Zweite Liga

Sascha Lewandowski - Ein Mann zum Schwärmen für Union

Sascha Lewandowski genießt großes Ansehen bei Bayer Leverkusen. Viele Klubs interessierten sich für ihn. Jetzt soll er Union zum Erfolg führen.

Trainer Sascha Lewandowski soll die Köpenicker am besten in die Bundesliga bringen

Trainer Sascha Lewandowski soll die Köpenicker am besten in die Bundesliga bringen

Foto: Marius Becker / picture alliance / dpa

Berlin.  Der Termin steht seit Dienstagnachmittag fest. An diesem Mittwoch um 11.30 Uhr stellt der 1. FC Union seinen neuen Trainer vor. Wer es ist, darüber schweigt der Berliner Fußball-Zweitligaklub. Doch wenn nicht alle Zeichen trügen, dürfte dann Sascha Lewandowski hinter einem der Pulte im Presseraum des Stadions an der Alten Försterei seinen Stehplatz ein- und die Nachfolge des am Montag entlassenen Norbert Düwel übernehmen.

Es wäre ein gutes Los, das die noch sieglosen Berliner da gezogen haben. Kaum ein Trainer war zuletzt so oft als Kandidat für vakante Posten gehandelt worden. Vorzugsweise in der Bundesliga. Bei Schalke 04 etwa war der 43-Jährige im Gespräch, bei Eintracht Frankfurt und Hannover 96. Aber auch Zweitligist RB Leipzig beschäftigte sich mit Lewandowski. Der hatte erst im Frühjahr erklärt, dass er wieder das tun wolle, was er am liebsten mache und am besten könne. „Und das ist nun mal die tägliche Arbeit mit meiner Mannschaft“, so der Übungsleiter.

Zuletzt beschäftigte sich Lewandowski mit Konzepten, mit Strukturen. Bei Bayer Leverkusen fungierte er als Nachwuchs-Cheftrainer. Seine Aufgabe dort betrachtet er als erfüllt. In die Jugendarbeit von Bayer verabschiedete sich Lewandowski 2013 auf eigenen Wunsch. Zuvor hatte er bei den Profis gezeigt, über welche Qualitäten er verfügt.

Klare Vortsellungen, gute Ansprache

Diese machten ihn zuletzt sehr begehrt. Die Bayer-Spieler schwärmten geradezu von dem Mann, der die A-Junioren des VfL Bochum zweimal und von Leverkusen einmal in die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft führte. Lewandowski gilt als jemand, der klare Vorstellungen hat, ein gutes taktisches Verständnis, ein durchsetzungsstarkes und doch immer angenehmes Wesen und der zudem über das Geschick verfügt, seinen Spielern die Inhalte, die er im Kopf trägt, schnell und verständlich zu vermitteln. „Klar ist, dass er eine Mannschaft zu großen Erfolgen führen könnte“, sagte Leverkusens Verteidiger Roberto Hilbert mal über Lewandowski.

Mit Bayer schaffte es der Trainer in der Saison 2012/13 in der Bundesliga auf Platz drei. Doch es war ein seltsames Gebilde als gleichberechtigtes Duo mit Sami Hyypiä an der Spitze, aus dem sich Lewandowski nach der Saison zurückzog. Nach Hyypiäs Entlassung im April 2014 übernahm Lewandowski noch einmal bis zum Saisonende und lotste Bayer noch auf Rang vier. „Als Mannschaft waren wir tot, bevor er kam“, sagte Torhüter Bernd Leno damals. Insgesamt 45 Partien stand Lewandowski in der Bundesliga an der Seitenlinie, seine Bilanz mit Bayer liest sich mit 27 Siegen, elf Unentschieden und sieben Niederlagen sehr gut.

Der Weg weist in die Bundesliga

An Reputation mangelt es dem Übungsleiter, der 2011 als drittbester seines Jahrgangs seine Fußballlehrer-Ausbildung abschloss, also nicht. Der Weg, den er gehen will, führt ganz klar in die Bundesliga. Darin stimmen die Ziele von Lewandowski und Union überein. So einen Trainer von den eigenen Plänen begeistern zu können, unterstreicht ebenso die Anerkennung, die der Verein für seine Entwicklung erfährt.

Genauso verdeutlicht Union mit einer Verpflichtung von Sascha Lewandowski, dass es der Führungsriege um Präsident Dirk Zingler ernst ist mit den Ambitionen. Parallel zum wirtschaftlichen Aufstreben wurde immer mal wieder von der Bundesliga geredet. Unter dem langjährigen Trainer Uwe Neuhaus wirkten die Worte allerdings mehr wie Phrasen. Union lebte vor allem sein Image als Arbeiterklub, bei dem die Gesetzmäßigkeiten der Branche nicht unbedingt immer greifen.

Kein Kuschel-Klub mehr

Doch diesen Kuschel-Klub, der Neuhaus bis zum vergangenen Frühjahr sieben Jahre lang beschäftigte, den gibt es nicht mehr. Das unterstrich die Düwel-Entlassung nach nur 14 Monaten. Düwel diente letztlich dazu, ein paar verkrustete Strukturen aufzubrechen. Das hat er getan. Mehr aber traute man dem in dieser Position unerfahrenen Coach nicht zu. Für den nächsten Schritt bevorzugt der 1. FC Union, der am Dienstagabend ein Testspiel bei Oberligist Lichtenberg 47 mit 5:0 (0:0) gewann, einen Trainer mit einem anderen Format. Da geht es nicht mehr um Gefühle oder Fußballromantik, sondern um Zahlen, um Siege, um Platzierungen – wie bei anderen Vereinen auch. Bei Lewandowski stimmten diese Zahlen immer.

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