Union-Stammelf

Haas, Amsif und das ewige Duell um die Nummer 1

Bei Union kämpfen Haas und Amsif schon seit über einem Jahr um den Platz zwischen den Pfosten. Für beide geht es jedoch um viel mehr.

Vor einem Jahr begann der Zweikampf zwischen Daniel Haas (l.) und Mohamed Amsif um die Nummer 1 im Union-Tor

Vor einem Jahr begann der Zweikampf zwischen Daniel Haas (l.) und Mohamed Amsif um die Nummer 1 im Union-Tor

Foto: Daniel Naupold / picture alliance / dpa

Berlin –.  Kollegial stehen sie auf dem Trainingsplatz nebeneinander. Ein lockeres Gespräch, ein kleiner Flachs, eine kurze Aufmunterung für den anderen – eine Szene, die das fast schon freundschaftliche Miteinander dokumentiert, von dem Daniel Haas und Mohamed Amsif selbst immer wieder reden.

Wenig später, im intensiven Spiel, wird jedoch deutlich, in welcher Konkurrenzsituation sich die beiden Profis des 1. FC Union tatsächlich befinden. Es ist der Kampf um den Platz im Tor des Berliner Fußball-Zweitligisten. Es ist das ewige Duell um die Nummer eins.

Die beiden Schlussmänner befinden sich nicht erst seit dem Trainingsauftakt oder den Tagen in Kärnten in jener Situation, in der es nur einen Sieger geben kann, sondern bereits seit dem vergangenen Sommer. Seitdem hat Trainer Norbert Düwel in den 34 Ligaspielen viermal hin und her getauscht. „So ein Wechsel ist auch immer ein Zeichen dafür, dass irgendetwas nicht gestimmt hat“, sagte Haas rückblickend. Sein Gegenüber sieht es ähnlich. „Für meinen Anspruch war das zu wenig“, sagte Amsif. Andererseits habe er sich auch nichts zu schulden kommen lassen.

Das Wechselspiel ist auch in den Tests geblieben

Nun seien die Uhren wieder auf Null gestellt, betonen beide. Geblieben ist nur das Wechselspiel. Amsif stand im ersten Testspiel gegen Falkensee-Finkenkrug (8:1), Haas im zweiten gegen den MSV Neuruppin (10:1). Amsif absolvierte dann im Rahmen des Trainingslager in Bad Kleinkirchheim/Österreich das erste Spiel (1:2 gegen Austria Klagenfurt), Haas das zweite (0:1 gegen Austria Wien ).

Trainer Norbert Düwel will jedoch erst in dieser Woche seine Gedanken dahingehend verdichten, wer auch zum Saisonstart gegen Fortuna Düsseldorf (26. Juli) im Tor stehen wird. Als weiterer Fingerzeig soll das Testspiel am Montagabend beim Drittligisten Halleschen FC (Union gewann 3:0) gelten, bei dem wieder Amsif zwischen den Pfosten stand.

Die große Frage, die über allem schwebt, lautet: Wer steht im ersten Punktspiel im Union-Tor? „Ich hoffe natürlich, dass ich es bin. Erster Spieltag, heimische Kulisse, die Fans freuen sich darauf, dass es losgeht – da möchte man schon gern im Tor stehen“, gibt sich Amsif optimistisch, keinesfalls jedoch siegessicher.

Haas entspannt wie lange nicht

Haas wiederum zeigt sich überraschend entspannt: „Alles ist möglich.“ Wo er in der Winterpause nach der ersten Torwart-Wechselei in der Hinrunde noch den Tunnel der Konzentration kaum verließ, herrscht nun ein gewisses Maß an Lockerheit. „Das ist die Erfahrung, die mit dem Alter kommt. Eigentlich war ich immer so. Klar gibt es Situationen, die einen mehr belasten“, erzählt Haas: „Man darf sich sicher nicht zurücklehnen und mental aus dieser Situation herausnehmen. Aber wenn man zu verkrampft rangeht, wird nichts Fruchtbares dabei herauskommen.“

Dafür sorgt schon Unions neuer Torwarttrainer Dennis Rudel, dessen Übungen viel Kraft, Reaktionsvermögen (gern auch mal mit Tennisschläger und -ball) und vor allem schnelle Spieleröffnung beinhalten. Das Lob für den Konkurrenten bei jeder gelungenen Aktion inklusive.

„Für mich war es immer wichtig, einen guten Draht zu meinem Kollegen zu haben“, sagte Haas. „Man sollte fair miteinander umgehen. Man schätzt sich, aber natürlich sehen wir das auch als sportlichen Konkurrenzkampf“, entgegnet Amsif. Beide Aussagen hätten auch vom jeweils anderen kommen können.

Der Teamgedanke steht im Vordergrund

Es sind vielleicht jene Ansichten über eine mögliche Rolle als Reservist, die die beiden Torhüter am besten charakterisieren. Amsif spricht von „gemischten Gefühlen“, ob er sich auch auf der Bank als Sieger fühle, wenn Union mit Haas im Tor gewinnt: „Natürlich freut man sich für die Mannschaft und für den Verein. Aber dann kommt der Ehrgeiz und das Ego, dass man nicht seinen Teil dazu beitragen konnte. Da ist schon Traurigkeit und eine gewisse Wut. Dann geht man nach dem Spiel halt nochmal im Kraftraum und reagiert sich ab.“

Hass wiederum wird nicht müde, den Mannschaftsgedanken, den auch Amsif im Training vorlebt und den Trainer Düwel vehement und unmissverständlich von seinen Spielern verlangt, zu unterstreichen. „Ich denke, die Leistung, die Mo dann bringt, bringt er auch, weil ich ihn unter Druck setze. Wenn kein Druck herrscht, dann lässt man die Dinge auch mal schleifen“, erklärt Haas: Je besser der Mitbewerber um den einen Platz gefordert wird, „desto besser helfen wir der Mannschaft.“

Eine besondere Note erhält das Duell durch die persönliche Situation der beiden Kontrahenten. Haas ist mit 31 Jahren in einem Alter, bei dem „man früher gesagt hat, jetzt kommt das beste Torwartalter. Das ist in den vergangenen Jahren so ein bisschen relativiert worden durch die vielen jungen Torhüter, die da nachkommen.“ Champions-League-Sieger Marc-Andre ter Stegen, 23, oder auch Bernd Leno, 23, sind nur zwei Beispiele für die hohe Qualität, die die jungen deutschen Keeper derzeit mitbringen.

Amsif kämpft auch um seinen Status

„Trotzdem denke ich, dass ich noch in einem guten Alter, einer guten körperlichen Verfassung und imstande bin, mich weiterzuentwickeln“, sagt Haas. Für den ehemaligen Hoffenheimer geht es um die Empfehlung für einen neuen Vertrag, der aktuelle läuft am Saisonende nach vier Jahren aus.

Amsif (Vertrag bis 2017) wiederum ist mit seinen 26 Jahren in einem Alter, in dem man langsam aber sicher seinen Status als Nummer 1 bei einem Verein haben sollte, um nicht als ewiger zweiter Torwart zu enden. „Wenn man aus dem Tor genommen wird, ohne jetzt einen großen Fehler gemacht zu haben, fühlt man sich schon benachteiligt“, erklärt der Marokkaner.

Der Ex-Augsburger gibt sich in der Nummer-1-Frage philosophisch: „Die Zeit wird es richten.“ Oder eben der Trainer, Norbert Düwel.