Zweite Liga

Union kassiert gegen Köln zehnte Niederlage in der Saison

Die Berliner haben sich nach drei Niederlagen in den letzten vier Spielen endgültig aus dem Kampf um die vorderen drei Plätze verabschiedet. Sie unterlagen dem 1. FC Köln mit 1:2.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Ganz am Ende standen sie sich gegenüber. Als Mannschaft und Trainer des 1. FC Union die Ehrenrunde durch die Alte Försterei beendet hatten und auf dem Weg in die Kabine waren, sahen sich Coach Uwe Neuhaus und Dirk Zingler kurz in die Augen.

Der Präsident des Berliner Fußball-Zweitligisten klatschte den Trainer ebenso ab wie er es mit den Spielern der Köpenicker Kicker tat. Die Mienen sprachen Bände voller Enttäuschung. Mit 1:2 (1:1) hatte Union am Freitagabend gegen den 1. FC Köln verloren, den Klassenprimus im Bundesliga-Unterhaus.

Die Rheinländer feierten nicht nur den Sieg, sondern auch den Quasi-Aufstieg. Denn nach dem 3:2 des 1. FC Kaiserslautern beim FC St. Pauli liegt die Geißbock-Elf 14 Punkte vor Nichtaufstiegsplatz vier – ein Vorsprung, der in den restlichen vier Partien nicht mehr verspielt werden kann. Da auch der SC Paderborn in Ingolstadt gewann (2:1), ist das Polster zu Relegationsplatz drei mindestens neun Zähler groß.

Tolle Stimmung in Berlin

Zahlen, von denen die Köpenicker nur träumen können. So sprach Neuhaus nach der zehnten Saison-Niederlage von einem „Ergebnis, das wieder enttäuschend ist. Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, ist es jedoch nicht.“

In der Tat ist den Unionern von ihrem Auftreten her zumindest ein klein wenig die Wiedergutmachung für das blamable 2:3 eine Woche zuvor in Aue gelungen. Mehr aber auch nicht, trotz großartiger Rahmenbedingungen.

Die Stimmung hielt, was man sich von ihr versprochen hatte. So muss sich Bundesliga anfühlen: Im Köpenicker Schmuckkästchen erlebten die 21.717 Zuschauer eine Atmosphäre, die sich vor keiner Erstliga-Partie zu verstecken braucht. Rot-Weiß waren die Farben des Abends, beide Fanlager feuerten ihre Teams enthusiastisch an.

Kaum Schmähgesänge, keine Feindseligkeiten, keine Pyros, Ausschreitungen oder ähnliches – keine Frage, wer am Freitagabend den Weg in die Försterei nicht gewagt oder geschafft hatte, der hatte etwas verpasst.

Berliner Führung durch Dausch

Es war 18.28 Uhr, zwei Minuten vor dem Anpfiff, als Trainer Neuhaus nach seiner Mannschaft aus den Katakomben der Haupttribüne heraus in den Innenraum trat. Innerlich wirkte der Trainer ruhig, doch nach den Resultaten, vor allem aber nach den Darbietungen in den vergangenen Wochen gab es im Umfeld des Klubs Kritik zu hören.

Dem wollte Neuhaus, dem sollte die Mannschaft unbedingt entgegenwirken. Gegen einen Gegner, den der Coach wegen seiner Variabilität im Spielverlauf lobte und die Seinen damit zugleich davor warnte. So stand für den Union-Trainer „das Grundgerüst nicht zu Debatte“.

Soll heißen: Statt mit zwei defensiven Mittelfeldspielern zu agieren, um die Defensive zu stärken, beließ es Neuhaus wieder bei einem Sechser, Damir Kreilach. Ein System, das, wie Martin Dausch später feststellte, „richtig war, um gegen Köln gewinnen zu können“.

An der Seitenlinie schien es, als wollte Neuhaus jene Ruhe ausstrahlen, die er im Spielverlauf von seinem Team verlangt. Den ersten Fehlpass von Torsten Mattuschka nach nur 30 Sekunden quittierte er mit einem leichten Durchdrücken des Rückens. Nach dem ersten ernsthaften Foul an einem seiner Spieler (Sören Brandy) machte sich Neuhaus Notizen. Nur selten sah man ihn an der Seitenlinie toben, wenn er mit einer Entscheidung von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) nicht zufrieden war.

Anstoß musste dreimal vollzogen werden

„Wir hatten uns vorgenommen, den ganzen Müll der Vorwochen auf dem Platz auszuschütten“, sagte Neuhaus. Und seine Mannschaft tat, wie ihr geheißen. Sogar der Anstoß durch die Kölner musste gleich dreimal vollzogen werden, weil die Unioner zu früh in den Mittelkreis gerannt waren.

Wenn es ein Indiz dafür gab, mit welcher Kraft Union endlich wieder ein Erfolgserlebnis einfahren wollte, dann war es gleich dieser Beginn. „Union hat sehr viel Druck ausgeübt. Wir mussten viel Arbeit investieren, der Sieg war schwer zu erreichen für uns“, zollte Kölns Trainer Peter Stöger, der am Freitag seinen 48. Geburtstag feierte, den Berlinern Lob.

Auch weil es ihnen gelang, das Kölner Bollwerk nach zuletzt vier Spielen ohne Gegentor wieder zu überwinden. Marc Pfertzel schlug von der rechten Seite einen Diagonalpass in den Gäste-Strafraum, wo Martin Dausch ihn per Dropkick an FC-Torwart Timo Horn vorbei ins Netz jagte. Ja, Union führte, gegen den designierten Erstligisten.

Köln brauchte 25 Minuten, um ins Spiel zu finden. Und kam prompt durch einen verwandelten Foulelfmeter durch Patrick Helmes zum Ausgleich. Roberto Puncec hatte Slawomir Peszko gefoult. Die Entscheidung fiel in der 59. Minute. Helmes zimmerte einen Freistoß an der Union-Mauer vorbei ins Tor, Keeper Daniel Haas machte dabei keine gute Figur. Sein Sprung weg von der Torwartecke in die Tormitte machte den Weg für das Gegentor frei.

Doch Union kämpfte, versuchte alles, auch wenn nur noch wenig gelang. Sören Brandy war am Ende seiner Kräfte, Pfertzel lag mit einem Wadenkrampf am Boden. Doch aufgeben galt nicht. Erst als der eingewechselte Simon Terodde Sekunden vor dem Abpfiff den Ball aus einem Meter in die Hände von Torhüter Horn köpfte, war die Niederlage besiegelt. Das Abklatschen mit dem Präsidenten konnte da nicht wirklich trösten.