Zweite Liga

Fürth stoppt Unions Aufwärtstrend in der Alten Försterei

Der 1. FC Union wollte seine kleine Erfolgsserie von zwei Siegen gegen Fürth ausbauen. Allerdings fehlten den Köpenickern die spielerischen Mittel, um die Franken ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Die dritte Minute der Nachspielzeit war bereits vorbei, als Sören Brandy genug hatte. Mit flinken Schritten setzte der Stürmer des 1. FC Union in Höhe des Mittelkreises dem Fürther Stephan Schröck nach und senste ihn von hinten um. Es war der traurige Abschluss einer Partie, in der Brandy für seine Aktion folgerichtig die Rote Karte sah, Union schließlich mit 0:1 (0:1) gegen die SpVgg Greuther Fürth verlor und nach einem kleinen Höhenflug einen herben Dämpfer erhielt.

Der Schuldige war schnell ausgemacht, zumindest bei den Union-Fans unter den 18.702 Zuschauern in der Alten Försterei: Schiedsrichter Martin Thomsen (Donsbrüggen). Schon während der Partie hatte er sich bei diversen Entscheidungen den Unmut sowohl von den Rängen als auch von den Spielern des Berliner Fußball-Zweitligisten zugezogen. Nach dem Schlusspfiff war es sogar Union-Trainer Norbert Düwel, der dem Unparteiischen nicht ohne einen passenden Kommentar in die Katakomben gehen lassen wollte. „In diesem Spiel hat ein ordentlicher Schiedsrichter gefehlt“, sagte Düwel später, und: „Das Schiedsrichtergespann war dem Spiel heute nicht gewachsen.“

Düwel kritisiert den Referee

Noch Minuten nach Spielende sah man den Union-Coach schimpfend und gestikulierend im Stadion. In der Tat machte Thomsen bei einigen Entscheidungen keine glückliche Figur. Beim Platzverweis für Brandy lag er jedoch richtig. Das sah selbst Düwel so: „Ich denke, die Situation ist so in Ordnung.“ So war Düwel – trotz allem Ärger – weit davon entfernt, die Niederlage am Schiedsrichter festzumachen als vielmehr an seiner Mannschaft.

Dabei sollte nach den Siegen gegen den SV Sandhausen (3:1) und beim VfR Aalen (2:1) der nächste Schritt für die Köpenicker aus dem Ligakeller gelingen. Grundvoraussetzung dafür: Bloß nicht wieder in Rückstand geraten. Der Plan der Unioner ging auf – exakt 140 Sekunden lang. Dann schauten sich alle fragend an, Toni Leistner, Roberto Puncec, Mohamed Amsif im Tor, derweil die Fürther jubelnd abdrehten.

Kacper Przybylko war am Fünfmeterraum völlig frei zum Kopfball hoch gestiegen und hatte eingeköpft (3.). Schon bei der Flanke, die in den Strafraum segelte, hatten die Hausherren nur andächtig zugeschaut. „Wider Erwarten haben wir früh ein Tor kassiert und überraschend nach einer Standardsituation“, kommentierte Düwel sarkastisch die Szene. Und weiter: „Da haben wir geschlafen, da hilft es auch nichts, dass der Freistoß zuvor aus meiner Sicht keiner gewesen ist.“

Doch anders als noch vor wenigen Wochen, als jeder Gegentreffer praktisch den Zerfall des Union-Teams nach sich zog, steckten die Berliner das 0:1 gut weg. Vielleicht auch deshalb, weil Trainer Düwel wieder jener Elf vertraute, die das Spiel schon in Aalen gedreht hatte. Es entwickelte sich eine Partie, in der sich die Gäste aus Fürth zurückzogen und gut verteidigten und Union mit hohem läuferischem Aufwand auch spielerisch zu gefallen wusste. Nur herausgespielte Torchancen gab es kaum.

Planlos in der zweiten Halbzeit

Nach einer Flanke von Maximilian Thiel kam Sören Brandy beim Kopfball nicht richtig hinter das Spielgerät (14.), Thiel selbst scheitert von links aus spitzem Winkel an Fürths Torwart Tom Mickel (32.), Toni Leistner schob den Ball aus spitzem Winkel nach einem Freistoß von Benjamin Köhler nur rechts ans Außennetz (38.) – den Berlinern war das Bemühen nicht abzusprechen, die letzte, entscheidende Konsequenz fehlte jedoch. Was natürlich auch an den Fürthern lag, die, so deren Trainer Michael Kramer, „aggressiv und geordnet verteidigt“ haben.

Dies setzte sich auch in der zweiten Halbzeit fort, in der Union mehr und mehr die spielerische Linie verlor. Stattdessen „haben wir sehr früh angefangen, hohe Bälle zu spielen“, sagte Düwel. Zu früh und gegen die hochgewachsenen Fürther Verteidiger wirkungslos. Konnte man den Köpenickern vor der Pause trotz des Rückstandes noch eine ordentliche Leistung bescheinigen, so wirkte der Auftritt nach dem Wechsel zu planlos, um gegen Angstgegner Fürth im neunten Punktspiel seit Unions Wiederaufstieg 2009 das dritte Unentschieden, geschweige denn den ersten Sieg landen zu können.

Am Ende musste man sogar noch froh sein, dass Robert Zulj (77.), Florian Trinks (83.) oder Stephan Fürstner (85.) die Niederlage nicht noch deutlicher machten. Was blieb, war Enttäuschung, die sich im Frustfoul von Brandy in der Nachspielzeit manifestierte.