Zweite Liga

Union ist die Schießbude der Liga in dieser Saison

Keine andere Zweitliga-Mannschaft hat mehr Gegentore kassiert als Union. Die Köpenicker mussten gleich 50 Mal den Ball aus dem Netz holen. Ein Qualitätsproblem, das schleunigst abgestellt werden muss.

Foto: Soeren Stache / dpa

Aus seinem Gefühlsleben wollte Christopher Trimmel keinen Hehl machen. „Man braucht auch jetzt nur in die Kabine zu schauen, jeder ist noch sauer“, sagte der Verteidiger des 1. FC Union am Sonntag nach dem Training. Der Stachel nach dem 1:2 im Ostderby gegen Aue sitzt tiefer, als man zu diesem Zeitpunkt der Saison vielleicht vermuten möchte.

Zwei Spieltage vor Schluss verharrt Union, längst aller Abstiegssorgen entledigt, im Niemandsland der Liga. Doch das Ostderby hat noch einmal jedem vor Augen geführt, welchen Gebieten der Zweitligist erhöhte Aufmerksamkeit schenken muss, um in der nächsten Saison – wie von den Verantwortlichen geplant – auch tatsächlich weiter oben angreifen zu können.

In erster Linie ist da das Defensivverhalten zu nennen. 50 Gegentore hat Union bislang kassiert, kein anderes Team bekam mehr. Selbst seit dem Wiederaufstieg 2009 setzte es nur einmal noch mehr Treffer (58 in 2011/12). Union ist die Schießbude der Liga. „Wenn man so viele Gegentore kassiert, ist das schon bitter“, kommentierte Trimmel. Gerade die beiden Tore gegen Aue „muss man verteidigen können, weil wir alle vier hinten waren“. Doch die Viererabwehr-Kette präsentierte sich am Sonnabend erneut als zu durchlässig. Trainer Norbert Düwel berichtete wiederholt von „Unachtsamkeiten in der Verteidigung“.

Alles eine Frage der Konzentration

Ein Qualitätsproblem, dass Union für die kommende Spielzeit unbedingt abstellen muss. Trimmel ärgern vor allem die Gegentore nach Standardsituationen. „Das ist eigentlich nur eine Frage der Konzentration“, erklärte Trimmel: „Es gibt immer eine klare Zuteilung vom Trainerteam, von Beginn an.“ Standards sind das eine, die Gegentore nach Kontern das andere. Ein Problem, mit dem die Köpenicker in diesem Umbruchjahr permanent zu kämpfen haben.

Die veränderte Spielweise, den Gegner früh abzufangen und selbst den Konter einzuleiten, ist längt noch nicht ausgereift. „Ich habe das zu meiner Zeit bei Rapid Wien schon einmal erlebt. So etwas braucht seine Zeit“, erzählte Trimmel. Die Schwierigkeiten und Gefahren dieser Taktik liegen auf der Hand. „Wenn man hoch steht und den Ball verliert, dann gibt es eigentlich kaum eine Chance, noch einmal hinterherzukommen“, sagte der Österreicher. Dies sei das Risiko, wenn man derart offensiv spielt, vor allem für Außenverteidiger wie Trimmel.

Die Aufgabe wird es sein, das Passspiel weiter zu verbessern und sich taktisch noch geschickter zu verhalten. Zum Beispiel in der Art, dass gegnerische Stürmer nicht gleich zu hundertprozentigen Torchancen kommen, indem sie nur noch den Torwart vor sich haben. Dies kann bedingt durch Training erreicht werden, noch eher aber durch die Verpflichtung erfahrener Spieler.

Düwel fordert eine größere Flexibilität

Apropos Taktik: Gegen Aue wurde ebenfalls deutlich, wie flexibel Coach Düwel sich sein Team auf dem Rasen wünscht. Begonnen hatte Union mit einem 4-2-3-1. Nach dem Wechsel brachte Düwel einen zweiten Stürmer und änderte auf 4-4-2 mit Doppelsechs.

Um den Druck weiter zu erhöhen, löste Düwel nach dem 0:2 den zweiten defensiven Mittelfeldspieler auf und brachte einen zusätzlichen offensiven Mittelfeldmann, um kurz vor Schluss mit dem dritten Stürmer alles nach vorne zu werfen. Dass am Ende dennoch nichts dabei heraussprang, lag allgemein an dem insgesamt zu trägen Auftritt der Union-Profis.

Keine Frage, die letzten beiden Saisonspiele beim FSV Frankfurt (17.5.) und gegen Eintracht Braunschweig (24.5.) können schon als erste Testspiele unter Wettkampfbedingungen für die kommende Saison gewertet werden. Kann Union in diesen 180 Minuten seine Schießbude geschlossen halten, wird es doch noch ein versöhnlicher Saisonausklang.