mich ein bisschen bewege. Das ist so die einzige Stunde, die man hat, bevor man erst das KSC-Spiel analysiert und sich dann schon auf Fürth und die englische Woche vorbereitet“, erzählt der 43-Jährige.

Sofort ist zu spüren: Die Anspannung, der große Druck ist weg. Lewandowski wirkt ein wenig befreit, kein Wunder nach einem klaren Sieg zum Auftakt, dem ersten Erfolg in dieser Saison und in Karlsruhe überhaupt. Befreit. Will man den Zustand der Köpenicker nach dem Auftritt im Wildparkstadion charakterisieren, kommt man unweigerlich auf diese Umschreibung. Und sie hat unweigerlich mit der Personalie des Cheftrainers zu tun.

Rückkehr zur Viererkette gibt Sicherheit

„Er ist ein unglaublich positiver Typ und gibt das auch an die Mannschaft weiter“, sagt etwa Collin Quaner, neben Damir Kreilach und Bobby Wood Torschütze in Karlsruhe. Torwart Daniel Haas bestätigt: „Wir sind mit einem sehr positiven Gefühl in dieses Spiel gegangen. Er hat versucht, den Druck, der außen vielleicht herrscht, uns ein wenig zu nehmen.“

Es galt, dem Team auf dem Platz jene Sicherheit zurückzugeben, die in den letzten Wochen unter Norbert Düwel abhanden gekommen war. Der erste Schritt war die Rückkehr zur Viererkette in der Abwehr. „Altes System, alte Stärken“, sagte Innenverteidiger Toni Leistner nur kurz und knapp.

Coach Lewandowski erklärte die Maßnahme schon etwas genauer: „Ich hatte schon das Gefühl, dass sich die Mannschaft mit der Viererkette wohler fühlt. Dieses Gefühl entstand durch die Spiele, die ich gesehen habe, und auch in den ersten Gesprächen mit den Jungs und den Co-Trainern.“ Grundsätzlich sei eine Dreierkette nichts Schlechtes, auch für die Zukunft ausschließen will der Trainer sie keineswegs. Aber, so Lewandowski: „Wenn du mit fünf Mann auf einer Linie stehst, und alle bleiben auf der Linie, gibst du dem Gegner im Mittelfeld die Räume.“

Die Mannschaft präsentiert sich hellwach

Es ist schon bezeichnend, wenn Spieler wie Christopher Trimmel oder auch Leistner sagen: „Es hat Spaß gemacht.“ Genau dann präsentiert man sich hellwach auf dem Platz, geht vielleicht den einen Schritt mehr als sonst, von der Konzentration auch in der Schlussphase ganz zu schweigen.

Lewandowski „hat uns gesagt, wie wir richtig pressen und kürzere Wege zum Pressing nutzen, um nicht immer nur hinterherzulaufen“, erklärte Leistner. Und: „Wir haben jetzt auch eine ganz andere Staffelung hinter dem Ball bei unseren Torchancen.“ Auch hierzu liefert der Trainer sogleich die Erklärung: „Meine Meinung war, dass die Mannschaft zuvor sehr oft ohne Not in die Tiefe gefallen ist und dadurch natürlich Räume im Mittelfeld aufgegeben hat. Wichtig war, dass man sieht, wann man höher verteidigen kann und nicht ohne Not nach hinten fällt.“

In dem Wissen einer besseren Absicherung wird auch der Kopf frei für andere Dinge. Freistöße zum Beispiel, wie der von Kreilach. Der Kapitän machte deutlich, wie wichtig die Konzentration auf dem Platz ist. Und bei seinem herrlichen Freistoß unter die Latte des KSC-Tores „habe ich mich konzentriert“, so der Kroate.

Das Ende der großen Rotation

Um die Aufmerksamkeit auch in der für Union bislang prekären Schlussphase aufrechtzuerhalten, bediente sich Lewandowski – wie er selbst sagt – normalen Handwerks: „Ich habe in der Pause beim Stand von 1:0 noch einmal ganz stark darauf hingewiesen, dass wir weiter auf das zweite Tor spielen. Und danach auf das dritte. Das ist vom Kopf her ja schon so eine kleine Botschaft, dass wir uns nicht auf ein Tor verlassen.“ Bloß nicht zu passiv werden.

Auch dass Lewandowski grundsätzlich kein Freund der ewigen Rotation ist, dürfte sich positiv auswirken. Die Startelf wird gestärkt, alle anderen werden aufgefordert, noch mehr zu tun, um in diese Elf zu kommen. So sagt der Trainer mit Blick auf das Spiel gegen Fürth am Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei): „Ich glaube nicht, dass wir gut daran tun, jetzt sehr, sehr viel umzustellen und auch noch fünf Neue zu bringen.“ Wenn Veränderungen, dann nur in Nuancen.

„Es ist immer schwierig, wenn man neue Systeme spielt wie unter Herrn Düwel oder ständig rotiert“, sagte Leistner. Was der Trainerwechsel für die Saison bedeutet? „Man kann sagen: Jetzt geht es richtig los“, sagte der Abwehrmann. Er wirkt dabei, als sei die Last der vergangenen Wochen endgültig abgefallen. Befreit eben.