Zweite Liga

Union reicht Jopek-Doppelpack nicht zum Sieg gegen Ingolstadt

Der 1. FC Union verpasst gegen den Zweitliga-Spitzenreiter und designierten Aufsteiger FC Ingolstadt den erhofften Heimerfolg. Für einen Köpenicker Profi war die Partie jedoch wie eine Befreiung.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Die Frage konnte nicht abschließend geklärt werden. „Keine Ahnung, ob mir jemand ein Bierchen hingestellt hat, das ich in einem Zug austrinken muss. Ich trinke ja sonst keinen Alkohol.“ Björn Jopek war zu Scherzen aufgelegt. Die 90 Minuten schienen dem Mittelfeldspieler des 1. FC Union kaum etwas ausgemacht zu haben. Und ein Bier hatte er sich allemal verdient. Geht es nach der Anzahl der Tore, die der 21-Jährige am Sonntagnachmittag gegen den FC Ingolstadt erzielt hat, wäre sogar noch ein zweites erlaubt. Doch der Doppelpack des Blondschopfes war zu wenig, um gegen den FC Ingolstadt den achten Heimsieg einzufahren.

Dafür hat das 2:2 (0:1) gegen den Spitzenreiter der Zweiten Liga noch einmal jedem offenbart, warum die Bayern kurz vor dem Sprung in die Bundesliga stehen und Union nur im Mittelfeld der Liga. Norbert Düwel lobte seine Mannschaft, „die zum zweiten Mal gegen den Aufstiegsfavoriten gezeigt hat, was in ihr steckt“. Die es aber auch wie schon beim 3:3 im Hinspiel im Herbst vergangenen Jahres „nicht geschafft hat, Konstanz über 90 Minuten zu bringen“, so der Union-Trainer weiter: „Wir sind immer nah dran, schaffen es aber in letzter Konsequenz nicht.“

Auf der anderen Seite stand Ralph Hasenhüttl, Ingolstadts Coach, dem vor 17.761 Zuschauern bestätigt wurde, dass es in der Alten Försterei „nicht einfach ist, etwas mitzunehmen“ und „enorm schwierig, hier einen Vorsprung zu verwalten“. Auf der anderen Seite lobte er ausdrücklich die Moral des Tabellenführers, „dafür steht diese Mannschaft“.

Jopeks Liebeserklärung an Union

Mittendrin Björn Jopek, dessen Treffer nicht nur für eine zweite Halbzeit sorgten, die Spaß machte und in der neben Torszenen, rassigen Zweikämpfen und dem Ausschalten aller taktischen Zwänge in der Schlussphase alles vertreten war, was ein Fußballspiel ausmacht. Sein Doppelpack in der 75. und 79. Minute war auch eine Liebeserklärung an seinen Verein. „Union weiß, was sie an mir haben“, sagte Jopek, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft und noch nicht verlängert ist, „jeder kennt meine Stärken.“ Wer sie noch nicht kannte, hat sie eindrucksvoll zu sehen bekommen.

Die letzte Viertelstunde war gerade angebrochen, ein ums andere Mal hatte Union versucht, die in der Defensive sicher stehenden Gäste auszuspielen – das fasste sich Jopek einfach mal ein Herz und zog aus 18 Metern ab. Ein Flatterball, der nicht nur Gäste-Torwart Ramazan Özcan überraschte, sondern Union mit dem Ausgleich in der 75. Minute praktisch aus dem Nichts wieder zurück ins Spiel brachte.

Was dann vier Minuten später folgte, beschrieb Jopek so: „Wenn zum 1:1 schon so ein Tor gelingt, kann man es auch noch ein zweites Mal versuchen. Es hat funktioniert.“ Und wie: Aus 25 Metern hämmerte er einen Freistoß um die Ingolstädter Mauer herum an den linken Pfosten, von wo der Ball ins Netz flog. Kam sein Jubel nach dem ersten Tor schon einer Befreiung gleich, so darf die Freude vier Minuten später als ekstatisch bezeichnet werden. „Ich hatte eine lange Zeit, wo es etwas schwierig war und viele meiner Großchancen nicht reingegangen sind. Ich glaube, da sind 20 Tonnen von mir gefallen“, war Jopek nach seinen ersten Saisontreffern sichtlich erleichtert: „Schade nur, dass es nicht zum Sieg gereicht hat.“

Großer Aufwand, wenig Ertrag

Eben dies ist der Unterschied zwischen einem herkömmlichen Zweitliga-Team und einem Fast-Erstligisten. Der Ertrag ist trotz großen Aufwands oft zu gering. „Wir haben versucht, gut zu kombinieren, jeder wollte den Ball haben“, sagte Jopek. Maximilian Thiel pflichtete ihm bei: „Spielerisch war das mal wieder ansehnlich, zumal wir nicht nur mit hohen Bällen agieren wollten. Da haben wir einen guten Mix gefunden.“ Zumindest nach der Pause.

Vorher präsentierte sich Union so, dass Trainer Düwel sogar seine Hände fassungslos über dem Kopf zusammenschlagen musste. Fünf Minuten waren vorbei, als Union versuchte, die Zuordnung vor einem Ingolstädter Freistoß zu koordinieren – und dabei Marvin Matip völlig außer Acht ließ. Mutterseelenallein nahm der FC-Verteidiger den Ball entgegen und vollendete seelenruhig zum 0:1. Düwel nannte die Seinen „naiv“ und „schlafmützig.“

Gleiches galt beim Ausgleich acht Minuten vor dem Ende, als Tobias Levels nach einem Freistoß den Ball an den Pfosten köpfte, ehe das Spielgerät – vom heraneilenden Robert Bauer unterstützt – über die Linie trudelte. „Wieder sind wir beim zweiten Ball nicht da“, erkannte Stürmer Sebastian Polter das Manko. Dass Union die Ingolstädter, die lange Zeit nur das Nötigste für ihre Führung taten, am Rande einer Niederlage hatte, verkommt somit zur Randnotiz, die Chancen für Christopher Quiring (28.), Damir Kreilach (35.), Thiel (36.) inklusive.

„Wie eine Niederlage“

„Wir haben als Mannschaft eine Super-Leistung gezeigt, da kann man einfach auch mal zufrieden sein, selbst wenn wir den Sieg noch hergeschenkt haben“, bilanzierte Jopek. Tatsächlich? „Naja, wenn man kurz vor Schluss noch führt, ist das Unentschieden schon wie eine Niederlage.“ Vielleicht kann ein Schluck Bier zum Trost doch helfen.